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Geschrieben von Elisabeth mit Fumi & Temi am 26.08.2004, 13:22 Uhrzurück

Re: Mobilität

Hallo,

ich sehe das immer mit gemischten Gefühlen.

Als ich ein Kind war, sind meine Eltern insgesamt 5 Mal umgezogen. Mir haben die Umzüge nicht viel ausgemacht. Wir Kinder fanden das eher spannend und aufregend. Natürlich war es auch schwer, neue Freunde zu finden und alles neu "kennenzulernen", aber Rückblickend überwiegt das positive Gefühl.

Aufgrund der hohen Mobilität meines Vaters kenne ich es auch gar nicht, daß man die halbe Familie "vor Ort" hat. Wir sind ständig durch halb Deutschland gefahren, um Omas, Opas, Tanten und Onkel zu besuchen. Aber auch das fand ich eher spannend als blöd.

Meine Kinder kennen es auch nicht anders. Aufgrund mehrerer lustiger Zufälle lebe ich jetzt in der gleichen Stadt wie meine Schwester, aber meine Eltern und meine andere Schwester leben weit weg. Da wir es ALLE (Eltern, Geschwister, Kinder) nicht anders kennen, leiden wir auch nicht darunter. Man kann es auch als Chance sehen. Fumi ist mit gerade 6 Jahren das erste Mal alleine zu Oma und Opa geflogen - und fand das riesig spannend. Temi kann es kaum erwarten, bis er 6 ist und auch "alleine fliegen" darf. Sie lernen andere Städte kennen, Urlaub bei Oma ist wirklich Urlaub "weg von daheim", und es ist immer anders und aufregend. Wir haben sicher einen mindestens genauso engen Familienzusammenhalt wie andere Familien, die alle im gleichen Dorf wohnen.

(Nebenbei zum Thema Dialekte: Man sagt mir nach, daß ich keinen habe. Ich falle nirgendwo auf.)

Aber wer es nicht gewöhnt ist, tut sich sicher schwer damit, das sehe ich auch. Ich fürchte bloß, daß in Zukunft dieses mobile Modell vielen Leuten viel Ärger erspart. Insofern ist es vielleicht auch eine Herausforderung für Eltern, ihren Kindern diese Mobilität schmackhaft zu machen, bzw. sie einfach daran zu gewöhnen. Ich behaupte, das ist alles Trainingssache.

Es gibt nur eine große Schwierigkeit: Beim Bewilligen von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe oder was-auch-immer kann man doch unmöglich vom Sachbearbeiter verlangen, daß er von jedem Arbeitslosen ein psychologisches Gutachten anfordert, ob ihm der Umzug in eine andere Stadt zugemutet werden kann oder nicht. Also was tun?

In der Vergangenheit hatte man sicher eher die Philosophie: Wer bereit ist zum Umzug, der wird das auch tun, und wer nicht umzieht, wird es aus nachvollziehbaren Gründen nicht tun und bekommt daher trotzdem finanzielle Unterstützung. Diese eher "liberale" Einstellung ist in den letzten Jahren im Angesicht knapper Kassen und einer zunehmenden "das kann man mir doch nicht zumuten"-Mentalität gekippt. Harzt IV ist eigentlich eine logische Fortführung der in den letzten Jahren schon enger angewandten Regelungen.

Wenn man die Maschen des Netzes enger zieht, bleiben notgedrungen auch einige drin hängen, die da nicht reingehören. Umgekehrt: Wenn die Maschen sehr weit sind, fallen ebenso notgedrungen auch ein paar durch, die eigentlich hängen bleiben sollten. Man kann jetzt sicher 100te Einzelfälle anbringen, warum Hartz IV eine schreiende Ungerechtigkeit ist. Aber es gibt auch 100te Einzelfälle, die zeigen, warum eine Reform wie Hartz IV schlicht und einfach eine Notwendigkeit ist. Wie man alles gerecht werden kann, weiß ich nicht. Ich halte es für schlicht unmöglich.

Schönen Gruß,
Elisabeth.

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