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Geschrieben von marit am 09.07.2004, 16:58 Uhrzurück

Obergrenzen wären für alle Beteiligten sinnvoller

Ich bin da wirklich etwas gespalten. Die Arbeitgeber fordern von uns das, was in eigentlich allen Ländern Realität ist. Wir haben in Deutschland tatsächlich die längsten Ferien und die wenigsten Arbeitsstunden pro Tag. Zugleich haben wir aber keine Infrastruktur, die uns das Leben mit längeren Arbeitszeiten erleichtern würde. Wenn ich länger arbeite, will ich auch um 21 Uhr noch etwas fürs Abendessen einkaufen können oder meine Blusen zum Bügeln bringen. Ich will meine Kinder auch im Notfall am Abend gut betreut wissen, ohne viel organisieren zu müssen. Nur: daß das nicht geht, ist ja nicht die "Schuld" der Arbeitgeber. Warum also nicht eher DAFÜR protestieren, als für weniger Arbeit. Länger Arbeiten würde -wie schon gesagt - unsere Produkte günstiger machen, insofern hätten wir zwar nicht mehr Geld in der Tasche, könnten uns aber dennoch mehr dafür kaufen.


Was das Gleichberechtigungsargument angeht. Auch hier ist nicht die nominale Arbeitszeit das Problem, sondern eher die "eigentliche" Arbeitszeit. Eine Alleinerziehende hat ohnehin riesige Probleme einen Vollzeitjob mit ihrem Erziehungsauftrag zu koordinieren, ab sie nun 37 oder 40 Stunden arbeitet. Ein vollzeitarbeitendes Elternpaar kann sich auch wenn jeder 40 Stunden arbeitet ohne größere Probleme die Kinderbetreuung teilen, wenn die Arbeitszeiten nicht deckungsgleich sind. Die heftigsten Probleme treten doch nicht bei den Vertragszeiten auf, sondern dort, wo der eine Partner behauptet, den Job nur mit Arbeitszeiten um die 60 Stunden halten zu können, und der andere deshalb zurückstecken muß, wo der eine behauptet, er dürfe "nie" wegen Krankheit des Kindes frei machen, weil er sonst den Aufstieg auf der Karriereleiter verpaßt und wo jemand um 17 Uhr noch nicht sagen kann, wann er heute nach Hause kann. Hier sage ich bewußt "er", denn das sind leider in der Regel Männer. Wenn jetzt aber wir Frauen anfangen, gegen eine Arbeitszeit zu demonstieren, die immer noch unter europäischem Durchschnitt liegt, womöglich auch noch mit dem Argument der Kinderbetreuung, dann rennen wir doch bei all jenen offenen Türen ein, die aus eben diesem Grund ungern Frauen beschäftigen.

Ich wäre daher eher für folgenden Deal. "Wir arbeiten alle im Schnitt 3 Stunden länger die Woche, gerne auch je nach Auftragslage aber dafür ist es auch verboten (und wirklich absolut und unter allen Umständen verboten!) einen Angestellten mit Kind (Mann oder Frau!) länger als 9 Stunden pro Tag arbeiten zu lassen. Wenn die Männer mit Familie ihren Mehreinsatz, den sie nur auf Kosten ihrer Frauen fahren können, gar nicht bringen DÜRFEN, gibt es nämlich auch kein Argument mehr, Frauen auf verantwortlichen Posten zu benachteiligen. Dies würde automatisch
Frauen mehr Chancen im Karrierewettbewerb verschaffen, weil nicht mehr unzählige Überstunden bis zur Selbst- und Familienaufgabe Voraussetzung für Karriere wären und sich die Männer nicht mit den Argumenten ewiger Überstunden (was oft ja nicht mal stimmen muß)vor der Familienarbeit drücken könnten.

Ebenfalls könnte man so Lohndumping mittelfristig beenden, denn natürlich müßte diese Obergrenze auch auf dem Bau oder in der Gastwirtschaft gelten.

Vielleicht wäre das mal ein neuer Ansatz für die Gewerkschaften.

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