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Geschrieben von Ralph am 12.08.2004, 16:26 Uhrzurück

Mal wieder lange Antwort... also erst 'nen Cappuccino besorgen, dann lesen:-)

Hi Schwoba-Papa,

da hast Du eine sehr komplexe Frage aufgeworfen. :-)

Im Grunde muß man weit ausholen bei der Antwort. Ich denke, solange eine Volkswirtschaft kontinuierlich wächst, ist eine Vermehrung des Wohlstands einschließlich der Erhöhung der Sozialstandards kein Problem.
Nach dem 2.Weltkrieg lagen in Europa alle Volkswirtschaften am Boden, es KONNTE nur aufwärts gehen.
Hinzu kam eine für mich einigermaßen gesunde Einstellung zum Kinderkriegen im Gegensatz zur heute z.T. doch erschreckend egoistischen Einstellung in dieser Sache.

Als dann noch in Deutschland die soziale Planwirtschaft verkündet wurde (Ludwig Erhardt sei dank,, man glaubt heute nicht mehr, daß das ein CDU-Mann war...*gg*), war der Aufstieg nicht mehr aufzuhalten.

Als aber dann Anfang der 70er die erste Ölkrise und mit ihr die erste große Weltwirtschaftskrise kam, als auf einmal 100.000e ihren Job in Deutschland verlor, als ruchbar wurde, daß Arbeit, aber auch Öl ein kostbares Gut sind, da begann der Anfang des Abstiegs, nur wußte damals noch niemand etwas davon.

Insofern stimmt Deine These, daß die Politiker der Vergangenheit aufgrund der Konjunkturphase Erfolg hatten. Kohl und Strauß gehören eindeutig nicht dazu, die haben nur das Sparkonto der heutigen Generation vertickt, weiter nichts. Deshalb hat man es nicht gleich bemerkt.

In den 70ern aber wurde noch locker-leicht bekömmlich weiter wie bis bisher gewirtschaftet. Da wurde fröhlich weiter in jeder 2000-Seelen-Gemeinde ein Freibad eröffnet, ohne das strukturelle Haushaltsdefizit zu sehen, da wurden Stadthallen gebaut und und und. Im Grunde sozial durchaus wünschenswert, aber schon damals auf lange Sicht eigentlich nicht (mehr) bezahlbar. :-)

Einzelne schlaue Köpfe haben bereits damals aufgrund der Bevölkerungsentwicklung auf den langfristig drohenden Kollaps der Sozialversicherungssysteme, insbesondere der Rente, hingewiesen. Niemand wollte es hören.

Dann kam Kohl, und "Uns Nobbi", der tapfer jahrelang verkündete "Die Rende is sischer!", fiel auch in den 80ern niemand in den Arm.
Schmidt hatte während seiner Kanzlerschaft zwei Weltwirtschaftskrisen zu umschiffen, und hat es einigermaßen hinbekommen. Kohl dagegen hatte keine einzige Weltwirtschaftskrise zu bewältigen, dafür einen wirtschaftlichen Boom, einen Ölpreis auf unterem Preisrekordniveau, und trotzdem wuchsen die Staatsschulden an! Er war der letzte Kanzler, der während seiner immerhin 16(!!)Jahre andauernden Regentschaft hätte das Ruder noch hätte herumreißen und dabei die erforderlichen Einschnitte in schwacher Form hätte vornehmen können. Aber das Wort Reform war Kohl, Waigel, Genscher, Geissler und auch Guido (Westerwelle)dem I. fremd. Fröhlich ging es weiter in den Untergang! :-(

Und 1998 bis heute? Seid mir nicht böse, aber mir war und ist völlig klar, daß heute die Einschnitte umso schmerzlicher sein müssen, wenn wir überhaupt noch irgendetwas vom Sozialstaat retten wollen!
Ich befürchte, daß Harz IV noch nicht alles gewesen sein wird. Man muß doch nur auf die Schuldenberge Deutschlands sehen, was allein an Schuldenbedienung pro Jahr fällig ist, um zu erkennen, daß der gestaltungsspielraum der Politiker gegen Null tendiert.

Für mich sind das Altlasten der Regierung Kohl, die vielzulange auf Pump Wahnsinnsprogramme gefahren hat. Ich kann zwar nicht in die Bundeskasse schauen, aber ich kann mir gut vorstellen, daß der finanzielle Spielraum, den die Regierung Schröder im Herbst 1998 vorgefunden hat, vernichtend gering gewesen ist.

Deshalb glaube ich, daß Schröder angesichts der Gesamtsituation noch relativ gute Arbeit abliefert. Wer die Brisanz der Staatsfinanzen ihm und seiner Regierung anlastet, bläst m.E. vor der falschen Tür.

Was ich den Politikern, gleich welcher Coleur, ankreide, ist deren Verstrickung mit diversen Wirtschaftsleuten, ob Konzernen oder Verbänden. Die Lobbyisten haben viel zu viel zu sagen in unserem Land. Das aber geht durch alle Parteien und ist nicht an 2 oder 3 Politikern festzumachen.

Aber wir sind ja noch gut dran! 4 Jahre Bush haben ausgereicht, um aus hochblühenden Staatsfinanzen der USA ein Finanzdesaster werden zu lassen. Leider wird auch das auf Europa abfärben, sonst wär' mir das ja noch egal.

Die Antwort auf Deine erste Frage ist daher für mich eindeutig: Sie haben Ahnung, kennen z.T. auch ihr Fach, haben aber objektiv zumindest derzeit keine Möglichkeiten, Einschnitte zu verhindern.

Man könnte noch viel mehr Argumente anführen, wie ich sagte, Du hastn eine sehr komplexe Frage aufgeworfen! :o))

Liebe Grüße
Ralph/Snoopy

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