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Geschrieben von Schwoba-Papa am 15.02.2006, 8:31 Uhrzurück

Neues von den "Cowboys" aus Washington

Nachdem US-Vizepräsident Cheney am vergangenen Wochenende einen Jagdgefährten angeschossen hatte, reißt die Kritik an der Informationspolitik des Weißen Hauses nicht ab. Journalisten geht Cheney seitdem aus dem Weg.

Am vergangenen Samstag hatte Cheney bei einem Jagdausflug in der Nähe der südtexanischen Stadt Corpus Christi einen Jagdkameraden angeschossen. Der 78-jährige Harry Whittington, ein Anwalt, wurde von Schrotkugeln in Gesicht, Hals und Brust getroffen, die Cheney aus einer Entfernung von rund 30 Metern abgefeuert hatte. Whittington wurde vorübergehend von der Intensivstation in ein privates Zimmer eines Krankenhauses in Corpus Christi verlegt. Am Dienstag verschlechterte sich sei Zustand aber wieder, so dass er zurück auf die Intensivstation musste.

(Quelle: Netzeitung)

Es gibt seit Richard Nixons Watergate ein Sprichwort in Washington und das besagt: Die Verschleierung einer Tat ist immer schlimmer, als die Tat selbst. Das bekommt in diesen Tagen auch Dick Cheney zu spüren. Seit bekannt wurde, dass der US-Vizepräsident bei der Wachteljagd am Wochenende in Texas mit seiner Schrotflinte aus Versehen einen anderen Jäger anschoss und im Gesicht sowie am Hals und an der Brust verletzte (FOCUS Online berichtete), steht er selbst im Kreuzfeuer wachsender Kritik. Sogar Fragen nach seinem Rücktritt werden laut.

Gefährliches Schweigen

Die allgemeine Empörung hat weniger mit Cheneys fragwürdiger Treffsicherheit zu tun, als vielmehr mit der Empörung, dass der Bush-Vize seinen Jagdunfall bis heute mit keinem Wort erklären will. Schlimmer noch: Cheney hatte es nicht einmal für nötig gehalten, selbst die Öffentlichkeit zu informieren. Erst die Besitzerin der Ranch auf der die Jagd stattgefunden hatte, wandte sich schließlich am Sonntagnachmittag an die örtliche Presse – ganze 24 Stunden nach dem Zwischenfall.

Die Sache mit der Folter-Sondererlaubnis

Es ist in der US-Hauptstadt kein Geheimnis, dass sich der Vizepräsident am liebsten hinter einer Mauer des Schweigens verschanzt. Vor dem Irak-Krieg wurde mehrfach heimlich im CIA-Hauptquartier in Langley vorstellig, um „Beweise“ gegen Saddam Hussein zu bekommen. Erst Ende vorigen Jahres versuchte er hinter verschlossenen Türen im US-Kapitol eine Sondererlaubnis für CIA-Agenten zum Foltern von mutmaßlichen Terroristen auszuhandeln.

„Er war schon immer schmallippig“

Nicht zuletzt wegen seines undurchsichtigen Arbeitsstils zählt Cheney zu den unpopulärsten Politikern in den USA. Einige haben ihm den Spitznamen „Darth Vader“ aus dem Krieg der Sterne gegeben, weil er für sie wie kein anders Mitglied der Bush-Regierung die dunkle Seite der Supermacht repräsentiert: Machtmissbrauch, Folter und Hybris.

Wyomings früherer Republikanersenator Alan K. Simpson, ein persönlicher Freund Cheneys, ist nicht im Geringsten überrascht, dass der Vizepräsident auch nach seinem Jagdunfall wortkarg bleibt: „Er war schon immer schmallippig und daran wird sich auch nichts mehr ändern.“

Reporter ungehalten

Doch damit gibt sich das Pressecorps des Weißen Hauses nicht zufrieden. Auf der Pressekonferenz am Montag (Ortszeit) wird Sprecher Scott McClellan mit 65 Fragen zum Fall Cheney bombardiert: „Hat die Öffentlichkeit nicht ein Recht darauf, von offizieller Seite informiert zu werden, wenn der Vizepräsident der Vereinigten Staaten aus Versehen einen Menschen anschießt?“, will ein Reporter wissen.

Der Bush-Vize habe sich zuerst um ärztliche Hilfe für sein Opfer kümmern wollen, kontert McClellan halbherzig. Zugleich macht er jedoch keinen Hehl daraus, dass Cheneys Heimlichkeiten selbst dem Weißen Haus zuviel sind und er selbst sofort Alarm geschlagen hätte: „Es ist stets wichtig, dass wir Informationen wie diese umgehend nach außen weitergeben.“ Nur konnte McClellan das in diesem Fall nicht: Denn auch er erfuhr erst am Sonntag von Cheneys Fehlschuss.

Ruf nach öffentlicher Erklärung

Auch konservative US-Kommentatoren, wie etwa Bill Bennett, verlangen mehr Offenheit vom US-Vizepräsidenten: „Er muss persönlich eine öffentliche Erklärung abgeben!“ Doch im Moment hat Cheney andere Sorgen. Wie am Montag bekannt wurde, war er ohne Lizenz auf Wachteljagd gegangen. Dafür wird jetzt eine Geldstrafe fällig.

Weitere Konsequenzen drohen dem Bush-Vize vorerst nicht. Die örtliche Polizei geht von einem Versehen aus und hat ihre Ermittlungen gegen Cheney bereits eingestellt. Auch das Unfallopfer, der 78-jährige Rechtsanwalt Harry Whittington, befindet sich nach Angaben der Ärzte auf dem Weg der Besserung.

„Endlich Massenvernichtungswaffe gefunden“

Für Amerikas Satiriker ist der Fall bereits ein gefundenes Fressen: „Wir haben jetzt endlich eine Massenvernichtungswaffe gefunden“, eröffnete David Letterman am Montagabend (Ortszeit) seine Late Night Show: „Es ist Dick Cheney!“

Quelle: Focus)

Grüßle

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