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Geschrieben von Ralph am 11.10.2004, 21:59 Uhrzurück

Hmmm...

Hi Antje,

ich schwanke ebenfalls noch, ringe mich aber so langsam für einen Eintritt der Türkei in die EU durch.
Allerdings paßt die "Rustikal-Politik" der CDU überhaupt nicht so recht ins Bild. Allerdings: An einer Volksabstimmung kann ich eigentlich nichts undemokratisches finden, auch wenn mir das Thema nicht so recht schmeckt.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Argumente treiben mich folgende Gründe um:

Gegen einen EU-Beitritt der Türkei spricht, daß die Kultur sich wirklich sehr von derjenigen unterscheidet, die wir als "europäisch" bezeichnen. Also christlich-abendländische, demokratisch-freiheitliche Ausprägung, Gleichberechtigung der Frau, absolute Trennung von Staat und Kirche (funktioniert aber auch bei uns nicht immer, siehe in katholischen Gegenden die berühmt-berüchtigten "Hirtenbriefe"). Ferner ist die Wirtschaft der Türkei großflächig äußerst "renovierungsbedürftig", und wenn die Türken in Europa Freizügigkeit genießen (werden), kommen noch mehr Integrationsprobleme insbesondere auf West-Europa zu. Folterungen, zum Teil steinzeitähnliche Ansichten, je östlicher man in die Türkei kommt, Korruption... es grault einen nur.

Für einen Beitritt sprechen m.E. aber auch schwergewichtige Argumente, die z.T. auch recht eigennützig sind... aber egal:
Im Interesse einer langfristig angelegten Stabilisierung der islamischen Welt ist es dringend erforderlich, den Beweis dafür anzutreten, daß sehr wohl Islam und moderner, demokratischer Staat zusammen verwirklicht werden können. Die Türkei hat sich gerade in der Trennung von Religion und Kirche am weitesten in der islamischen Welt entwickelt. Folter, Todesstrafe und Gleichberechtigung der Frau sind Angelegenheiten, die zu lösen möglich sind. Und Ankara hat darin auch ein langfristiges Interesse.
Die Türkei hat sich IMMER in Richtung Europa gewandt, ob im Guten, wie im Bösen (Türkenkriege). Und wenn die Türkei außen vor bleibt und keine Unterstützung von Europa kommt, dann wird die Türkei irgendwann absacken, und Europa hat die islamischen Probleme dann wirklich buchstäblich vor der Haustür. In diesem Zusammenhang bitte ich auf die Vorbildfunktion der Türkei z.B. auf Länder wie Algerien, Lybien (Ghaddafi lebt auch nicht ewig!!) und den Nahen Osten zu achten.

Außerdem geht es jetzt ja nur um die BeitrittsVERHANDLUNGEN. Europa wird sich unterdessen auch weiterentwickeln (hoffentlich), und auch das müßte die Türkei ja "einholen".

Ich habe irgendwie das Gefühl, daß wir mit der Türkei in der EU sehr viel besser fahren würden als ohne sie. Andererseits habe auch ich dabei ein merkwürdiges Gefühl in der Magengrube... ich kann Dich deshalb gut verstehen. :-)

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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