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Geschrieben von Kömi am 13.07.2004, 10:01 Uhrzurück

Schön, dass es noch Leute gibt, die sich nicht völlig aufgeben

Hallo!

Ich war schon total verunsichert, weil hier einige die Ansicht vertreten, man/frau muss durch die Weltgeschichte gondeln, zur Not auch Haus und Grund aufgeben, kann man sich ja neu erwerben. Das soll so einfach gehen? Wer macht denn sowas? Mal eben?
Ich kenne Leute, die ihre Häuser selber gebaut haben, denen soll man abverlangen, mal eben so einfach alles zu verkaufen??? Wir haben übrigens kein Haus und sind auch schon berufsbedingt umgezogen. Muss ich nicht immer haben.

Meiner Tochter würde auch ein Vater, der ab 19 Uhr daheim ist, nicht viel nützen. Sie geht um 19 Uhr ins Bett, damit sie am nächsten Tag fit für den Kiga ist.
Mein Mann gehört auch zu den Männern, die sich um ihr Kind kümmern und sich auch nie vor dem Windelwechseln gescheut haben. Am Wochenende steht mein Mann sogar früh auf und geht um 8 Uhr morgens mit ihr auf den Spielplatz, weil die Kleine darauf besteht!!!! Na, wessen Mann macht das noch? Er ist genauso unglücklich wie unsere Tochter, wenn sie sich wegen einem späten Feierabend abends nicht mehr sehen. Und die schönsten und aufregendstens Jahre seines Kindes zu verpassen, dass ist kein Job der Welt wert!
Das ist meine Ansicht - heute!

Ich habe früher beim Anwalt gearbeitet, bekannt für Überstunden. Sieben Jahre war ich in einer Kanzlei, Fachgebiete Mahn-/und Zwangsvollstreckung und Unfallsachbearbeitung bis zur Klageerhebung. Ich hatte mein eigenes Büro und habe meine 50 Stunden immer geleistet und das für 2500 DM brutto. Anwälte sind chronisch geizig, aber mir hat mein Job und die damit verbundene Verantwortung gefallen. Dann wurde die Arbeit noch mehr und knapp ein halbes Jahr war ich dann sogar noch am Wochende arbeiten! Einkaufen: ging immer nur samstags vormittags, weil ich bis 19 Uhr immer mindestens im Büro. Aber nach diesem halben Jahr Wochenendarbeit war ich auch platt und hatte fast etwas sehr wichtiges verloren: meine sozialen Kontakte. Aufgefallen ist es mir erst, als ich von einem Freund nicht zum Geburtstag eingeladen wurde. "Oh, Entschuldigung, ich dachte, du gehts eh arbeiten". Nein auf den Geburtstag wollte ich und so war auf dem Samstag abend auch dort, direkt nach der Arbeit um 22.45 Uhr.

Damals war ich überzeugter Single, hätte wohl anders auch gar nicht funktioniert. Aber heute bin ich reifer, älter und Mutter einer wundervollen Tochter. Meine Ansichten haben sich radikal geändert. Was nützen einem Kind gutverdienende Eltern, wenn es sie nicht mehr sieht? Kein Geld der Welt, kann gemeinsames Toben, Lachen, Reden oder Kuscheln ersetzen. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Ich denke auch, dass die allgemeine Verrohung ein Paradebeispiel dafür ist, das unsere Gesellschaft nicht mehr richtig "tickt", siehe diese schrecklichen Übergriffen in den Klassenräumen. Früher wurde auch gezankt, aber fing einer an zu weinen, war die Kloppe vorbei.
Burnout-Sydrom, Depressionen, Schlafstörungen, alles Symptome der neuen Arbeitswelt.

Unternehmen werden auch mit Sicherheit nicht die Produkte günstiger machen, weil die Abeitskräfte mehr dafür arbeiten. Am Ende wird es heißen "wir sind froh, dass wir das Preis-Niveu halten konnten (und die Vorstände noch ein bisschen mehr Prämie in den Taschen haben).

Es ist nunmal eine Tatsache, dass nur mehr Umsatzt gemacht wird, wenn das Geld dazu da ist. Und Leute die mehr arbeiten aber nicht mehr verdienen können auch nicht mehr kaufen. Punkt. Ende.

Ich arbeite gerne, aber nicht um jeden Preis. Familie und soziale Kontakte haben Vorrang. Auf meinem Grabstein wird auch nicht stehen: Die Firma dankt. Würde mir dann auch nichts mehr nützen.

Gruß Moni

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