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Geschrieben von Moneypenny77* am 13.07.2004, 12:21 Uhrzurück

Re: Mal ganz provokativ gesagt... (und auch mal eine neuen Thread)...

Zur Klarstellung meines Standpunktes: ich bin ganz sicher NICHT für die Einführung einer 60-Stunden-Woche, selbst die Debatte um die 50-Stunden-Woche halte ich für Quatsch. Ich habe lediglich gesagt, daß ich eine 40-Stunden-Woche für durchaus zumutbar halte.

Natürlich ist eine 60-Stunden-Woche familienfeindlich, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Ich habe auch niemals Mobilität von Familien oder anderweitig familiär gebundenen AN gefordert! Aber von einem Mitte 20jährigen Single, dessen Eltern topfit und unabhängig sind, kann ich doch wohl verlangen, daß er, wenn er ansonsten keinen Job findet, mal über seinen räumlichen Tellerrand hinausschaut, oder?
Keine Frage, ist es nicht zumutbar, wenn ein Familienvater, der mit allem nur nicht damit rechnen mußte, plötzlich 500 km von zu Hause weggeschickt wird. Aber so einfach geht das auch nicht. Mit dem Hinweis auf die vertragliche Regelung meinte ich, daß ein AG einen AN nur dann räumlich versetzen kann, wenn das ausdrücklich im Arbeitsvertrag steht (der AN kann sich das vor Vertragsunterzeichnung problemlos streichen lassen, das darf nicht zur Rücknahme des Vertragsangebotes führen), sonst geht das nicht! Aber Verträge sind auch da, um eingehalten zu werden und WENN ich das als AN unterschreiben, kann ich ja nicht hinterher sagen: och nööö, ich dachte das hätte da nur so dringestanden.
Grundsätzlich sollen Versetzungen natürlich immer genauso sozialverträglich geschehen, wir betriebsbedingte Kündigungen auch.

Zu unserer persönlichen Situation kann ich nur sagen: die Alternative wäre für's erste gewesen, daß mein Mann in Frankfurt geblieben wäre und er weiterhin nur am WE, vielleicht mit einem Tag Home-Office zu Hause gewesen wäre. Ein Modell, daß für uns MIT Kind nicht in Frage kam. Ein Umzug kam für uns, wie schon erwähnt, aus anderen Gründen auch nicht in Frage. Also, durchaus auch unter, aber verschmerzbaren, gehaltlichen Einbußen ein neuer Job in Wohnortnähe, aber als Banker liegen die Jobs außerhalb Frankfurts auch nicht mehr auf der Straße. Da der Laden in der Entwicklungsphase steckt und die Gesellschaft in 2 Jahren "Break-even" sein MUSS(das schreibt das Bundesaufsichtsamt so vor!), bleibt ihm z.Zt. nunmal nichts anderes übrig, als mehr als andere zu arbeiten. Und als Chef kann er ja wohl auch kaum nach seinen Mitarbeitern kommen und vor ihnen gehen mit dem Argument: ich bin Vater, das sind andere nämlich auch. Morgens fängt er auch nicht vor 9 Uhr an, so daß er unseren Sohn, wenn er um 7 Uhr wach wird jeden Morgen aus dem Bettchen holt und mind. 1 Stunde mit ihm kuschelt. Abends zwischen 19 bis 21 Uhr das gleiche. Übrigens: seinen Mitarbeitern mit Kindern gewährt er eine ganze Menge Freiheiten: in Notfällen dürfen sie ihre Kinder mitbringen, für Einschulungen, KiGa-Feste oder was auch immer in derart gibt's frei, ohne das dafür Urlaub eingereicht werden muß. Sie haben auch immer die erste Wahl bei der Urlaubsplanung. Das funktioniert aber auch nur, wenn alle an einem Strang ziehen und Sensibilität für die Lebenssituation der Kollegen aufbringen. Und komischerweise sind gerade diese Leute in den vergangenen Monaten wesentlich produktiver geworden...
Klar springt er nicht in die Luft, wenn Meetings fürs Wochenende in Hotels angesetzt werden und der dort übernachten muß, aber seine Chefs sind halt oft nicht so familienfreundlich wie er.

Ich bin z.B. dafür, daß Unternehmen Steuererleichterungen erhalten sollten, die einen Betriebskindergarten einrichten. Sowas finde ich toll! Oder eben, daß es möglich ist, sein Kind mit zur Arbeit zu bringen oder von zu Hause aus zu arbeiten (gerade in diesem Bereich bieten die neuen Technologien doch tolle Möglichkeiten). Nur, weil ich mir für uns nicht vorstellen kann, daß ich in naher Zukunft wieder arbeite (meine Verpflichtungen beschränken sich nicht nur auf Mann und Sohn, sondern da hängt noch einiges mehr dran), heißt das doch nicht, daß ich andere Lebensmodelle ausblende. In einer anderen Lebenssituation (und wenn ich wüßte, daß mein SOhn gut versorgt ist), würde ich vielleicht auch früher oder später wieder arbeiten gehen, Wenngleich ich 1. gern meinen Job als Hausfrau, Mutter und "Familienpflegerin" nachkommen, weil ich dort mehr zurückbekomme, als jemals von meinem Chef und ich 2. mit meinem Mann und engen Freunden, weitaus tiefsinnigere und intelligentere Gespräche führe, als mit meinen Kollegen oder Kunden. Natürlich weiß ich, daß das bei vielen anderen anders ist und ich würde mir niemals anmaßen, hier pauschale Urteile darüber zu fällen, wie jemand sein Familienleben organisiert.

So, das wollte ich nur mal klarstellen, bevor ich hier wieder die Buhfrau bin :-))

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