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Geschrieben von marit am 27.09.2004, 10:51 Uhrzurück

Re: Re.

Ich habe durch die Kurse um als Pflegemutter vom Jugendamt aktzeptiert zu werden auch viele jetzige Adoptiveltern kennengelernt (die dieselben Kurse besuchen mußten). Natürlich wünschen sich die meisten, wie eben Schwangere Frauen auch, in der Regel gesunde, intelligente und nicht allzu gestörte Kinder. Daran ist ja erstmal nichts Verwerfliches. Keine Schwangere würde sagen "ich hätte lieber ein behindertes Kind", trotzdem wird sie deswegen nicht für moralisch fragwürdig gehalten.

Die Kinder, die in Pflege gegeben oder zur Adoption freigegeben werden, kommen aber häufig aus Familien mit Sucht- oder Mißhandlungsproblematiken - und das wissen Pflege- und Adoptiveltern. In der Regel werden sie nur dann überhaupt in die Karteien der Jugendämter aufgenommen, wenn sie sich dieses Risikos (von Folgeschäden etc.) bewußt sind. Was allerdings schon ein großes Problem ist, ist das gerade die Adoptiveltern häufig nicht bereit sind, angemessenen Kontakt zu den Herkunftsfamilien zu halten. Sie wollen häufig Kinder als "Ersatz" für die eigenen, die sie nicht bekommen können - und das führt irgendwann fast immer zu Problemen (das was an den Kindern toll ist, wird auf die eigene Erziehungsleistung geschoben, alles was man nicht gut akzeptieren kann, sind dann halt die Gene oder die Vorschädigungen). Ich kann sehr gut verstehen, warum Eltern, die sich nicht in der Lage fühlen, ihre Kinder zu versorgen, diese lieber in Pflege geben, als in Adoption. Denn bei einer Adoption sind sie komplett raus aus dem Spiel und dürfen gar nichts mehr entscheiden. Noch dazu begegnen ihnen die Adoptiveltern häufig genug ausgesprochen feindeslig, eine Feindseligkeit seiner wirklichen Herkunft gegenüber, die letztlich auch dem Kind nicht guttut.

Ich finde es daher schon angebracht, daß man Adoptiveltern manchmal wegen ihrer Motive in die Zange nimmt. Ungewollte Kinderlosigkeit und die Sehnsucht nach einem Kind reicht noch lange nicht aus, verantwortungsvolle Eltern zu werden und die Gründe, warum man unbedingt ein Kind WILL, können moralisc genauso egoistisch und fragwürdig sein, wie die Gründe, ein Kind abzulehnen.

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