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Geschrieben von Leena am 22.11.2005, 10:09 Uhrzurück

Nochmal an Elamaus (sorry, lang)

Hallo Ela,

ich hoffe, Du nimmst es mir bitte nicht übel, wenn ich Dir jetzt hier noch so dazu schreibe, auch wenn ich sonst hier im Forum eher lese als schreibe, aber irgendwie hat mich das, was Du von Dir erzählt hast, doch persönlich sehr berührt...

Bei mir war es so, dass mein Ex-Partner unter Depressionen litt, d.h. er war manisch-depressiv. Diese "Schübe" und das ewige "Auf & Ab", von dem Du schreibst, kenne ich von ihm auch. Allerdings wurde es mit der Zeit (wir waren 7 Jahre zusammen) immer schlimmer. In den manischen Phasen war er dann völlig übersteigert und, ehrlich gesagt, unrealistisch euphorisch, traute sich alles zu - schaffte es dann natürlich nicht, und fiel daraufhin erst recht wieder in ein Loch. Mit Müh und Not und wirklich sehr, sehr viel Hilfe, auch von mir, hat er es zwar geschafft, einen Schulabschluss zu machen (nachdem er mehrere Male die Schule gewechselt hatte, weil er sich gemobbt fühlte), und die Ausbildung hat er dann auch aus diesem Grund abgebrochen. (Wobei ich sagen muss, nachdem, was später ehemalige Kollegen erzählt haben, wurde er nicht gemobbt, sondern fühlte sich - an "bad days" einfach von jedem Kommentar, gleich welcher Art, einfach herabgesetzt, und wenn ihm jemand zu helfen versuchte, lehnte er ihn gleich ab, weil der doch nur vordergründig nett täte.) Mit der Zeit verschlimmerte sich seine Krankheit, beruflich war er, wie gesagt, gescheitert, und die Beziehung wurde immer, immer schwieriger. Zum Schluss war er in manischen Phasen komplett übersteigert, auch - sorry für diese Direktheit - was seine sexuellen Bedürfnisse anbelangt, und dabei, ehrlich gesagt, komplett rücksichtslos, und er hat mich in diesen Phasen immer wieder vergewaltigt, mich festgehalten, niedergedrückt und mindestens dreimal am Tag... , auch wenn ich hinterher blutete und mir nur noch alles weh tat. Und in seinen depressiven Phasen war er völlig down, macht sich runter, machte mich runter, wurde - auch vor anderen - komplett ausfallend, drohte mir abwechselnd, er werde mich verlassen, weil ich nicht genug für ihn täte, oder er drohte, wenn ich ihn verließe, würde er sich umbringen. Zum Schluss war ihm an solchen Tagen komplett alles egal, er blieb dann einfach nur noch im Bett und stand nicht einmal auf, wenn er zur Toilette musste, wurde einfach alles im Bett erledigt, über Tage - das Ergebnis kannst Du Dir vorstellen...

Ich habe meinen Ex-Partner mal geliebt, aber - vor allem durch seine Krankheit - war die Beziehung für uns beide zum Schluss nur noch grauenhaft, und ich habe ihn dann (in der Schwangerschaft) verlassen, weil ich einfach am Ende war und nicht mehr konnte, ich hatte das Gefühl, nicht mehr atmen zu können, zu ersticken, und ich hatte nur noch panische Angst vor ihm - zumal ich nie seine Reaktionen abschätzen konnte, und seine Stimmung manchmal von einer Sekunde zur nächsten komplett wechselte. Nach der Trennung hatte ich das Gefühl, ich sei zur Todesstrafe verurteilt und im letzten Moment begnadigt worden - und ich war heilfroh, auch wenn ich jahrelang noch Schuldgefühle hatte, weil ich ihn verlassen hatte, obwohl er mich doch gebraucht hatte... Aber ich konnte nicht mehr, und ich wollte auch auf keinen Fall, dass unser Kind solche Szenen, wie es in der letzten Zeit vor der Trennung gegeben hatte, miterleben musste. Ich hätte da doch nichts erklären können!

