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Geschrieben von sasu am 30.06.2003, 21:35 Uhrzurück

Liberia: Kinderleichen vor US-Botschaft niedergelegt

BÜRGERKRIEG IN LIBERIA

Kinderleichen vor US-Botschaft niedergelegt

Bewohner der liberianischen Hauptstadt Monrovia haben aus Protest gegen den Bürgerkrieg und die Untätigkeit der Weltgemeinschaft die Leichen von Kindern vor der US-Botschaft abgelegt. US-Präsident George W. Bush forderte Liberias Präsident und ehemaligen Warlord Charles Taylor zum Rücktritt auf.


Monrovia - Die Demonstranten forderten vor dem schwer bewachten Botschaftsgelände die USA auf einzugreifen. Die getöteten Menschen hatten versucht, dort Zuflucht vor den blutigen Kämpfen zu finden.
Taylor solle sich zurückziehen, "damit seinem Land nach 14 Jahren Krieg weiteres Blutvergießen erspart bleibt", sagte Bush. Der US-Präsident appellierte zugleich an alle an den Kämpfen beteiligten Parteien, eine umfassende Friedensvereinbarung anzustreben.

In einer Rede vor einer afrikanisch-amerikanischen Handelsgruppe äußerte er sich jedoch nicht zu Forderungen nach einer Intervention von amerikanischen Streitkräften in dem Bürgerkriegsland. Dort sind Tausende auf der Flucht vor den blutigen Gefechten zwischen Rebellen und Regierungsarmee. US-Außenamtssprecher Richard Boucher sagte, alle Optionen würden "in Erwägung gezogen".


Bush will im kommenden Monat zum ersten Mal selbst nach Afrika reisen. Er will vom 7. bis 12. Juli Senegal, Südafrika, Botswana, Uganda und Nigeria besuchen. In seiner Rede am Donnerstag stellte der US-Präsident 100 Millionen Dollar als Hilfe für die afrikanischen Nationen bei der Bekämpfung von Terror in Aussicht.

"Bislang mindestens 300 Tote"

Der Bürgerkrieg in Liberia hat in den vergangenen Tagen bis zu 300 Menschenleben und 1000 Verletzte gefordert, wie Liberias Gesundheitsminister Peter Coleman sagte. Auch die evakuierte US-Botschaft wurde am Mittwoch von drei Raketen getroffen - nach Augenzeugenberichten wurden dabei 18 Menschen getötet. Auf dem Gelände hatten vor dem Angriff vom Mittwoch Tausende Einwohner Zuflucht vor den Kämpfen gesucht.

Großbritannien hatte die USA angesichts der Eskalationen zur Durchsetzung eines Waffenstillstands in dem westafrikanischen Land aufgerufen. Jemand müsse dafür sorgen, dass "eine politische Einigung wahrscheinlicher wird und ein Waffenstillstand auch hält", forderte der britische Uno-Botschafter Jeremy Greenstock. Die USA seien für den Einsatz ein "natürlicher Kandidat".


Ziel der Rebellen ist der Sturz von Präsident Taylor, der Liberia 1989 mit einem Putsch gegen den damaligen Präsidenten Samuel Doe in den Bürgerkrieg stürzte. Der am 17. Juni vereinbarte Waffenstillstand war Teil eines Abkommens, das auch die Bildung einer Übergangsregierung ohne Taylor vorsieht. Dieser lehnte einen vorzeitigen Rücktritt jedoch ab. Daraufhin zog sich die Rebellenbewegung Vereinte Liberianer für Versöhnung und Demokratie (Lurd) aus den Friedensgesprächen in Ghana zurück.

In den vergangenen Wochen sollen die Rebellen mindestens 60 Prozent Liberias unter ihre Kontrolle gebracht haben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,254787,00.html

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