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Geschrieben von marit am 22.09.2004, 12:23 Uhrzurück

Re: Hartz4 Horror

Hi Brad,
auf meinen Beitrag unten, den ich ja direkt an dich gerichtet habe, hast du gar nicht reagiert. Ich bin nun aber doch neugierig geworden auf dein Gesellschaftsmodell - und finde nicht, daß du schon klar dargelegt hast, was du WIE ändern würdest-. Mit "Abschaffung von Manager-Abfindungen" und einigen anderen Kleinigkeiten ist ja keine neue Staatsordnung gemacht. Es wäre gut, wenn du dein Modell in angemessener Form vorstellen könntest, so daß man auch mal auf die einzelnen Punkte reagieren und das diskutieren kann. Ich traue mir nicht zu, eine ganz neue Gesellschaft zu entwerfen, habe aber -auch in diesem Forum- aber schon oft Umorganisationsvorschläge im Einzlnen gemacht (was ich auch an einzelne Parteien weitergeleitet habe).

Ich glaube nicht mehr daran, daß es "System" hat, das vieles in unserem Staat leider immer noch ungerecht geregelt ist, sondern viel eher daran, daß man immer, wenn man etwas beschließt nicht alle Auswirkungen und Rückkopplungseffekte berücksichtigen kann. Oft ist es auch so, daß man sich in politischem Engagement total aufreibt und an irgendeinem Punkt dann Ermüdungserscheinungen auftreten (als ehemalige Schulsprecherin, Asta-Sprecherin, und amnesty-International-Mitglied habe ich dahingehend einige leidvolle Erfahrungen gemacht). Und ehrlich gesagt kommt in der Regel am wenigsten Druck direkt "von oben", die meiste Energie geht im Entscheidungsprozeß selbst verloren. Es ist einfach unglaublich anstrengend, sich demokratisch zu verhalten. Daß man nun "von oben" kleingehalten oder unmündig gemacht wird, habe ich so nicht erfahren, eher gibt es solche Selbstblockademeschanismen: Man hat eine Gruppe ein Konzept ausarbeiten lassen, das wird dann im Großen Kreis diskutiert und soll abgestimmt werden - und am letzten Tag vor der Abstimmung kommt dann nochmal eine andere Gruppe hinzu, die von den ganzen Schwierigkeiten und Probleme keine Ahnung hat und das ganze kippt, weil ihr irgendein kleiner Unterpunkt nicht paßt. So sieht gelebte Demokratie aus. Da ist nicht nur "Heile Welt und wir stehen alle Füreinander ein"-Idealismus wirksam, sondern auch viel Kränkung, Zähneknirschen und manchmal auch der Wunsch, eine Entscheidung schnell dann über die Bühne zu bringen, wenn X oder Y mal nicht anwesend sind. Das täglich auszuhalten erfordert eine gewisse Reife und Frustrationstoleranz - über die im Übrigen auch nicht jeder verügt.
Dahinter ein grundsätzlich misanthropisches böses "System" zu wittern, finde ich ehrlich gesagt ein wenig paranoid.

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