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Geschrieben von JoVi66 am 23.06.2003, 15:33 Uhrzurück

Mein Cousin und der Kongo

Da ich erst seit ein paar Tagen wieder im "Aktuell" mitrede weiß ich nicht ob eigentlich das neue Thema von euch schon andiskutiert wurde und welche Meinungen da vertreten wurden gebe ich jetzt ( völlig ungefragt) mal meine Senf dazu.
"Wenn der Staat deutsche Soldaten in Krisengebiete schickt, muss er sie auch mit den modernsten und sichersten Waffen und Geräten ausstatten. Alles andere ist verantwortungslos“.
Diese Aussage einer Umfrage (Allensbach) unterstützen derzeit 68% der Deutschen und ist meiner Meinung auch haltbar, wenn denn dt. Soldaten in Krisengebieten eingesetzt werden sollen. Ob sie es sollen möchte ich persönlich (als alter Pazifist) eher in Frage stellen. Wie soll den der eh schon aufs äußerst strapazierte dt. Bundeshaushalt überhaupt noch für irgendetwas ein paar Kröten locker machen , und dann auch noch für das Verteidigungsressort. Üblicherweise ( so steht es immerhin in der Verfassung ) dienen diese Gelder zur Verteidigung DEUTSCHLANDS (welches zwar kaum angegriffen werden wird, von wem auch ? Vielleicht von Österreich? Von der Schweiz ? von Lichtenstein???? und nicht zur Verteidigung irgendwelcher Krisengebiete auf der Welt (das ist aber nur meine persönliche Meinung und in meiner Partei ecke ich bei solchen Diskussionen sowieso schon regelmäßig an). Aber wie oben gesagt: Wenn wir schon Soldaten irgendwo hinschicken wo es brennt, sollte man sie auch professionell ausrüsten, das sind wir ihnen dann auch schuldig. Man kann nämlich die Bundeswehr nie und nimmer mit Ländern wie den USA vergleichen, die seit Jahrhunderten ihre Finger nie aus anderer Länder Angelegenheiten herauslassen konnten und somit über ein perfekt ausgerüsteten Militärapparat verfügen vergleichen.

Als Beispiel für eine notwendige Aufrüstungsmasnahme möchte ich nur auf einen Beitrag in den Tagesthemen von vor ca. 6 Wochen verweisen in dem berichtete wurde das z.B. auch in diesem Rahmen über eine Notwendige Aufrüstung der dt. Luftwaffe um optimal für Einsätze wie z.B. in schwer erreichbaren Gebieten in Afghanistan wo derzeit ca. 9000 dt. Soldaten Dienst tun gewährleisten zu können nötig ist und für zig. Mrd. € ein bestimmter Airbustyp ( fragt mich nicht nach der genauen Bezeichnung) angeschafft werden muss da die alten Transall der BW nicht über die nötigen Flugeigenschaften , Reichweiten und Kapazitäten verfügen die notwendig wären. Bis dato müssen also um schwer überwindbare Gebirge an der russ-afghan. Grenze überfliegen zu können von der BRD russische Spezialmaschinen angemietet werden um die Nachschubversorgung einigermaßen sichern zu können.
Dies ist nur ein Punkt der zu erwähnen wäre.


Ein weiterer Punkt wäre der Einsatz dt. Soldaten im Kongo. Kann sich überhaupt einer vorstellen was und wo der Kongo ist? Ich wage zu wetten 7 von 10 dt. Soldaten wissen es nicht einmal rein landkartentechnisch und sie wissen wahrscheinlich auch "etwas" wenig über das Leben im Busch, den dortigen Stammesquerelen, die für unsere Vorstellungen so absurd anmuten dass sie (die Soldaten dt. Natur) sich zuerst 3 Mal im Kreis drehen müssen ( aber bitte nicht im Kongo weil dann finden sie nicht wieder raus ).

Bundesverteidigungsminister Peter Struck hatte am 3.6.03 in der ARD gesagt, der Einsatz in einem Gebiet mit Kindersoldaten ( also bezogen auf den Kongo) sei für die Bundeswehr und andere europäische Armeen eine völlig neue Situation. Die Gefahr für deutsche Soldaten sei nicht zu unterschätzen. Allerdings sei die Lage auch für die Menschen in Kongo "höchst gefährlich", weshalb die Europäer in der Pflicht seien, die von den Uno beschlossene Truppe zu unterstützen!".
Schön und gut Herr Struck.- Damit hätten wir folgende Situation: Ein (zu recht) völlig überforderter dt. Soldat sieht sich ein paar kämpfenden Buschmännern (auch im Kindesalter) gegenüber deren Wertvorstellungen vom Leben eines Menschen gänzlich verschieden sind von den "wohlbehüteten und gepflegten" Vorstellungen und Situiationen mit denen ein dt. Normalbürger sich so durchs Leben ( bzw. durch den Supermarkt, durch die Kneipe oder durchs Einwohnermeldeamt) schlägt.
Ich denke vieles ist hier gerade beim Einsatz deutscher Soldaten im Argen und mir persönlich wäre nicht wohl wenn ich so einen Milchbart ( wie es z. B. mein Cousin ist, gerade mal 24 sich aber locker flockig auf etliche Jahre bei der BW verpflichtet hat und irgendwie so versucht das große Abenteuer zu erleben, wie er sagt. Diese Grundnaivität findet man allerdings nicht nur bei meinem etwas dödeligen Cousin sondern beim Großteil des deutschen 0815 Soldaten. (Findet man wohl übrigens auch beim abenteuerlustigen Ami-Soldaten der auszog um den Irakkrieg zu gewinnen). Die Deutschen sollen sich lieber auf das beschränken was sie können: Daherseiern (=reden :o)) , rumdiskutieren arschkriechen und zahlen .
Ciao Jovi

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