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Geschrieben von Leolu am 22.06.2005, 0:24 Uhrzurück

mal ganz sachlich und emotional

Hallo!
Ich möchte nun doch nochmal was sagen, ohne auf jemanden direkt einzugehen.
Man muß schon trennen, ob man etwas ganz persönlich und emotional meint, oder ob es ein sachliches, wissenschaftliches Thema ist!
Rein emotional und egoistisch gesehen, ist mir meine familie samt tierischen Mitbwohnern wichtiger als alles andere, zumindest meistens, hatte auch schon einen Wellensittich, der mir nicht wirklich was bedeutet hat. Das ist eine Sache von Liebe, was ich Liebe ist mir am wertvollsten und ich kann sowohl Mensch als auch Tier lieben! Wenn das wer anders sieht, habe ich damit kein Problem. Ob es jemals soweit kommt, daß ich entscheiden muß, ob ich mein Tier über einen Menschen setze ist doch sehr zweifelhaft. Regt Euch doch bitte erst dar+über auf, wenn ich Eurer meinung nach ein Verbrechen begangen habe, nicht vorher!
Und die sachliche seite. Ich habe lediglich in Frage gestellt, warum ein Tier mehr wert sein soll als ein Mensch. Wie ihr das nun seht ist mir eigentlich egal, ich wollte nur, daß man dies nicht einfach als selbstverständlich und gegeben ansieht ohne sich mal darüber Gedanken zu machen! So wie viele damit aufwachsen, daß ihr volk das beste ist, genauso wird oft als normal angenommen, daß die Menschen an sich besser sind! Warum pauischal sagen, das eine Lebewesen ist besser als das andere? Wer gibt uns das recht so zu urteilen?
Ich würde das nicht so in Frage stellen, wenn ichmir darüber nicht viele Gedanken gemacht hätte! Ich sage nicht, daß ein Tier allgemein besser wäre, aber auch nicht, daß es weniger wert wäre, nur weil es kein Mensch ist!
Es gibt menschen die begründen ihre Meinung auf die christliche religion, aber wer die bibel genau liest, muß erkennen, daß es dort gar nicht wirklich steht, im Gegenteil, die Bibel verurteilt auch, daß der mensch sich für was besseres hält, der Mensch wird zwar Gott am ähnlichsten dargestellt, aber er soll diese macht für seine Mitlebewesen nutzen! Am Ende dieses Postings kopier ich mal einen Text dazu!
Auch von der Intelligenz her, finde ich nicht, daß der mensch da viel weiter entwickelt ist. Auch so manches Tier ist in der Lage logische Denkprozesse zu haben. Es ist lernfähig, und auch ein Menschenbaby ist zu Anfang hilflos und dumm und lernt nur durch erfahrung und das, was ihm beigebracht wird! Es ist nicht nur Instinktiv, wie ein Tier reagiert! Der einzige Unterschied ist, daß die meisten menschen vorausschauender denken können, aber ist das ein Grund ihn gleich als das bessere Lebewesen zu sehen? Was macht der mensch mit seiner Gabe, darauf kommt es doch an. Und viele nutzen ihre Gabe für schlechte Dinge aus, sicher nicht alle oder auch nicht immer. Der Mensch ist nicht vom Prinzip her schlecht, nur viele nutzen ihre Gabe zum Schlechten. Irgendwer hier hat behauptet, daß ich nazistisches Gedankengut verbreiten. Aber eigentlich habe ich es genau andersherum gemeint! Ich urteile weder Mensch noch Tier für das als das er geboren wurde, sondern einzeln. Und meine Meinung muß nicht Eure sein! Sonst würden wir ja alle nur den gleichen Menschenschlag mögen! Ich mag ehrlich Menschen, treue und welche auf die man sich verlassen kann. Andere mögen es lieber spontan oder einen Stimmungsmacher: Wär ja trurig, wenn wir alle das gleiche mögen würden. Es geht mirnur darum einzeln zu urteilen, jeder für sich und da aus meiner Sicht nicht schon eine Unterscheidung zwischen mensch und Tier zu treffen, ebenso wenig wie man über jemanden urteilen darf, nur weil er eine andere Religion oder Hautfarbe hat.
Denkt docheinfach mal darüber nach warum ihr meint, daß ihr wertvoller seid als ein Tier,mehr habe ich gar gewollt, wie Eure Entschediung ausfallen wird, ist Eure Sache: Ist es echt zu viel verlangt mal über die eigene Bedeutung und existenz nachzudenken, egal ob aus religiöser oder wissenschaftlicher sicht.
Hier mal der Text und noch ein schöner Buddhistischer Spruch hinterher:


Lässt sich eine Ethik, die den Tieren eigene Rechte gegenüber dem Menschen zugesteht, biblisch begründen?

"Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich; sie sollen herrschen über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels über das Vieh und alles Wild des Feldes und über alles Kriechende, das auf der Erde sich regt." (1. Mose 1,26)

Dieser bekannte und oft zitierte Satz scheint diese Frage schon von vornherein klar mit Nein zu beantworten. Zumindest hat er schon immer dafür herhalten müssen, den unbedingten Vorrang des Menschen vor allen anderen Geschöpfen Gottes zu begründen. Doch für eine theologisch verantwortetes Urteil können nicht einzelne Bibelstellen isoliert betrachtet werden. Und ebensowenig darf von der Wirkungsgeschichte einzelner Bibelstellen auf ihre eigentliche Bedeutung geschlossen werden. Es ist eine Zusammenschau der einzelnen Aussage über das Verhältnis von Mensch und Tier notwendig, und die Bibelstellen müssen in ihrem Zusammenhang verstanden werden.

Tatsächlich interessieren sich die Texte der Bibel zentral für den Menschen, genauer: für den Menschen vor Gott. Doch löst der biblische Anthropozentrismus den Menschen gerade nicht aus seinem Schöpfungszusammenhang heraus, sondern betrachtet ihn - wie alle anderen Kreaturen auch - primär als Geschöpf Gottes, siehe etwa:

Verlasset euch nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, bei dem doch keine Hilfe ist. Fährt sein Odem aus, so kehrt er wieder zur Erde, und alsbald ist es aus mit seinen Plänen. (Ps. 146.3ff)

Wenn du dein Angesicht verbirgst, erschrecken sie; nimmst du ihren Odem hin, so verscheiden sie und werden wieder zu Staub. Sendest du deinen Odem aus, so werden sie geschaffen, und du erneust das Antlitz der Erde. (Psalm 104,29f

Der Mensch, vom Weibe geboren ist kurzen Lebens und voller Unruhe. Wie eine Blume geht er auf und welkt, schwindet dahin wie ein Schatten und hat nicht Bestand. Und über einem solchen hältst du dein Auge offen und ihn ziehst du vor dein Gericht? Wie könnte ein Reiner von Unreinen kommen? Auch nicht einer! (Hiob 14,1ff)

Ich dachte bei mir selbst: Der Menschenkinder wegen, sie zu prüfen, hat Gott es so gefügt, damit sie sehen, dass sie nicht mehr sind als das Tier. Denn das Geschick der Menschenkinder ist gleich dem Geschick des Tiers; ein Geschick haben sie beide. Wie dieses stirbt, so sterben auch jene, und einen Odem haben sie alle. Der Mensch hat vor dem Tier keinen Vorzug. Denn alle gehen an einen Ort; alle sind sie aus Staub geworden, und alle werden sie wieder zu Staub. Wer weiss, ob der Odem der Menschenkinder emporsteigt, der Odem des Tieres aber hinabfährt zur Erde? (Pred. 3,18 - 21)

Die Gemeinschaft aller Kreaturen als Geschöpfe Gottes ist daher die grundlegendste Aussage der Bibel, und von ihr aus müssen alle anderen Bibelstellen interpretiert werden. Damit denkt die Bibel - um einen modernen Begriff zu verwenden - zutiefst ökologisch!

