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Geschrieben von Moneypenny77* am 17.02.2006, 6:31 Uhrzurück

Re: Merkt Ihr eigentlich...

Ich habe bei diesen Diskussionen immer das Gefühl, daß gerade die, die am lautesten schreien, daß Täter- vor Opferschutz stehe, gerade durch ihre Reaktion zeigen, daß sie sich lieber mit dem Täter, als mit dem Opfer auseinandersetzen.

Ob es sich bei einer solchen Tat um einen Wiederholungstäter handelt oder nicht ist doch mal zweitrangig für die, in meinen Augen weitaus wichtigere, Analyse wie und ob sie hätte verhindert werden können.

Die Strafe für den Täter macht die Tat nicht ungeschehen, egal wie sie ausfällt. Wenn man sich schon zum Anwalt der Opfer aufspielen will, sollte man sich meines Erachtens mit mindestens genauso großem Elan wie für die Todesstrafe dafür einsetzen, daß aus Opfern keine erst gar keine Opfer werden können.

Wie ist das Mädchen überhaupt in die Wohnung gekommen? Sprich: wie leicht haben es desinteressierte Passanten, Nachbarn, Augen- und Ohrenzeugen ihm gemacht? Wie leicht hat sie es ihm selbst gemacht, weil sie schlichtweg nicht oder falsch auf so eine Situation vorbereitet war?

Gleich aufspringen und die Täter vierteilen und hängen sehen wollen und das ganze mit juristischer Nullfundiertheit untermauern kann jeder. Komischerweise werden HINTERHER auch immer alle sehr aktiv und "laut".

Aber wo seid Ihr denn alle vorher? Bei Veranstaltungen zum Thema "Prävention von sexuellem Mißbrauch" sehe ich selbst in unserer Großstadt immer nur dieselben Gesichter. Was machen die anderen? Erzählen die ihren Kindern die Mähr von "Geh' nicht mit Fremden mit und sei zu Hause, wenn es dunkel wird"?

Für mich ist es verlogen, wenn die erste Reaktion auf so eine Tat die wildesten Phantasien der Folter des Täters sind. Aber das ist ja leichter, als sich wirklich mit dem Opfer und seiner Situation auseinanderzusetzen.

Das, was dieses Mädchen und seine Familie jetzt als erstes braucht ist Hilfe, Kraft, Zuversicht. Über Strafe denken sie als letztes nach. Oder glaubt Ihr ernsthaft, der, der jetzt hergehen und den Täter abknallen würde, würde dem Mädchen einen größeren Dienst erweisen als der, der ihr zuhört und ihr hilft, irgendwie, in vielen, vielen Jahren wieder den Weg zurück ins Leben zu finden?

Setzt Euch mal lieber dafür ein, daß viel, viel mehr für die psychologische Betreuung der Opfer UND für die Prävention im familiären Umfeld getan werden kann. Informiert Euch über Warnsignale bei Kindern, um diese bei Freunden Eurer Kinder erkennen zu können. Und: haltet Augen und Ohren offen.

Für mich hat immer noch der mehr getan, der eine Tat verhindert als der, der sich für eine Tat, in welcher Form auch immer, rächt. Und einem Opfer geht es nicht zwangsläufig besser, nur weil es dem Täter schlechter oder gar nicht mehr geht.

Abschließend nochmals ein Zitat aus dem Film "Die Dolmetscherin", daß ich zu diesem Thema bereits vor einiger Zeit schrieb:

"Rache ist eine feige Form der Trauer."

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