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Geschrieben von maleja am 08.02.2006, 15:05 Uhrzurück

Ich bin beeindruckt (Tchibo)

Und nun interessiert mich Eure Meinung. Am meisten beeindruckt mich, dass ich überhaupt eine Antwort auf meine Mail erhalten habe.

Grüßle Silvia



Sehr geehrte Frau X..,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre E-Mail.

Die Durchsetzung sozialer Mindeststandards in der zunehmend globalisierten Welt ist eine komplexe Herausforderung, nicht nur für Tchibo, sondern für alle international agierenden Handelsunternehmen weltweit.
Textilien werden heute ganz überwiegend in den sog. Entwicklungs- und Schwellenländern produziert. Diese Produktionsmärkte verfügen über eine detaillierte Arbeits- und Sozialgesetzgebung, die in vielen Bereichen hinter der westlicher Industrieländer kaum zurücksteht oder sogar strenger ist.
Das Problem ist der Ausfall oder das Versagen administrativer lokaler Strukturen, die eine Umsetzungskontrolle der entsprechenden gesetzlichen Regelungen sicherstellen könnten.
Es besteht heute ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass wegen dieses Kontrollvakuums global agierende Handelsunternehmen eine Mitverantwortung für die Durchsetzung dieser Arbeits- und Sozialstandards haben, jedenfalls solange die administrative lokale Kontrolle ausfällt oder ungenügend ist.

Zu dieser Verantwortung, die sich Handelsunternehmen, Regierungsorganisationen, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften teilen, bekennt sich auch unser Unternehmen. Wer die Vorteile der globalisierten und arbeitsteiligen Welt nutzt, trägt auch Verantwortung dafür, die Globalisierung sozialverträglich zu gestalten. Dann kann Handel auch Wandel schaffen. Das trifft im übrigen auch auf das Thema Umwelt zu.
Um dieser Verantwortung im eigenen Haus gerecht zu werden, haben wir den Bereich Corporate Social Affairs geschaffen, der alle sozialen Maßnahmen unseres Hauses koordiniert und vorantreibt:

Bereits vor einigen Jahren haben wir einen Verhaltenskodex (Social Code of Conduct - SCoC) entwickelt, der für uns und unsere Geschäftspartner verbindlich gilt. Auf Anregung und mit fachlicher Unterstützung auch kritischer Anspruchssteller aus der Zivilgesellschaft haben wir den SCoC nochmals überarbeitet. Alle Kernarbeitsnormen der International Labour Organisation (ILO) wie sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen, Zahlung fairer Löhne, Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften, Verbot der Kinder- und Zwangsarbeit, Verbot der Diskriminierung sowie Gewerkschafts- und Tarifverhandlungsfreiheit sind erfasst.

Den SCoC finden Sie auf unserer Homepage (Tchibo.com).

Nun sind wir uns allerdings darüber im Klaren, dass die Formulierung eines guten SCoC allein nicht ausreicht, sondern auch geeignete Instrumente für dessen Durchsetzung zu entwickeln und zu implementieren sind.

Diesbezüglich haben wir entschieden, mit einem internationalen Auditierungsunternehmen zusammenzuarbeiten, das bei der in New York ansässigen Nichtregierungsorganisation „Social Accountability International (SAI)“ akkreditiert ist.
Diese Akkreditierung soll sicherstellen, dass die Audits (Überprüfung der Produktionsstätten auf Einhaltung des SCoC) nach verbindlichen und nachprüfbaren Qualitätsrichtlinien durchgeführt werden, wozu auch die Neutralität und Unabhängigkeit der Auditoren in Bezug auf unser Unternehmen und die Produktionsstätten gehört.

Derzeit stellen wir auch dieses Verfahren erneut auf den Prüfstand. Ziel eines weiter verbesserten Verfahrens muss es sein, lokale Anspruchssteller aus der Zivilgesellschaft und den Gewerkschaften an diesem Verfahren deutlich stärker zu beteiligen, als sie die Akkreditierungsvorschriften für Auditierungsgesellschaften und deren Auditoren vorsehen. Hierdurch lässt sich dreierlei erreichen: Know how Transfer von diesen lokalen Anspruchsstellern auf unser Unternehmen und die Lieferanten, Unabhängigkeit des Auditverfahrens (und nicht nur einzelner Auditoren) sowie deutlich verbesserte Transparenz und damit Glaubwürdigkeit unserer Aktivitäten in der interessierten und kritischen Öffentlichkeit. Sog. Multistakeholder-Organisationen wie Social Accountability International, die der Clean Clothes Campaign nahestehende Fair Wear Foundation, die Fair Labour Association, Ethical Trading Initiative, das Workers Rights Consortium und andere haben international agierenden Handelsunternehmen hierfür Angebote gemacht, die wir derzeit prüfen.

Trotz dieser insgesamt positiven Entwicklungen kann heute kein internationales Handelsunternehmen eine Garantie dafür abgeben, dass die Arbeits- und Sozialstandards bei seinen Lieferanten zu 100 % eingehalten werden und immer wieder kommt es zu Berichten über die Verletzung von Arbeits- und Sozialstandards bei Lieferanten, auch von Tchibo.
Diese nehmen wir ernst und sind uns Ansporn, unsere Anstrengungen zu verstärken und unsere bisherigen Maßnahmen zu korrigieren, wann immer es notwendig ist. Auch diesbezüglich stehen wir in einem konstruktiven Dialog mit allen relevanten gesellschaftlichen Anspruchsstellern.

Sehr geehrte Frau X..., wir hoffen, Ihnen genügend Hintergrundinformationen gegeben zu haben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Tchibo Kundenkommunikation

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