Nach dem Zeugnis der Hebräischen Bibel, dem sogenannten Alten Testament, nimmt der Mensch innerhalb der Schöpfungsgemeinschaft zwar eine Sonderstellung ein: Er ist mit "Gottesbildlichkeit" beschenkt. Hinter dem Begriff steht die altorientalische Vorstellung vom König als dem Stellvertreter Gottes auf Erden, allerdings mit der bedeutsamen israelitischen Modifikation, dass jeder Mensch vor Gott als sein Stellvertreter gemacht ist. Die Herrschaft des Menschen über die Tiere wird in 1. Mose 1,26 in Analogie zum Herrschen des israelitischen Königs gesehen, der in seinem Volk für das (Leben-)Recht aller zu sorgen hat. Diese Gottesbildlichkeit des Menschen ist aber nicht dadurch bestimmt, dass er von seinem Wesen her in einer Rangordnung der Geschöpfe "wertvoller" wäre als die übrigen Geschöpfe Gottes. Der Mensch hat seine Würde (Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn; als Mann und Weib schuf er sie. 1. Mose 1,27), aber auch jedes andere Lebewesen hat seine eigene Art und Würde (Die Erde liess sprossen junges Grün: Kraut, das Samen trägt nach seiner Art, und Bäume, die Früchte tragen, in denen ihr Same ist, je nach ihrer Art. Und Gott sah, dass es gut war / Gott schuf die grossen Seetiere und alles, was da lebt und webt, wovon das Wasser wimmelt, und alle geflügelten Tiere, ein jegliches nach seiner Art. und Gott sah, dass es gut war / Und Gott sprach: Die Erde bringe hervor lebende Wesen: Vieh, kriechende Tiere und Wild des Feldes, ein jegliches nach seiner Art! Und es geschah also. 1. Mose 1,12/21/24).

Krone der Schöpfung ist nicht der Mensch als letztes Geschaffenes, sondern Gottes schöpferisches Zur-Ruhe-Kommen: der Sabbat (1 Mose 2.1 - 3; Also wurden vollendet der Himmel und die Erde mit ihrem ganzen Heer. Und Gott vollendete am siebenten Tage sein Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebenten Tage von all seinem Werke, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn; denn an ihm hat Gott geruht von all seinem Werke, das er geschaffen und vollbracht hat!).

Deshalb hat der Mensch keinen Grund zur Überheblichkeit gegenüber seinen Mitgeschöpfen, sondern drückt eine Funktion aus: der Mensch ist in Auftrag genommen, durch den Dienst an seiner Mitschöpfung in seinem Dasein Gott auf der Erde erscheinen zu lassen, als dessen Stellvertreter (Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre. 1.Mose 2.15: Das hebräische Wort für "bebauen" bedeutet ebenfalls "dienen"!).

Der biblische Realismus weiss, dass der Mensch der Aufgabe, die mit dieser Begabung verbunden ist, faktisch nicht nachkommt, seine Gottesbildlichkeit vielmehr pervertiert (er kann Gott nicht vertreten sondern ersetzt ihn, vgl. 1. Mose 3,5) und dadurch seiner Mitschöpfung zum Verderben wird: Wegen der "Sünde" des Menschen ist der Erdboden verflucht (1. Mose 3,17 - 19), entsteht Feindschaft zwischen Mensch und Tier (1. Mose 3.15) und müssen Tiere ihr Leben lassen für den Menschen (1. Mose 3.21). Der "Sündenfall" ist weder ein ethisches Programm (das soll der Mensch tun) noch ein historisches Datum (das hat der Mensch einmal getan), sondern mythologisch verdichtete Reflexion darüber, wie die Krisen der faktischen Welt zu allen Zeiten zustande kommen. Darum hofft die Hebräische Bibel auf den Neuen Menschen (z. B. Jeremias 31.33; Ez.36,26). Deshalb auch ist ihre Sicht eben anthropozentrisch! Zieht nämlich der Mensch mit seiner "Sünde" seine ganze Mitschöpfung in Mitleidenschaft, so begründet die von der Bibel erhoffte Neuwerdung des Menschen umgekehrt auch Segen für die ganze Schöpfung.

Das Neue Testament ist das Zeugnis davon, dass dieser erhoffte neue Mensch in Jesus aus Nazareth erschienen ist. In seiner Person und in seinem Wirken ist er ausserdem "Symbol" für Gottes Liebe zu seinen Geschöpfen überhaupt. So sagt etwa der bekannte Johannesprolog in mythologischer Sprache, dass der Grund der ganzen Schöpfung, nämlich die Liebe ihres Schöpfers zu ihr (der göttliche "Logos"), in Jesus Christus selber Geschöpf geworden ist (Johannes 1,1-18). Diese "Geschöpfwerdung Gottes" bringt zum Ausdruck, dass die Schöpfung theologisch nicht von ihrem Schöpfer getrennt werden darf, dass Gott zu der Schöpfung - gerade in ihrem Leiden! - vielmehr in engster Beziehung steht. Geschöpfsein heisst nach diesem Verständnis von Gott, durch Gott und in Gott sein. Dadurch erhält also auch jedes Tier, vom Regenwurm bis zum Menschenaffen, unbedingten Eigenwert, Lebensrecht und Würde! Der Johannesprolog ist eine andere, nämlich von Christus her denkende Fassung des alttestamentlichen Schöpfungsberichts.

