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Geschrieben von Ralph am 20.02.2006, 12:34 Uhrzurück

Lange Antwort... :-)

Hi Cosmicos,

also Dein erster Satz ist für'n Ar..., echt, denn kanst Du Dir sparen! :-)

Ich sehe jetzt mal davon ab, daß durch die bisher nicht erfolgte saubere Trennung zwischen Todesstrafe und lebenslange Haftstrafe ich gar nicht erst zur Todesstrafe komme.

Dein Argument, daß lebenslange "Folter" schlimmer ist als die Todesstrafe, ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen, insbesondere weil derjenige ja weiß, daß er unschuldig einsitzt.
Die Todesstrafe kann dies aber doch erst recht nicht begründen, denn wenn man um die Unschuld wüßte, würde man den Mann doch entlassen, oder? Solange er aber unschuldig einsitzt, ohne daß der Schuldspruch durch eine Wiederaufnahme evtl. korrigiert wird, geht die Gesellschaft zurecht von der Schuld des Mannes aus. Wäre die Todesstrafe eingeführt, würde der Betreffende hingerichtet.

Justizirrtümer kommen vor, das wird niemand verhindern können. Aber Du wirst mir sicher zustimmen, daß die Todesstrafe nun einmal final ist, entgültig und unumkehrbar. Selbst eine postum erfolgende Rehabilitation, davon hat nur der Leumund und evtl. die Verwandtschaft des Hingerichteten etwas, er selbst nicht.
Eine Haftstrafe kann man zwar auch nicht rückgängig machen, aber nach einer Rehabilitation kann derjenige wenigstens erhobenen Hauptes den Rest seines Lebens ohne diese Bürde leben. Daß er im Gefängnis geprägt worden ist und vielleicht diverse Traumata davongetragen hat, gestehe ich Dir zu, ganz klar, auch wenn das wiederrum von der einzelnen Persönlichkeit abhängt. Ein Automatismus besteht dort nämlich nicht zwangsläufig.
Dennoch ist das schon schlimm genug, wenn einem Rechtsstaat das passiert, für mich immer wieder schwer zu ertragen, es wird dennoch immer wieder geschehen. Als Rechtsstaat aber eine falsche Hinrichtung eingestehen zu müssen, das ist der "worst case", und da unterscheiden wir uns.

Für mich ist jeder staatlich zu Unrecht Hingerichteter einer zuviel. Du kannst Dir das auf sehr geringen Level vorstellen. Du nimmst ein paar zu Unrecht Hingerichteter in Kauf und stellst evtl. dann nicht zu Tode Gekommene zahlenmäßig gegenüber.
Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, ob ein Menschenleben genausoviel wert ist als 10 oder 1000. Das aber ist eine ethische Frage, auf die es durchaus verschiedene Antworten gibt.

Für mich ist der Wert eines Lebens unendlich, deshalb kann ich mich mit unschuldig Hingerichteten nicht abfinden, deshalb ist es für mich auch einer der Hauptgründe meiner Ablehnung, daß die Todesstrafe sich nicht sauber abgrenzen läßt. Diese Ungenauigkeit verbunden mit den Justizirrtümern macht es für mich unmöglich, der Todesstrafe das Wort zu reden.

Wenn man auf der anderen Seite so wie Du zu dem Ergebnis kommt, daß es auch als Staat legitim sein kann/soll, einige Unschuldige hinzurichten, um evtl. eine Vielzahl anderer Unschuldiger vor dem Tode zu bewahren, dann kann man natürlich auch mit den Unzulänglichkeiten der Todesstrafe leben. Das ist jetzt im Übrigen kein Angriff gegen Dich, diese Sichtweise ist für mich zumindest nachvollziehbar, auch wenn ich sie natürlich überhaupt nicht teile. :-)

Trotzdem Danke für das erste vernünftige Posting in dieser Angelegenheit.

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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