Ich weiß, ich habe sicherlich auch viele Fehler gemacht, ich konnte nicht wirklich mit seiner Krankheit umgehen und habe vieles einfach nicht verstanden. Nach der Trennung habe ich viele Bücher über Depressionen etc. gelesen, und viele seiner Verhaltensweisen wiedererkannt, und ich habe begriffen, dass ich durch "aufmunternde Sprüche" von wegen "das schaffst du schon, lass dich nicht hängen etc." alles nur noch viel schlimmer gemacht habe, aber ich wusste einfach nicht, wie ich sonst darauf hätte reagieren können, und diese ewigen Tiraden über seine Unzulänglichkeit, die Gemeinheit alles Menschen ihm gegenüber etc., die Anklagen an seinen Vater, die unglückliche Kindheit, immer nur das Jammern und das Reagieren auf Dinge, die in der Vergangenheit waren, nie ein eigenständiges Agieren, nie irgendeine selbstbestimmte, zukunftszugewandte Aktion von ihm - damit kam ich irgendwann auch nicht mehr klar und konnte nichts anderes mehr darauf erwidern. In den Bücher habe ich jedenfalls viele seiner Verhaltensweisen wiedererkannt, und ich habe begriffen, das vieles, was ich ihm in der Partnerschaft übelgenommen habe, schlicht an seiner Krankheit lag, und dass ich auch in sehr vielen Punkten falsch reagiert habe.

Nach der Trennung war er übrigens immer wieder stationär in Behandlung, hat allerdings immer wieder abgebrochen und wurde rausgeworfen, weil er sich nicht an die geltenden Regeln hielt u.ä. Mittlerweile lebt er dauerhaft von Sozialhilfe bzw. mittlerweile wohl Hartz IV, und er lehnt es strikt ab, sein Kind auch nur einmal überhaupt sehen zu wollen...

Ich weiß, diese Form der manischen Depressionen ist relativ extrem und in vielen Punkten sogar untypisch, die manischen bzw. depressiven Phasen dauern i.d.R. weniger lang, während bei ihm teilweise monatelang eine Phase immer wieder die nächste abwechselte etc. Aber ich kann nur sagen, seine Krankheit wurde in den 7 Jahren, die wir zusammen waren, immer schlimmer, und zum Schluss war es einfach die Hölle, für uns beide. Er leidet heute noch, soweit ich weiß, unter der Krankheit und hat immer noch, im Grunde, sein Leben nicht selbst im Griff, und, ehrlich gesagt, ich habe auch etliche Knackse weg aus dieser Beziehung, mein Selbstbewusstsein ist in vielen Punkten auch recht bescheiden, und auch an den damaligen Vergewaltigungen habe ich noch manchmal zu knabbern, es gibt Momente, da kommen Erinnerungen hoch und dann KANN ich z.B. nicht mit meinem Mann schlafen, obwohl ich es vom Kopf und vom Herzen her will, aber der Körper streikt, auch wenn es mittlerweile mehr als 7 Jahre her ist...

Manches von dem, was Du hier geschrieben hast, hat mich einfach an meinen Ex-Freund erinnert, z.B. dieses "ewige Auf & Ab" und dass Du nicht weißt, was Du von ihm erwartest - genau das waren für mich große Probleme damals in meiner Partnerschaft und mit denen ich letztlich nicht umgehen konnte. Und von daher möchte ich Dich nur aufgrund einer eigenen Erfahrungen ganz dringend bitten, etwas gegen Deine Depressionen zu tun, bevor es wirklich schlimm wird - natürlich muss es bei Dir nicht schlimm werden, dass ich will damit auch gar nicht sagen, bitte nicht missverstehen!, aber ich denke, meinem Ex-Freund, mir, unserem Kind und der gesammten Familie hätte vieles erspart bleiben können, wenn er - und wir! - seine Krankheit rechtzeitig erkannt hätten und er sich konsequent in Therapie begeben hätte, und zwar frühzeitig... egal, ob Du eine Therapie brauchst, oder Euch vielleicht auch schon entsprechende Fachbücher zum Thema helfen können, besser damit umzugehen, oder eine Familienberatung, der Pfarrer oder wer auch immer. So wie Du hier schreibst, liebst Du doch Deine Kinder, und Deinen Partner doch auch, trotz aller Schwierigkeiten!

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