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Geschrieben von KH am 13.11.2005, 19:43 Uhrzurück

Re: Helft mir mal...

Unter jeden Busch hat die Polizei schon geschaut, doch auch einen Tag nach seinem ominösen Verschwinden gibt es keine Spur vom zweijährigen Tim aus Elmshorn. Die Fahnder sind ratlos. Sie schließen ein Verbrechen nicht aus.

Elmshorn - Den Einwohnern Elmshorns bietet sich am Nachmittag ein gespenstisches Bild. Scharen von Polizisten durchkämmen die Innenstadt, schauen in Mülltonnen, unter Büsche und hinter Bäume. Auf dem Flüsschen Krückau, das sich mitten durch die Stadt schlängelt, patrouilliert ein Schlauchboot der Feuerwehr, feiner Nieselregen bildet Kreise auf der dunklen Wasseroberfläche. Rettungstaucher der Feuerwehr suchen auf dem Grund des schlickigen Hafenbeckens nach dem Jungen.



DPA
Taucher auf der Suche nach Tim: Keine Hinweise
Am grauen Himmel über der Stadt im Norden Hamburgs kreist ein Hubschrauber und sucht mit einer Wärmebildkamera die Umgebung ab. Im Park vor dem Rathaus und an den Bahngleisen, die die Stadt durchschneiden, schnüffeln Suchhunde im Gebüsch. Rund 80 Beamte aus Eutin, Pinneberg und Elmshorn haben nur ein Ziel: den zweieinhalbjährigen Tim zu finden, der seit gestern Abend spurlos aus der Wohnung seiner Mutter in der Kirchenstraße verschwunden ist.

Monya H., die Mutter des Jungen, sagte der Polizei, sie habe den schlafenden Tim gegen 19 Uhr ins Bett gebracht. Weil sie ihn nicht wecken wollte, habe sie ihm keinen Schlafanzug angezogen, sondern ihn mit der Kleidung in sein Kinderbett gelegt, die er tagsüber getragen hatte. Anschließend sei sie auf dem Sofa im Wohnzimmer eingenickt. Als sie um 22 Uhr aufgewacht sei, habe sie nach ihrem Sohn sehen wollen, Tim sei allerdings nicht mehr in seinem Zimmer gewesen.

Sie habe zunächst selbst in der Nachbarschaft nach dem Jungen gesucht, dann jedoch gegen 23 Uhr die Polizei gerufen. Ihre Eltern, die in einem Haus auf der anderen Straßenseite wohnen, hatten Tim ebenfalls nicht gesehen. Auch der Ex-Mann der 21-Jährigen, Thomas H., sagte, er habe keine Ahnung, wo Tim geblieben sein könnte. Der 26-Jährige wohnt ebenfalls in der Kirchenstraße, nur einen Steinwurf von der Wohnung seiner Ex-Frau entfernt. Noch in der Nacht hat die Polizei Thomas H. vernommen und seine Wohnung durchsucht, Streifenwagen fuhren die Umgebung ab - ohne Erfolg.

Tims Verschwinden bleibt mysteriös. Ist es denkbar, dass ein Zweieinhalbjähriger am späten Abend schlaftrunken allein auf die Straße geht, bei Nieselregen, Kälte und Dunkelheit? Ist es möglich, dass er zu seinen Großeltern wollte, oder zu seinem Vater, und dort nie ankam? Könnte ein Unbekannter den Jungen aus der Wohnung entführt haben? Oder hat Tims Verschwinden doch einen familiären Hintergrund, wofür es derzeit laut Polizei keinerlei Anzeichen gibt?

Die schmale Kirchenstraße grenzt an die Elmshorner Innenstadt, das Rathaus und eine Fußgängerzone liegen nur wenige hundert Meter entfernt. Weiß verputzte oder geklinkerte Zweifamilienhäuser dominieren das Viertel, es ist keine noble Gegend, aber auch keiner der sogenannten sozialen Brennpunkte. Vor dem Zaun des Hauses der Großeltern des kleinen Tim steht ein Kamerateam und filmt die Gartenzwerge, die auf dem gepflegten Rasen stehen. Dutzende bunte Keramikfiguren bilden dort einen Kreis - eine perfekte kleinbürgerliche Idylle.

Familie H. öffnet die Tür nicht mehr, zu viele Journalisten haben heute schon vor dem Haus gestanden, um Fragen nach dem verschwundenen Enkel zu stellen. Der Zustand der Wohnung, in der Tim lebt, sei "den Umständen entsprechend normal" gewesen, so Polizeisprecher Rainer Holm. Es ist keine teure Wohnung, überhaupt ist hier nichts außergewöhnlich. Die Kirchenstraße ist eine Straße, wie es sie tausendfach in deutschen Kleinstädten gibt.

"Tim spielt häufig mit anderen Kindern auf dem Parkplatz im Hinterhof", sagt Sözen B., eine Nachbarin. Manchmal höre man das Kind durch ein Fenster der Wohnung im ersten Stock des roten Klinkerhauses rufen oder lachen, aber das sei doch normal. Monya H. und ihr Sohn seien niemals negativ aufgefallen. Anhaltspunkte auf eine Gewalttat oder gravierende familiäre Probleme gebe es bisher nicht, so der Polizeisprecher. Monya H. sei beim Jugendamt unbekannt, es gebe "definitiv keine Verwahrlosung".

Nachdem Monya H. sich von ihrem Mann getrennt hatte, soll es zum Streit über das Besuchsrecht gekommen sein, berichten Nachbarn. "Aber das Verhältnis hat sich wieder entspannt", sagte Sprecher Holm. "Er konnte seinen Sohn jeden Sonntag sehen."

Am frühen Abend, bei Einbruch der Dunkelheit, bricht die Polizei die Suche nach Tim ab. "Bisher haben wir keine Anhaltspunkte", sagt Holm, "wir ermitteln in alle Richtungen", auch ein Verbrechen sei denkbar. Tim trug bei seinem Verschwinden eine blaue Jeans, rot-weiße Turnschuhe und einen graumelierten Pullover mit rotem Bruststreifen und kleinen Teddybären. Am Abend sollen Anwohner in der Nähe der Wohnung befragt werden, morgen Vormittag will die Polizei über das weitere Vorgehen beraten.

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