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Geschrieben von Ralph am 11.07.2004, 17:08 Uhrzurück

Hi Penny, (sehr lang)

... ich sehe aber nicht ein, daß die Dividendenrenditen in immer schwindelerregendere Sphären getrieben werden auf Kosten der Mitarbeiter. Das alles steht z.T. in keinem Verhältnis mehr.
Und ich möchte gar nicht wissen, wieviel von den Aktiengewinnen steuermindernd irgendwo anders steuermildernd eingesetzt werden. Das wissen wir ja nun auch alle, daß es hier nicht um die Oma geht, die als Kleinaktionärin ihre paar Dividendenkröten erhält, sondern um Aktienjongluere der Hochfinanz, die auch jedes noch so kleine Steuerschlupfloch ausnutzen, von denen Otto-Normalverbraucher keine Ahnung hat.
Bei allem verständnis für Deine Argumentation, aber komme bitte nicht mit dem Argument der Kapitalertragssteuern usw., das funktioniert leider nicht so reibungslos. :-((

Und 12 Feiertage? Wo sind die denn, ich lebe im Norden und habe keine 12 Feiertage im Jahr. Lassen wir doch erst mal die Katholiken 2-3 Feiertage abgeben und Sachsen endlich auch - als letztes Bundesland - den Buß- und bettag (wieso haben die den eigentlich noch???), und dann können wir über weitere Einschnitte reden.

Ich habe nichts gegen Mehrarbeit, auch bei mir nicht, wenn ich die Gewißheit habe, daß dann auch mehr Arbeitsplätze entstehen bzw. mehr Leute in Brot und Arbeit gebracht werden.

Aber z.B. die Erweiterung der Ladenschlußzeiten: Sorry, aber deswegen habe ich keinen müden Cent mehr in der Tasche, den ich ausgeben könnte. Aber der Bequemlichkeit breiter Bevölkerungsschichten wird dadurch Vorschub geleistet (ich kann jetzt auch samstags 19.30 Uhr meine Jeans kaufen... klasse, und wo war ich jahrzehntelang vorher um diese Zeit?? bei Freunden auf 'ner Fete etc.). Die Verkäufer haben jetzt noch bescheuertere Arbeitszeiten, für die ist praktisch kein Sozialleben mehr möglich (gibt es zuhauf Expertisen zu...), der Umsatz aber wird sich nicht erhöhen, wie auch? Oder auf Pump? Auch das geht langfristig ja nicht auf, da werden nur Anleihen auf die Umsätze der Zukunft gemacht, nichts weiter.
Die Erweiterung der Ladenschlußzeiten ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie man durch eigensinnige, allein auf Arbeitgeberinteressen beruhende Lobbyistenarbeit ein grottenschlechtes Gesetz durchprügelt, das wirtschaftspolitisch, fiskalisch aber auch sozialpolitisch keinerlei Gewinn bringt. Für mich haben dadurch langfristig alle nur verloren, und die Gesellschaft ist dadurch nur ärmer geworden! :-(

Es bringt auch nichts, immer wieder Selbständige und nicht Selbstständige gegeneinander auszuspielen. Ich habe es in einem oberen Posting bereits erwähnt, daß ich ja eher bei Kleinbetrieben noch an die guten Ansätze der Chefs glaube. Wenn der einzelne Arbeitnehmer sich mit dem betrieb noch identifiziert. Aber je mehr man dem "Hire&Fire"-Prinzip huldigt, desto weniger kann man sich auf dieses eigentlich ja wertvolle "Zugehörigkeitsgefühl" berufen. Diese Medaille hat eben auch zwei Seiten.
Bei den Konzernen und AG habe ich seit langem das Gefühl, daß dort beim arbeitnehmern die eierlegende Wollmilchsau gefordert wird, die bitte extrem mobil ist (also bitte keine Sozialbindung, um gotteswillen keine Familie, die ist absolut hinderlich!!), die Robustheit eines 20jährigen, bitte auch als 50jähriger, so man den denn behält (also nie krank werden), als 25jähriger bitte eine 30jährige Berufserfahrung mitbringen, als 17jähriger Schüler im Praktikum bitte Softwareerfahrungen mitbringen bei programmen, die 5stellige €-Summen kosten... die Liste der "modernen" Forderungsliste, ob offen oder verdeckt, ließe sich noch fortsetzen.

Und noch ein Beispiel fällt mir ein: Die Frührente war eigentlich mal dafür gedacht gewesen, daß Arbeitnehmer, die sich überlegen, früher als üblich in rente zu gehen, einen rentenansprcuh haben und dann aber Platz für einen jüngeren Kollegen machen.
Was ist daraus gemacht worden? Die Arbeitgeber haben im großen Stil die alten arbeitnehzmer auf Staataskosten "entsorgt", anschließend rationalisiert und die freiwerdenden Stellen massenweise nicht neu besetzt. Für mich ein weiteres Beispiel, wie ein guter Ansatz durch schamloses Ausnutzen zum Wohle der Aktionäre und des Profits letztlich in einem Disaster enden mußte. Gesellschaftliche Verantwortung der betroffenen Arbeitgeber? Null! Aber von den Arbeitnehmern wird es gefordert, pausenlos, zum Wohle der Wirtschaft.
Wen wundert es, wenn's Hänschen inzwischen graust, wenn eine neue "Reformrunde", neue "Einschnitte", "Harz694,695,1023" angekündigt werden?

Das alles hat mit einer vernünftigen Gesellschaftsorganisation nichts mehr zu tun.
Ich sehe schon ein, daß tiefgreifende Reformen vonnöten sind, aber diesmal sollte darauf geachtet werden, daß auch beide Seiten ihre Pflichten einhalten und das Ganze auf alle Schultern verteilt wird.

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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