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Geschrieben von krissie am 09.08.2004, 12:26 Uhrzurück

Re: @Krissie

Hallo Marit,

ja, ich hab mich ja auch über die unvollständige Darstellung der wirklichen gesetzlichen Regelungen zugunsten dieses emotionalen Rührstückes geärgert, war fast versucht, einen Leserbrief zu schreiben...

Ich wollte auch wirklich nicht zynisch erscheinen, ich möchte es niemandem zumuten, in sozial sehr schlechten Verhältnissen sein ganzes Leben zu leben. Es bezog sich nur auf mich und meine Erfahrungen, die ich einfach mal auf andere junge Menschen, fertig Studierte etc. übertragen habe: Dass ich mir eben ein Leben mit Hartz IV selber durchaus zumuten würde (und soviele Quadratmeter sind wir davon nun tatsächlich nicht entfernt, soviele Euros irgendwie auch nicht, wenn man alle Kosten abzieht, die wir dann nicht mehr hätten). Ich habe aber eben auch noch Hoffnung, auf Arbeit, auf höhren Lebensstandard, mehr gesellschaftliche Teilhabe. Und das ist ja auch das Prinzip von Hartz IV: "fördern und fordern", das bei vielen älteren Arbeitslosen leicht zynisch ist.

Mein Schwiegervater war in der Situation, dass er, da seine vormals sehr erfolgreiche Selbständigkeit schlecht lief, sich dringend mit weit über 50 nach Jobs umsehen musste. Was der mitgemacht hat, was er auch ausprobiert hat, das hätte ich mir widerum nicht zugemutet. Vertreterjobs, in "Verkaufstrainings" angeschrieen werden von irgendwelchen jungen Möchtegern-Motivationstrainern... Und finanziell ist natürlich auch nichts bei rumgekommen. Er hat schlichtweg nichts adäquates mehr gefunden, dabei war er jahrzehntelang erfolgreich zunächst angestellt, dann Selbständig, hat als Angestellter die Höchtsbeiträge in die Sozialversicherungen gezahlt. Das ist natürlich nicht die Schuld der Regierung, die es finanziell auffangen muss, dass ältere Arbeitnehmer oft einfach nicht mehr neu Fuß fassen können. Und in seinem speziellen Fall wäre Hartz IV ja ein Gewinn gewesen, denn er hatte keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr wegen der Selbständigkeit. (Das finde ich übrigens gut, dass verändert wird, diese maximale Vesorgung und Sicherheit für Arbeitnehmer und der Rest wird gleich aufs Sozialamt verwiesen, egal wie arbeitswillig und fähig. Nun gibt es diese Sicherheit halt nur noch für Lebenszeitbeamte, auch nicht gerecht!) Nur "fördern und fordern" stimmt halt im Zusammenhang mit vielen älteren Arbeitslosen einfach nicht.

Du hast natürlich Recht hast, dass es vor allem diejenigen trifft, die vorher (etwas) besser gestellt waren, allerdings die, die eben nicht so gut gestellt waren, rechtzeitig ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.
Für (potentielle) Sozialhilfeempfänger ändert sich dagegen ja wohl wenig bzw. verbessert sich auch etwas die Lage (jedenfalls für die, die keinen Anspruch auf Sozi haben, aber eben auf Harzt IV). Aus irgendwelchen Berechnungsbeispielen in Zeitungen habe ich ersehen, dass die auch oft etwas weniger rauskriegen, hab aber ehrlich gesagt nicht so genau verstanden, warum.

LG Kristina

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