Wo nun wird diese sehr abstrakt anmutende Aussage erfahrbare Wirklichkeit? Im neuen Menschen! - zuerst in Jesus und dann in seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen: in seiner Gemeinde, welche ja sein Auferstehungsleib ist (vgl. z. B.. 1. Kor. 12,27): Jesus aus Nazareth hat auf Golgatha die Folgen der Verwerfung seiner Botschaft von der Liebe Gottes zu seiner Schöpfung erlitten. Das Kreuz ist Symbol dafür. Aber seine Auferstehung an Ostern bedeutet nichts anderes, als dass der Mensch, der in der Kraft seines Geistes dazu bewegt wird, Gott in dieser Welt erscheinen lässt, so wie es eben seine ureigenste Aufgabe wäre (1. Mose 2,15). Dieser neue Mensch verhält sich ethisch, er dient dem Leben in all seinen Formen. So kann Albert Schweitzer schreiben: "Die Ehrfurcht vor dem Leben ist die ins Universelle erweiterte Ethik der Liebe. Sie ist die als denknotwendig erkannte Ethik Jesu." die jüdisch christliche Hoffnung auf eine Vollendung unserer Welt (z. B. die Vision des Propheten Jesaja in Jes. 11,1-10, welche die Wiederherstellung des Grabens zwischen Mensch und Tier in Aussicht stellt) ist daher aufs engste mit diesem neuen Mensch-Sein verknüpft (Röm. 8,19 - 23!).

Es lässt sich also - um zur Ausgangsfrage zurückzukommen - aufgrund der biblischen Tradition sehr wohl eine tierfreundliche Ethik begründen. mehr noch, christliche Ethik muss festhalten: Wo immer wir Menschen uns kraft unseres "Herrscheramtes" gegenüber den Tieren aus Freiheit dazu entschliessen, das Leben unserer Mitgeschöpfe zu schonen und ihrem Leben statt dessen zur Entfaltung verhelfen, da wird ein Stück dessen Realität, was Jesus aus Nazareth als Reich Gottes in Aussicht gestellt hat, da wird praktiziert, was uns Christen und Christinnen laut Mk. 16.15 aufgetragen ist: "Gehet hin in alle Welt und verkündet das Evangelium aller Kreatur!"


Glauberger Schuldbekenntnis

Wir bekennen vor Gott dem Schöpfer der Tiere
und vor unseren Mitmenschen:

Wir haben als Christen versagt,
weil wir in unserem Glauben die Tiere vergessen haben.

Wir waren als Theologen nicht bereit,
lebensfeindliche Tendenzen in Naturwissenschaft und Philosophie
die Theologie der Schöpfung entgegenzuhalten.

Wir haben den diakonischen Auftrag Jesu verraten
und unseren geringsten Brüdern, den Tieren, nie gedient.

Wir hatten als Pfarrer Angst, Tieren in unseren
Kirchen und Gemeinden Raum zu geben.

Wir waren als Kirche taub für das Seufzen
der misshandelten und ausgebeuteten Kreatur.

(Glauberg, Frühjahr 1988)



aus "Reformiertes Gemeindeblatt Thun", Juni 1997

Mit der freundlichen Genehmigung von
Stefan Schwarz, Pfarrer in Thun-Strättligen, Obermattweg 3A, 3600 Thun, Schweiz





Den Wesen allen soll man Frieden wünschen,
Glück für ihr Herz, Glück für ihr ganzes Leben.
Wie immer die Gestalt der Wesen ist:
Ob klein, ob gross, ob lang, ob kurz,
Ob stark, ob schwach, ob grob oder ob zart,
Ob sie uns sichtbar sind, ob unsichtbar,
Ob fern sie weilen oder nah uns sind,
Ob sie entstanden sind, ob sie ins Dasein streben,
Sie alle mögen glücklich sein!
Wie eine Mutter während ihres ganzen Daseins
Ihr einzig Kind beschützt mit ihrem Leben,
So möge man jedwedem Wesen gegenüber
Den Geist mit grenzenloser Güte füllen!
(Sutta-nipata 149bis – Buddhistischer Lehrte

So, wünsch Euch allen trotz differenzen eine gute Nacht
Nina

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