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Geschrieben von Marit am 28.01.2003, 7:31 Uhrzurück

Re: Irgendeiner Zeitung muss man sich schliesslich anvertrauen. ;-) Aber trotzdem....

Hallo Linda,
ich bin was den Krieg angeht inzwischen etwas zynisch geworden...früher war ich sehr friedensbewegt und vertrat die Meinung "Krieg unter gar keinen Umständen", aber damit macht man es sich auch sehr leicht. In Afghanistan hat die Verfolgung Bin Ladens immerhin dazu geführt, daß Frauen wieder berufstätig sein dürfen und kleine Mädchen dort wieder zur Schule gehen. Die agressive Unterdrückung der Frauen dort, wäre m.E. schon lange ein Grund gewesen, dort etwas zu unternehmen (womit ich nicht unbedingt Krieg meine). Bin Laden allerdings, lebt immer noch... Waffensysteme können noch so präzise sein, das nützt alles nichts, wenn man gar nicht weiß, wo sich saddam überhaupt aufhält. Ich verstehe nicht, warum sich die Uno nicht dazu verpflichtet, gar kein Öl mehr aus dem Irak zu importieren und dann erst mal abwartet, ob sich die Bevölkerung gegen Saddam mobilisiert. Man könnte auch unter den Irakern ein Kopfgeld gegen Saddam aussetzen und mal schauen, ob die das Problem unter sich lösen können. Das alles ist nicht einmal versucht worden. Ich zweifle einfach an den Beweggründen für einen militärischen Schlag gerade jetzt und kann mich des Verdachtes nicht erwehren, daß Bush unter anderem auch das große Projekt seines Vaters vollenden möchte. 1998 sind meines Wissens die UN-Inspektoren des Landes verwiesen worden -das ist nun fast 5 Jahre her, da wird man als Nichtamerikaner schon mal fragen dürfen, warum gerade jetzt alles so hochkocht während die Bedrohung z.B. von Seiten Nordkorea viel eher auf der Hand liegt.

Es mag sein, daß die Deutschen gegenwärtig entscheidungsunfähig sind, und das das ebenso gefährlich sein kann, wie eine evtl. falsche Entscheidung in dieser Sache. Fakt ist aber, daß es aus unserer Sicht unentscheidbar ist, ob der Irak nun über Massenvernichtungswaffen verfügt, oder nicht. Die Usa reden von Beweisen, legen sie aber nicht auf den Tisch - und blinde Gefolgschaft kann nun wirklich niemand von uns erwarten GERADE nicht nach den Erfahrungen mit Hitler. Letzteres ist auch der Grund, warum die Deutschen sich von den USA im Moment distanzieren - dieser aufkeimende Nationalstolz und Militarismus, der um sich greift, ist in Deutschland eben per se schon verdächtig, weil WIR mit Krieg nun mal Hitler und damit verbunden eine große Scham empfinden, so daß wir damit eben nichts mehr zu tun haben wollen. Ich finde das auch durchaus legitim, wenn sich ein Land in einer so heiklen Frage dazu entscheidet, sich herauszuhalten, wenn die zivilen Wege verlassen werden.

Es stimmt schon (und daher kommen wohl plötzlich Fragen nach Mülltrennung in diesem Zusammenhang auf), daß man gerade eine große Wut auf Bush im Besonderen und die Amerikaner im allgemeinen hat, weil er das Kyototo -Abkommen nicht unterschrieben hat und weil man dadurch irgendwie das Gefühl hat, die verbrauchen für sich alleine die ganzen Ölreserven . die doch für uns alle viel länger halten können, wenn wir uns etwas zügeln würden -das Gefühl ist in etwas so, wie wenn man selbst auf Diät ist und der Partner ißt grinsend absichtlich die leckersten Sachen, die man sich selbst für "später" aufheben wollte). Dazu sind solche Projektionen im Umlauf, von denen ich nicht weiß, ob sie stimmen, da ich wenige Amerikaner kenne, die lauten in etwa so: Amis lassen immer überall das Licht brennnen und die Kühlschranktüren aufstehen, fahren nur noch mit dem Auto und gehen keinen Weg mehr zu Fuß, wenn es eine Energiesparinitiative gibt, bedeutet das, daß es in Hotels nur noch auf jedem 2. Stock einen Eisautomaten gibt (statt 2 auf jedem Stock),die Amerikaner stecken Kinder ins Gefängnis,...
Dazu kommt, das in letzter Zeit sehr häufig die Todesstrafe vollstreckt wurde. Das alles macht eine schlechte Presse und hat sich in der letzten Zeit sehr aufgebaut, da braucht man gar nicht erst auf den Spiegel schimpfen. Und all das trägt dazu bei, daß das Bild der Amerikaner hier ein wenig ins Zwilicht geraten ist.Naja und gerade an diesem Punkt des ohnehin schon vorhandenen Mißtrauens, jetzt totales Vertrauen von den Deutschen zu verlangen, daß es diese Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen gibt, man sie uns aber leider nicht zeigen kann, führt nun mal zu Kopfschütteln. Mag sein daß die Großelterngeneration der Amerikaner unser Großeltern vom Krieg befreit haben, und daß es dafür auch eine gewissen Dankbarkeit gibt. Aber das ist lange her und man hat sich von der dankbar-devoten Haltung auch ein Stück weit emanzipiert.

Grüße, Marit

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