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Geschrieben von marit am 02.07.2004, 13:12 Uhrzurück

Re: re:

Ich sehe das schon etwas anders. Die bessere Bezahlung empfinde ich auch als Ausgleich für viel längere Ausbildungszeiten. Zufällig habe ich eine Freundin, die Krankenschwester ist. Die erfreut sich eines bombensicheren krisenfesten Jobs, hat bereits mit 18 Jahren ihr eigenes Geld verdient und lebt mittlerweile mit 30 in einer schon zu einem guten Teil abbezahlten Eigentumswohnung. Ich bin im selben Alter, habe kein Bafög bekommen und fast nichts von meinen Eltern (wer verklagt schon seine Eltern), ich habe trotz ewigem jobben nach 5 Semestern mein Studium abgeschlossen (bin daher allerdings der Ansicht, daß man in Deutschland durchaus nicht aus materiellen Gründen auf ein Studium verzichten muß) und habe dann mit einer Promotion begonnen. Diese finanzierte ich mit einer halben Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin, das sind knapp 650 Euro im Monat. Trotz der haleben Stelle mußte ich eigentlich JEDE Woche mehr als 30 Stunden dafür arbeiten und NEBENHER noch promovieren. Das Geld reichte natürlich trotzdem nicht, als habe ich mir ein Darlehen besorgt um die Promotion abzuschließen. Erst mit 29 habe ich zum ersten mal soviel Geld verdient, daß ich mir mehr als ein kleines WG-Zimmer leisten konnte. Rücklagen habe ich bis heute nicht, dafür aber immer noch Schulden aus dieser Zeit.

Auch für die Rente wird diese Zeit nicht mitberechnet, obwohl ich seit dem Abi eigentlich immer wie blöd geschuftet habe. Ich finde für diese 10 Jahre Nachteil und die gewaltigen Strapazen die ich unter miesesten wirtschaftlichen Bedingungen durchgestanden habe, steht mir nun auch ein höheres Einkommen zu. Das hat nichts mit "Belohnung fürs Schlausein" .Nur Schlausein reicht ja nicht, wenn man sich nicht zusätzlich sehr anstrengt.

Außerdem, wenn ich mit mal so unter meinen ehemaligen Schulfreunden umsehe, ist es keineswegs so, daß die "Dummen" heute die größten Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben, sondern eher, die, die damals in der Klasse die "Kings" waren und die sich leider schon frühzeitig die Birne mit Gras, Alk und allem möglichen Scheiß vollgestopft haben. Auch jemand mit "bloßem" Hauptschulabschluß kann eine tolle Geschäftsidee haben und sich selbständig machen, und mehr verdienen als ein ehemaliger Abiturient.
Auch mit Studium, wenn man eben zur falschen Zeit auf den Arbeitsmarkt kommt, kann man ewig arbeitslos sein und auf keinen grünen Zweig kommen.

Abi und Studium sind nicht unbedingt die Königswege zum (wirtschaftlichen) Erfolg. Aber es gibt auch ne Menge Menschen, die diese Chancen mutwillig und immer wieder verspielen, obwohl sie vom Intellekt her durchaus in der Lage wären es zu schaffen. Wenn ich nun denselben Lohn bekäme, wie diese - wozu habe ich mich dann überhaupt angestrengt all die Jahre??


Einzige Ausnahme sind für mich Jobs am Rande der Unzumutbarkeit. Die müßten meines Erachtens höher als alle anderen bezahlt werden - und daß DAS nicht so ist, finde ich tatsächlich ungerecht. Ich meine damit sowas wie Öltanks von innen schrubben, öffentliche vollgekotzte Toiletten reinigen etc.

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