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Geschrieben von marit am 09.08.2004, 10:31 Uhrzurück

Re: @Krissie

Hallo Krissie,

ja, ich war auch nicht ohne Mitleid, als ich das gelesen habe. Ich sage ja nicht, daß es nicht schlimm ist, relativ spät in der Biographie nochmal einen Abstieg hinnehmen zu müssen. Aber ich empfinde es schon auch als zynisch, quasi zu sagen "für Menschen, die es eh nicht besser kennen, ist es ja auch nicht so schlimm, beengt zu leben, sich mit volltrunkenen Nachbarn abzufinden und mit einem schrottreifen Auto auszukommen. Mit demselbsen Argument kann man dann ja auch Tierschützern entgegnen, daß es den Hennen in den Legebatterien gut geht, die kennens ja nicht anders. Was diese Menschen leiden läßt, ist weniger der soziale Abstieg, sondern daß die zwischen 1950 und 1980 geborenen mit einer Ideologie aufgewachsen sind (sowohl in der ehemaligen DDR als auch hier), daß wirtschaftlich alles immer besser läuft. In anderen Ländern gab es ein Auf und Ab, aber in Deutschland gab es in dieser Zeit ausschließlich Aufschwung. In anderen Kulturewn ist man viel eher daran gewöhnt, daß man mal Glück hat und mal eben nicht; daß sich Leistungen manchmal lohnen und man manchmal auch falsche Entscheidungen trifft. Und jetzt ist die Frage für mich bzw. für den Staat: muß man alles tun, damit die Menschen gemäßt der alten Ideologie weiterleben können oder ist es langfristig besser, einen Realitätsschock in Kauf zu nehmen. Man kann das Ganze ja auch anders sehen: dieses Paar hatte, weil es gerade zur rechten Zeit auf einen für die beiden quasi zugeschnittenen Arbeitsmarkt gespült wurde, 10 Jahre lang die Möglichkeit richtig gut zu leben. Die entscheidende Frage ist: wer hatte im Rückblick das bessere Leben, derjenige, der IMMER wenig hatte, oder derjenige, der mal mehr und mal weniger hatte.

Außerdem gibt es ja auch noch eine 2 jährige Übergangsfrist, in der es für ehemals gut Verdienende Zuschläge auf Hartz IV gibt. Dann hat man insgesamt 3 Jahre lang Zeit, den Lebensstandard allmählich runterzufahren, wenn man heute arbeitslos wird - und es bleibt.

Ich finde es wirklich sehr mutig von der Regierung, diesen großen Schritt gemacht zu haben - er trifft nämlich nicht die wirklich Armen - sondern diejenigen, die früher weit über 2500 (wenn Kinder da sind, liegt die Grenze sogar höher) Euro brutto verdient haben. Zugleich erleichtert er vielen künftigen Sozialhilfeempfängern das Leben, weil diese nun nicht mehr gezwungen sind, sich gegenüber ihrer gesamten Herkunftsfamilie gegenüber zu outen und in Familienzwiste zu geraten- denn in Zukunft wird ja nur noch das Einkommen im eigenen Haushalt berücksichtigt.

Klar muß es auch anderswo Einschnitte geben, von mir aus gerne bei der Erbschaftssteuer, oder auch Regelungen wie die, daß die Erhebung von Steuern nicht an den Wohnort, sondern an die Staatsbürgerschaft gekoppelt ist. Gern auch bei den Beamtenpensionen (hier wäre ich ggbf. ja auch selbst betroffen)und gerade bei den Pensionen für Abgeordnete, die man einfach mit den wissenschaftlichen Assistenten gleichstellen sollte, die ja auch nur auf Zeit abkommandiert sind. Aber hier wieder einige weniger Managergehälter anzuprangern bringt ja nichts, denn die werden ja schließlich nicht vom Staat bezahlt.

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