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Geschrieben von Marit am 25.11.2002, 8:48 Uhrzurück

Liebe Michaela...

...natürlich hab ich nicht DEINE Mutter angegriffen. Klar gabs auch in unserer Elterngeneration Leute dies schwer haben. Alleinerziehende Mütter z.B. Nur: die habens auch heute noch schwer. Und es ist einfach Fakt, daß nur jeder 100te Rentner Sozialhilfe beziehen muß, aber schon jedes 14te Kind. Daran sieht man doch, daß "die arme Rentnerin" heute nicht die Regel ist, sondern eher die Ausnahme. Und der will ich auch nix wegnehmen. Ich finde auch, daß wir uns ALLE auf einen niedrigeren Lebenstandard einstellen sollten. Was ich allerdings nicht ok finde ist, wenn nur WIR, unsere Generation das soll. Es gibt in Deutschland eine Art ungeschriebenes Gesetz, daß der Staat irgendwie dafür sorgen soll, daß man nicht verliert, was man einmal erreicht hat-und das eben ist Unsinn. Wir brauchen alle nicht zu hungern und haben alle genug anzuziehen und in der Regel auch irgendeine Art Dach über dem Kopf-ok, sehr schön.Aber all die zusätzlichen Güter, die man auch noch haben könnte (Auto, DVD-Player, Computer, schöne Möbel etc.) haben eben nicht diejenigen, die am meisten arbeiten. Ich hab auch nicht "meine Mutter" persönlich angegriffen, sondern für mich steht sie für eine bestimmte Generation: 1948 geboren, von 16-19 drei Jahre gearbeitet, geheiratet,mit dem ersten Kind mit dem Arbeiten aufgehört.Vielleicht weitere 3 Jahre hart gespart. ab dann gings nur noch aufwärts. Alle 2-3 Jahre Beförderung des Mannes, 2 weitere Kinder, 2 Autos, Haushaltshilfe (zwischendurch immer nur Gejammer, wie anstrengend der Haushalt ist). Nach dem Tod des Mannes Gejammer über niedrige Witwenrente (57%, wobei 2 Kinder schon außer Haus sind, die 57% also auch nur für 2 statt vorher 5 Personen reichen müssen). Lebt jetzt mit einem anderen Rentner zusammen, den sie natürlich nicht heiraten wird, weil dann ja ihre Rente wegfiele. Hat eine ganze Menge Freundinnen in ähnlicher Situation.Es ist gar nicht so, daß ich das niemandem gönnen würde, wenn wir uns das leisten könnten- wenn ich aber andererseits sehe, daß von meinem Einkommen knapp weniger als die Hälfte übrigbleibt, find ich das schon ein starkes Stück. Es ist weniger so, daß ich meine Mutter dissen will, ich wollte eher sagen, daß ich es nicht ok finde, daß sich jemand, der nicht arbeitet sondern vom Staat lebt ein großes Auto, Markenklamotten jede neue Schnickschnackküchenmaschine etc. leisten kann, jemand, der über seine Abgaben so jemand versorgt, das aber NICHT kann. Da fände ich eine Angleichung der Lebensstandards schon gerechter.

Natürlich kann der einzelne wenig dafür, man nimmt, was man kriegen kann. Das ganze wäre ja auch leichter erträglich, wenn diese relativ gut wegekommene Generation ein wenig zufriedener mit dem Erreichten wäre und damit, daß mans bisher gut hatte. Aber so ist es ja nicht, jeder kleine Abstrich (5 Jahre länger arbeiten müssen etc.oder eben 6,1% Abzüge statt bisher 3,2)wird mit solcher Wut kommentiert, mit so einem Gejammer begleitet, daß ich das einfach unsolidarisch finde.

Grüße, Marit

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