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Geschrieben von fiammetta am 11.11.2005, 17:14 Uhrzurück

Ich bin der Alptraum unemanzipierter Männer :-) - mT

Hi,

ich habe - wie meistens - nur wenig Zeit und konnte daher zu den Diskussionen unten leider (noch) nichts sagen.

Meine Mutter ging gerne arbeiten, jammerte aber immer, daß sie so ausgebeutet worden sei. Obwohl sie 11 Jahre älter ist als mein Vater, ließ sie es sich von ihm untersagen, nach meiner/unserer Geburt irgendwann wieder arbeiten zu gehen. Einerseits zog sie ständig über arbeitende Frauen her und erzog mich weitgehend als Mädi (hat damit die Armut ihrer eigenen Jugend zu kompensieren versucht), betonte allerdings unablässig, wie wichtig eine gute Ausbildung und Arbeit als Mittel der Unabhängigkeit seien. Hört sich ein bißchen nach gespaltener Persönlichkeit an, dürfte aber für diese Generation öfter gelten. Gleichzeitig waren meine Tanten immer erzfaul in ihren Augen, obwohl sie dasselbe Leben wie sie führten - nur mit noch mehr nicht selbst erarbeitetem Geld...

Wenn Du mich sähest, dann würdest Du nicht glauben, daß Du eine "Kampffeministin" vor Dir hast. Ich trage lange Haare, bin schlank, trage gerne Röcke, tuss` mich also auf - ich bin äußerlich gerne ein "echtes" Weib. Wobei auch einiges an Kalkül dabei ist, d.h. ich erscheine sanfter als ich tatsächlich bin, weiß aber, daß roter Lippenstift z.B. eine Form direktester Kampfansage ist.*grins* Ich erleichtere mir damit also das Leben und gebe zu, daß ich mir diese Tour von den zumeist wesentlich stärker emanzipierten Italienerinnen abgekupfert habe.

Und ja, ich bin gerne emanzipiert! Ich halte es für unwürdig, von einem anderen Mensch abhängig zu sein - mit all seinen Konsequenzen. Gleichzeitig widert es mich auch an, mit welch einer Selbstverständlichkeit sich Frauen in eine lebenslange Hausmütterchenrolle stopfen lassen - und ihren Frust an selbständigen Frauen wieder abreagieren müssen. Entweder kriege ich den Hintern selbst hoch oder ich bin ruhig, statt andere mit meinem Neid zu belästigen. Es ist unwürdig (oder kreuzdumm), nicht selbständig und damit nicht weitgehend frei zu sein. Mit "frei" meine ich: ich weiß, daß ich selbst, d.h. ohne andere, eine Familie ernähren kann und ich auch - dank Eigenintiative und permanenter Lernbereitschaft und der Fähigkeit zäh zu diskutieren - Männern gegenüber mich nicht klein machen muß. Es passiert mir im Berufsleben nicht mehr (toi,toi,toi!), daß ich duckmäusern muß, weil ich eine FRAU bin. Dafür habe ich bis heute zu wenig Männer kennengelernt, die mir das Wasser hätten reichen können. Ich habe auch körperlich keine Angst mehr vor Männern, weil ich festgestellt habe, daß die meisten vor starken Frauen kuschen. Ansonsten gibt`s halt Recht und Gesetz. Zu mir hat einmal ein Italiener gesagt, meine coglioni (höchst umgangssprachlich für Hoden) seien größer als die der meisten Männer... Stimmt.

Ich brauche also keinen MANN, der für mich im Job denkt und mir zu Hause die - huch! - schwere Arbeit abnimmt. Um`s kurz zu machen: Ich BRAUCHE eigentlich keinen Mann, d.h. ich kann mir den LUXUS leisten, mit einem Mann zusammenzuleben, aber ich bin inzwischen so weit, daß ich auch jederzeit gehen könnte. Das können die meisten Frauen nicht von sich sagen. Auf all das bin ich stolz, auch wenn ich damit als "schwierig", d.h. nicht als angepaßtes Püppchen, gelte. Ist mir allerdings wurscht, was wiederum eine Form von Freiheit ist.

Der Punkt ist aber: Emanzipation muß sich jede einzelne selbst verdienen und es reicht dazu nicht, Glühbirnen selbst wechseln zu können oder einen 400.-€-Job zu haben. Es ist auch eine Frage der inneren Einstellung und die hängt wiederum davon ab, wie offen jemand seine Umwelt und seine eigene Situation analysiert und wie weit jemand dazu bereit ist, seinen Hintern selbst hochzubekommen, selbst aktiv zu werden und auch unbequeme Wege zu gehen. Menschen, die sich in ihrer Opferrolle regelrecht suhlen, werden sich nie emanzipieren, weil ihnen Bequemlichkeit zu viel bedeutet - und das gilt für Männer und Frauen gleichmaßen.

LG,

Fiammetta

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