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Geschrieben von Rio am 27.01.2006, 22:10 Uhrzurück

Re: nochmal Nurit

Hallo,

"Mein Bruder ist auch Arzt und hat schon dicht gemacht vor ihrem Starrsinn..."

Dein Bruder hat recht. Und zwar aus diesem Grund:

"Irgendwann gehe ich kaputt;"

"Trotzdem weiß ich: wenn sie jetzt stirbt, werde ich verrückt, weil ich nicht geschafft habe, ihr zu helfen-auch wenn mein Verstand mir sagt: sie will doch keine Hilfe..."


Vielleicht schaust du dich mal in einem Forum für Angehörige von Alzheimer-Patienten oder für Angehörige von Alkoholikern um.

Auch wenn beide Krankheiten nicht auf deine Mutter zutreffen. Viele Angehörige haben nämlich das gleiche Grundproblem: sie fühlen sich verantwortlich für das, was mit dem Erkrankten passiert bzw. was er selbst mit seinem Körper und seinem Leben anstellt (im Falle von Alkoholismus) oder dafür, dass sie sein Leben "ausrichten", in der richtigen Bahn halten sollen.

Du bist aber NICHT verantwortlich dafür, ob deine Mutter zum Arzt geht, sich helfen lässt oder nicht. Du kannst Hilfe anbieten - aber wenn sie nicht angenommen wird kannst du gar nichts tun.

Du hast eine eigene Familie, ein eigenes Leben, du hast deine eigenen Kinder: DAFÜR bist du verantwortlich.


Als du das Stichwort "350km entfernt" geschrieben hast, haben bei mir gleich ein paar Glöckchen geklingelt im Hinterkopf. Nur mal so eine Vermutung ins Blaue hinein: Kann es sein, dass deine Mutter direkt oder indirekt versucht, dir "Schuld" an ihrem leidenden Leben aufzudrücken, weil du sie "verlassen" hast? Oder dass du, aus welchem Grund auch immer (veraltestes Rollenbild), dich deswegen "schuldig" fühlt, weil du nicht näher bei ihr bist?

Ich kenne das von meiner Mutter: sie hat immer jede Hilfe abgelehnt, aber im nächsten Satz oder spätestens im nächsten Telefonat gejammert, wie einsam sie wäre und dass sie niemanden hat, der sich um sie kümmert. Total schizophren.

Falls dir noch das alte Frauenbild auf der Seele liegt von der aufopferungsvollen Mutter/Ehefrau/Tochter, die hingebungsvoll ihr eigenes Leben hintenanstellt und sich für die Angehörigen aufopfert: schmeiß es endlich weg!

Kannst gerne noch mal schreiben, wenn du möchtest. Ich hab den ganzen Käs auch hinter mir.

Was bei mir noch übrig ist, ist die ewig plagende Verwandtschaft, die immer wieder anfragt, warum ich meine Mutter nicht bei mir zu Hause pflege. Die versuchen immer wieder, mir Schuldgefühle einzubläuen. Und ich merke, dass es mich noch nicht völlig kalt lässt, denn ich ärgere mich jedes mal aufs Neue darüber.

Liebe Grüsse,
Rio

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