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Geschrieben von Ralph am 29.09.2003, 0:28 Uhrzurück

Lehrer ist ein lauer Beruf?? :-) Na denn... :

Hi JoVi,

seit wann arbeiten Ärzte überdurchschnittlich viel, hmmm? Ein Patient im Wartezimmer, Wartezeit 30 Minuten Minimum? Was macht der Typ die ganze Zeit? Bin ich auf dem Amt? Ärzte haben ja nun traumhafte Öffnungszeiten:
Mo, Di, Do und Fr von 8-12 Uhr (= 16 Stunden), Mo, Di und Do 14 - 17 Uhr (+ 9 Stunden), wenn überhaupt, oft ist um 16 Uhr schon dicht! Mi ganztags und Freitag nachmittag zu. Macht einer Wochenarbeitstraumzeit von sahnemäßigen 25 Stunden, das ist weniger als Lehrer arbeiten. Dann kommen noch diverse Ärztekongresse und Seminare dazu, wo der Arzt nicht da ist und sich eh nur amüsiert...

Nein JoVi, mal ehrlich, dieses Bild vom Ärzteberuf wäre doch sehr einseitig, oder?
Ich bin kein Arzt, aber mein purer Menschenverstand sagt mir, daß allein die sichtbare Arbeit nicht die gesamte Arbeitszeit herzeigt, daß unglaublich viel sich auch im Verborgenen abspielt.


Bei Lehrern ist das doch ähnlich! Nur ein Dummgeist kann ernsthaft annehmen, daß bei Lehrern Ferienzeit = Urlaubszeit ist.
Ich bin kein Lehrer, habe nur durch akive Elternarbeit mehr in den Lehrerberuf hineinblicken dürfen. Allein die gegebenen Stunden geben ja nicht alles wieder.
Es kommen hinzu (sag ich mir jedenfalls als Laie):

- Vorbereiten einer Stunde (Material zusammenstellen, kopieren)
- Korrekturarbeiten (mein Gemeinschaftskundelehrer hat unter jede Arbeit mindestens 4-5 Sätze geschrieben, --> Super Korrekturen waren das)
- Prüfungsarbeiten erstellen, grade heute muß vieles mit anderen Schulen in der Stadt/Bundesland abgestimmt werden (Vergleichsarbeiten)
- Fortbildungen, womöglich am Abend
- Aktivitäten außerhalb des reinen Schulbetriebes wie AGs konzipieren und durchziehen
- Klassenreisen vorbereiten und durchführen
- Elternsprechtage (auch die müssen vorbereitet werden, und das ist nicht ohne in der Organisation!)
- Elternabende
- Elterneinzelgespräche, Telefonate, oft am Abend, wenn die Eltern erst zeit haben
- Ämter wie Vertrauenslehrer, Schüler- und Schulbibliothek führen, Schulinstrumente warten, technische Geräte im Chemielabor und Physiksaal betreuen, evtl. neue Schutzbestimmungen umsetzen usw.
- Konferenzen, Elternrat, Schulkonferenz, Klassen- und zeugniskonferenz (in HH 2x im Jahr vorgeschrieben!)
- Organisation
- Klassenfeste beaufsichtigen, Schulfeste

Ganz zu schweigen von den problemen, die Frosch angesprochen hat...

usw. usw.

Es gibt so viel, was auf dem ersten Blick nicht sichtbar ist. Aber es ist Mode geworden, auf die Lehrer von vornherein einzuprügeln (weil viele von ihnen Beamte sind??).
Sicherlich gibt es auch unter den Lehrern schwarze Schafe, die sich auf Kosten der Kollege einen lauen Lenz machen, die aber gibt es unter der Ärzteschaft auch, oder unter verkäufern, die sich verstecken, sobald ein Kunde in Sicht ist, oder Handwerker, die Pfusch veranstalten...

Wer seinen Beruf verantwortungsvoll ausfüllt, wird selten die Hände in den Schoß legen. Natürlich gibt es sehr unterschiedliche körperliche Belastungen, psychisch kann ein Job einen aber auch fordern.
Es ist ein Irrglaube anzunehmen, daß ein Beruf in den Geisteswissenschaften automatisch weniger an den Kräften zehrt als ein Handwerksberuf.

In diesem Sinne
alles gute
Ralph/Snoopy

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