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Geschrieben von Astilbe am 11.03.2005, 2:45 Uhrzurück

Hallo Marit,

was du sagst ist zwar richtig, trifft aber nicht ganz das, was ich meinte. Es geht mir nicht darum, wer den Erziehungsurlaub nimmt, sondern um die gesellschaftliche Wertschätzung der Frauen allgemein. Einzelne Frauen können natürlich sehr erfolgreich sein, hoch bezahlte Führungspositionen bekleiden, Bundeskanzlerin werden (?).
Dennoch steht "die Frau" als solche im gesamtgesellschaftlichen Kontext so da, dass sie zwar über natürliche "Gott gegebene" soziale Kompetenz verfügt, damit selbstverständlich für alle derartigen Bereiche zuständig ist und sich auch "Natur gegeben" mit geringer oder Null Entlohnung zufrieden gibt. Sprich, wenn notwendig vielseitig einsetzbar, aber ansonsten eher ein finanzielles Risiko für Unternehmen, da sie ja z.B. wg. Schwangerschaft oder Krankheit der Kinder ausfallen könnte. Mit der Konsequenz, dass sie gesellschaftlich automatisch abqualifiziert wird. Selbst gut qualifizierte Frauen werden für die gleiche Tätigkeit wie Männer häufig schlechter entlohnt. Das ist eine Tatsache, die sich dadurch erklärt, dass Frauen generell zurückhaltender als Männer sind, wenn es darum geht, die persönlichen Stärken in den Vordergrund zu stellen. Sollten Frauen tatsächlich aus "Berechnung" keine Kinder haben, sind sie karrieregeil und damit gesellschaftlich auch disqualifiziert.
In den letzten 40 Jahren gab es sehr viele Bemühungen, den Frauen mehr Selbstbewusstsein und Präsenz zu verschaffen. Letztendlich konnten aber auch "Emma" und die zahlreichen gesetzlich vorgegebenen Quotenregelungen hier nicht den entscheidenden Durchbruch erzielen. Schlimmer noch: den Begriff der "Quotenfrau" im schlechtesten Sinn kennt wohl inzwischen jeder.
Von den reinen Hausfrauen und Müttern will ich gar nicht erst reden. Mal ehrlich, gibt es tatsächlich irgendwo uneingeschränkte gesellschaftliche Anerkennung dieser wichtigen und wirklich nicht einfachen Tätigkeit? Die Antwort ist ja wohl klar. Reine Hausfrauen müssen ihr Engagement für die Familie nicht nur während ihrer "Kinderjahre" durch Einkommensverlust und mangelnde Anerkennung büßen, sondern auch und besonders noch im Rentenalter.
Wirklich schlimm daran ist, dass ein Großteil der Frauen es gar nicht anders will! Man akzeptiert Arbeitsverträge mit extrem schlechten Konditionen, man zieht sich zurück aufs "Muttersein" und vor allem: man wählt männliche Politiker!! Gerade in der Kommunalpolitik ist es ganz eklatant: weibliche Kandidaten haben grundsätzlich keine Chance (wir wohnen auf dem Land). Der Anteil der weiblichen Politiker auf Landes- oder Bundesebene ist verschwindend gering, die meisten sind über Listen in die Landtage oder den Bundestag gekommen, nicht durch Direktwahl.
Fazit also nochmal: das Gros der Frauen will es gar nicht anders.
Man ist zufrieden mit dem direkten Umfeld, das man sich geschaffen hat, alles andere interessiert nicht. Und die Männerwelt fördert diese Einstellung nach Kräften, da es ja, wie schon vorher gesagt, äußerst bequem ist, morgens zur Arbeit zu gehen und abends den Feierabend entspannt zu genießen, entlastet von allen lästigen Arbeiten im Haushalt.
Das frustriert mich wirklich, völlig unabhängig von meiner Person, da ich mir dieses Frauenbild nie zu eigen gemacht habe. Allerdings haben mindestens 3/4 der Personen meines Umfelds (Kindergarten, Schule, Beruf, Freundeskreis, Stadt, in der ich arbeite, Dorf, in dem ich lebe)dieses "Weltbild" verinnerlicht. Also null Hoffnung auf Besserung!!

Herzliche Grüße
Astilbe

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