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Geschrieben von Joelina77 am 23.04.2004, 10:23 Uhrzurück

Ich habe in meiner ersten SS geraucht...

... und bin bestimmt nicht stolz darauf, aber ich finde es wirklich, sagen wir mal, erstaunlich, was einige hier so von sich geben.

Meine erste SS war ein "Unfall", also nicht geplant. Ich wollte natürlich sofort aufhören, aber ihr Lieben, mein FA gab mir einen Plan zur langsamen Reduzierung mit, da plötzliches Aufhören in den ersten drei Monaten die Chance einer Fehlgeburt um ich glaub 17% steigert.

Ich habe mich an diesen Plan gehalten, obwohl es mir vieeeeeel leichter gefallen wäre von einem auf den anderen Tag aufzuhören.
Gleichzeitig hatte ich schlimmen Streit mit meinem damaligen Freund (wir waren 5 Jahre lang zusammen, wohnten zusammen) und er verliess mich, weil ich schwanger war.
Ich war das erste Mal obdachlos (er hat mich einfach aus der Wohnung geworfen).
Gott sei Dank durfte ich bei meinem Vater einziehen aber in der Zeit hat sich mein Zigarettenkonsum wieder gesteigert. Es war einfach zu viel Stress, da konnte ich nicht auch noch die Kraft aufbringen um mit dem Rauchen aufzuhören.
Als ich mich dann halbwegs gefangen hatte, da war ich so im 6. Monat hab ich wieder aufgehört zu rauchen. Immer wenn ich mich schwach und ängstlich fühlte, was sehr oft vorkam erlitt ich einen Rückfall, ich rauchte mal einen oder zwei Tage gar nicht, dann wieder eine Woche lang täglich 2 bis 5 Zigaretten, dann wieder gar nicht usw...

Als ich im 7. Monat schwanger war starb mein Vater ganz plötzlich an Herzinfarkt vor meinen Augen. Mal abgesehen davon dass der zweite riesige Schock in der Schwangerschaft war und ich zum zweiten Mal vor dem Nichts stand (die Obdachlosigkeit schon wieder vor Augen) musste ich noch irgendwie mit meiner Trauer fertig werden und dann noch die ganze Beerdigung etc organisieren, mich um die Papiere kümmern usw usw... Ich hatte zu der Zeit echt schlimmere Probleme als das Rauchen und konnte mich darauf nun wirklich nicht mehr konzentrieren oder die nötige Kraft aufbringen.

Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich diese Zeit irgendwie heil überstanden habe.

Jede Zigarette hat selbstverständlich in mir ein schlechtes Gewissen hervorgerufen, ich wollte aufhören, konnte aber nicht. Zwischen wollen und können liegt manchmal ein himmelweiter Unterschied!

Ich finde es doch sehr beschränkt, dass immer wieder von Menschen behauptet wird, man könne so einfach mal eben aufhören zu rauchen, wenn man nur wolle. Es ist erwiesen, dass es sich beim Rauchen um eine Sucht handelt. Demnach können wir alle Suchtberatungen, alle Therapieeinrichtungen für Suchtkranke schliessen lassen, denn Süchtige müssen sich ja nur mal ein bisschen zusammenreissen, oder wie? In der Psychologie benutzt man den Ausdruck Suchtkrankheit, warum denn wohl?

In meiner zweiten Schwangerschaft habe ich aufgehört zu rauchen. Es viel mir sehr schwer, diesmal aber lebte ich in einem sicheren Umfeld und so gelang es mir.

Rauchen ist gesundheitsschädlich, es ist nicht gut für´s Kind, wenn die Mutter in der Schwangerschaft raucht, allerdings hat das rein gar nichts mit fehlender Mutterliebe zu tun. Ich finde die Äusserung, dass solche Mütter keine Kinder erziehen dürften einfach...

Ich finde es übrigens eher bedenklich, dass Menschen, die sich nicht in andere hineinversetzen können und meinen über Unbekannte urteilen zu dürfen, die dermassen intolerant und radikal sind, Kinder erziehen, denn ich glaube nicht, dass diese Menschen ihnen ein nicht stark eingeschränktes Weltbild vermitteln können.

Joelina

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