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Geschrieben von bine+tom am 18.11.2004, 18:42 Uhrzurück

Öl ins Feuer, noch ein Urteil:

Bewährungsstrafe für verhungertes Kind

Die streng vegetarischen Eltern eines 15 Monate alten Jungen sind wegen des Hungertodes ihres Kindes zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht Paderborn sah es als erwiesen an, dass das Paar aus Bad Driburg mit dem Kind nicht rechtzeitig zum Arzt gegangen war und somit zu seinem Tod im März beigetragen hat.

Paderborn - Das unterernährte Kind war erkrankt und hatte sein Essen ohne jedes tierische Fett am Ende völlig verweigert. Nahrungsmangel und Lungenentzündung waren tödlich. Die Eltern wurden wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. "Es wurde sehr deutlich, dass beide Angeklagten im Rahmen ihrer Lebensweise letztlich das Beste für das Kind gewollt haben", sagte der Richter beim Urteil. Die so genannten Veganer verzichten auf tierische Produkte in jeder Form und leben damit nach noch weitaus strengeren Richtlinien als Vegetarier.

"Es ist nicht der typische Fall von Verwahrlosung", erklärte der Richter weiter. Die Mutter - eine gelernte Krankenschwester - hatte beteuert, nur aus Misstrauen gegen die Schulmedizin mit dem Kind nicht zum Arzt gegangen zu sein. Sie hatte versucht, den Jungen mit Natur-Ölen zu behandeln. Das untergewichtige Kind hatte sie vor der Erkrankung nach eigenen Worten streng nach einem Fachbuch für veganische Ernährung gefüttert. Leon bekam unter anderem Milchersatz aus Mandeln und Kokosnuss zu essen.

Zugleich betonte der Richter, die Eltern hätten das kranke Kind zum Arzt bringen müssen. Die ernsthafte Gefahr habe auf der Hand gelegen. Die 36 Jahre alte Mutter hatte vor Gericht gesagt, sie habe nie damit gerechnet, dass Leon sterben könne. Rund zwei Wochen vor seinem Tod sei der Junge erkrankt und immer schlapper geworden. Ihr Lebensgefährte, ein 44 Jahre alter Schreiner, hatte sich im Prozess zu den Vorwürfen nicht geäußert.

Im August 2004 ist die Frau zum vierten Mal Mutter geworden. Das Jugendamt des Kreises Höxter verzichtete nach einer strengen Prüfung trotz des Strafverfahrens auf den Entzug des Sorgerechts für die drei verbliebenen Kinder. Die Eltern hatten dafür sowohl regelmäßigen Arztbesuchen als auch einer Umstellung des Speiseplans zugestimmt. Die Kinder bekommen jetzt Eier, Fisch und Milch. (dpa)

Wo ist hier die Grenze zu ziehen? Als Mutter bin ich der Meinung, dass es Mord ist oder zumindest grob fahrlässige Tötung im besonders schweren Fall. Andererseits ist dann die Frage, was aus den Kindern werden würde (Heime, Pflegefamilien...)
Wie denkt Ihr darüber?
Grüße
bine

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