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Geschrieben von Elamaus am 26.10.2005, 10:47 Uhrzurück

"Nonni" statt Krippe - Bitte lest mal.

...Italienische Rentner spielen statt Schach gerne mit ihren Enkeln.

"Nonni" statt Krippe
In Italien übernehmen immer mehr Großeltern die Kinderbetreuung
Von Kristin Hausen
Kindergeld gibt es nicht, öffentliche Kindergärten zu wenige und familienfreundliche Arbeitszeiten sind auch die Ausnahme: Wer in Italien Kinder hat, kommt nicht aus ohne die Hilfe der Großeltern. Oma und Opa sind deshalb die wahren Kindererzieher und Alltagsmanager. Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi, hat als Dank für dieses Engagement in der Familie einen landesweiten Oma-und-Opa-Feiertag ausgerufen. Auf italienisch heißt er "Festa dei nonni". Die "nonni", das sind die Großeltern.

Alessandro, zweieinhalb und Aldo, 68 sind ein perfektes Team.

In den Kindergarten bringen ihn die Eltern. Ich hole Alessandro dort um halb zwei ab, dann macht er Mittagsschlaf und danach gehe ich mit ihm raus. Wir fahren mit der U-Bahn, gehen in den Park oder ein Eis essen. Bis sieben Uhr abends, dann holen ihn seine Eltern ab.

So geht das jeden Tag. Und oft auch am Wochenende, wenn die Eltern mal Ruhe brauchen. Nonno, also Großvater Aldo kennt inzwischen sämtliche Spielplätze der Stadt, hat immer ein paar Buntstifte in der Tasche, ist Spezialist für Fangen, Bauchweh und Trotzphasen und bleibt auch dann noch gelassen, wenn sein Enkel fast vom Klettergerüst fällt.

Geduldig, zärtlich, humorvoll - so beschreiben fast 80 Prozent der italienischen Großeltern ihr Verhältnis zu den Enkeln. Das steht jedenfalls in einer Studie der Europäischen Gesellschaft für Psychoanalyse. Mit überwältigender Mehrheit spielen die Kinder lieber mit dem Opa als mit dem Papa. Nonno Aldo und Alessandro sind da also keine Ausnahme. Was Kinder brauchen, mögen, können, hat der Superopa aber erst durch sein Enkelkind gelernt.

Als meine Kinder klein waren, war ich ständig auf Geschäftsreise und habe gar nicht mitbekommen, wie sie groß geworden sind, das sehe ich jetzt bei ihm.

Der Nachholbedarf ist groß. Und die Energie beeindruckend. Laut einer Umfrage fühlen sich 76 Prozent der Italiener über 60 körperlich topfit. Viele von ihnen managen das Familienleben, stecken voll drin im Alltagsstress.

Wir retten die Familie, weil wir die Kinder betreuen. Die armen Mütter, die arbeiten gehen, wüssten sonst nicht, wohin mit ihnen. Oma und Opa springen hier oft ein. Aber ich mache das sehr gerne. Ohne meine zwei Enkelkinder wüsste ich gar nicht, wie ich die Zeit totschlagen soll.

Nonna Agata ist 72 Jahre alt. Schlohweißes Haar, blaue Augen, Hände, die beim Reden durch die Luft fliegen. Eine rüstige Rentnerin. In der Woche kocht sie mittags für ihren Sohn, ihre Schwiegertochter und die beiden Enkel. Dann gehen die Eltern zurück ins Büro und die Oma mit den bambini in den Park. Hier trifft sie ihre Freundin Elena, 63 Jahre alt und Oma von vier Mädchen.

Die beiden erzählen sich von früher, als die Mütter noch zuhause blieben, um den Nachwuchs zu versorgen:

Leider reicht ein Gehalt heute kaum noch aus, also müssen die Frauen mitarbeiten.

Die Frauen haben heute studiert, die können doch nicht mit dem Arbeiten aufhören, weil sie Kinder bekommen. Wenn sie das tun, schaffen sie den Wiedereinstieg nicht mehr.

Teilzeitarbeit ist in Italien weniger verbreitet als in Deutschland. Nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz erwarten die Arbeitgeber wieder volle Leistung. Wer sich weigert, macht sich unbeliebt, so die Erfahrung von Marina Bruschini, 29 Jahre alt.

Wenn Du nach den drei Monaten nicht wieder voll einsteigst, riskierst Du deinen Job.

Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat elf Monate nach der Geburt ihrer Tochter Rebecca ihren Job als Verkäuferin gekündigt. Eine von fünf Italienerinnen hört nach der Schwangerschaft definitiv auf, zu arbeiten. In 70 Prozent der Familien kümmert sich fast ausschließlich die Mutter um den Nachwuchs. Männer, die wegen ihrer Kinder im Job kürzer treten, sind in Italien - ähnlich wie in Deutschland - weitgehend unbekannt. Und Gleitzeit ist ein Fremdwort. Öffentliche Krippenplätze sind rar, private teuer und unternehmenseigene Horte glückliche Ausnahmen von der Regel. Kinder sind in Italien Privatsache. Familiensache, meint Aldo.

Bei uns ist der Familiensinn noch sehr ausgeprägt. Und der Kleine ist Teil meiner Familie. Die Großfamilie gibt es eben immer noch.

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