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Geschrieben von Moneypenny77 am 10.01.2004, 18:07 Uhrzurück

Gesundheitssystem am Ende: wo soll das Geld denn herkommen?

Bei allem Verständnis für den Frust über die Wirkung sollte man doch nicht die Ursachen für unsere jetzige Situation außer Acht lassen:

1. Wir haben ca. 80 Millionen Beitragsempfänger in Deutschland, davon schätze ich, ohne die genaue Zahl zu kennen, zahlen mindestens 30 Millionen keine Beiträge und sind teilweise auch zuzahlungsbefreit: Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Eltern im Erziehungsurlaub, "soziale Härtefälle", Kinder, Schüler, Studenten etc. Alle 80 Millionen nehmen aber komfortable (ja, komfortabel, denn es wird wohl niemand bestreiten, daß jeder einzelne immer noch beste medizinische Versorgung erhält) Leistungen in Anspruch, folglich müssen immer weniger Beitragszahler für immer mehr Beitragsempfänger sorgen...

2. Die Ressource "Arzt" wird von vielen leichtfertig verschwendet. Da wird wegen eines Schnupfens zum Internisten gerannt, der Notarzt wegen einer Alkoholvergiftung gerufen oder (hier im SS-Forum häufig zu lesen) unter dem Vorwand "Bauchschmerzen" zum FA gerannt, weil man "die vier Wochen bis zum nächsten 'Baby-Fernsehen' nicht mehr abwarten" kann, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Jeder Arzt, gerade ein Allgemeinmediziner, wird Euch bestätigen, daß nur jeder zweite Patient einen ernsthaften Grund hat, sein Wartezimmer zu bevölkern.

3. Die wenigsten haben glaube ich auch nur annähernd eine Ahnung davon, wieviel sie ihre KK eigentlich so im Laufe der Zeit kosten. Viele würden sich wundern, daß sie doch mehr empfangen als jemals gezahlt haben.

4. Die Kosten für Behandlungen und Therapien werden immer höher. Forschungserfolge haben auch ihre "Nachteile". Während es früher einfach hieß "Opa wird halt alt und vergesslich" wird Opa heute behandelt, weil man weiß, daß er Alzheimer hat. Es ist zum Glück eine große Errungenschaft unserer Zeit, daß wir uns heute bei Krankheiten wie Krebs, Aids oder was auch immer nicht gleich geschlagen geben müssen, sondern wir Leben retten oder zumindest verlängern können, aber diese Errungenschaft kostet nunmal ihren Preis. Wenn wir in einem Land leben wollen, in dem Menschen, unabhängig von ihrem Alter nicht mangels Geld leiden oder sogar sterben müssen, müssen wir auch bereit sein, den gestiegenen finanziellen Belastungen gerecht zu werden.

5. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte und unserer Bevölkerungsstruktur ist das Gesundheitssystem, bzw. das gesamte Sozialsystem, so nicht mehr aufrecht zu erhalten. Die goldenen Zeiten sind, gerade wegen Punkt 1, vorbei und das muß JEDER mittragen. Ein von Sozialneid getriebenes Gerede, bei dem jeder auf nichts verzichten aber alles möglichst billig haben will und andere, die es angeblich "locker" können, zahlen sollen bringt nichts. Schon allein deshalb, weil die "Lockerzahler" privat versichert sind, die können hier zur Abwechslung mal nicht zur Kasse gebeten werden.

Unabhängig davon ist die aktuelle Gesundheitsreform ein Witz und kontraproduktiv. Hier wurde geflickt, da gefeilt und zum Schluß kam nichts heraus, was uns wirklich vorwärts bringt, ganz im Gegenteil.

1. Sollten die gesetzlichen Sozialversicherungen abgeschafft und stattdessen eine Sozialversicherungspflicht eingeführt werden. Für die Krankenversicherung hieße das konkret: es besteht die Pflicht, sich bei einem Krankenversicherer der eigenen Wahl eine "Grundversorgung" versichern zu lassen. Was jeder einzelne zusätzlich versichern will, bleibt ihm selbst überlassen (Zahn, Sehhilfe, Massagen etc.). Das würde die Beiträge erheblich senken und da es keine "Gesetzlich Versicherten" im alten Sinne mehr gäbe, gäbe es auch keine privat Versicherten mehr, somit säßen alle im gleichen Boot.

2. "Beitragsfreiheit" im Erziehungsurlaub wird ab dem 2. Lebensjahr des Kindes abgeschafft. Für den nicht arbeitenden Elternteil sind z.B. 100 € im Monat zu zahlen. Kinder kosten ab der Geburt 50 € im Monat (man bedenke, daß wir ja unter 1 schon was eingespart haben). Ab einem Haushaltseinkommen von 50 T€ netto im Jahr gibt es gar keine Beitragsfreiheit mehr.

3. Vor dem Besuch beim Facharzt muß wieder der Hausarzt aufgesucht werden, der je nach Erfordernis überweist.

4. "Risikopatienten" zahlen Zuschläge. Raucher sind da natürlich die klassischen Kandidaten, wie auch Extremsportler. Aber auch Nicht-Sportler, denen der Arzt dringend Bewegung verordnet. Wer die Ratschläge seines Arztes konsequent nicht befolgt, muß draufzahlen.

5. Wer keine ärztlichen Leistungen in Anspruch nimmt erhält Beitragsrückerstattungen.

6. Wer unnötig einen Arzt aufsucht, muß eine Praxisgebühr (die ansonsten natürlich abgeschafft wird) von 20 € zahlen und zwar bei JEDEM unnötigen Arztbesuch.

7. Medikamente, die zur Behandlung einer chronischen Krankheit dienen, sind beitragsfrei. Zu allen anderen Medikamenten, die der Arzt verschreibt, sind jeweils 20 % zuzuzahlen. Die Zuzahlungen einer Familie dürfen 0,5 % des Jahresnettoeinkommens der Familie nicht übersteigen.

"Gesundheit" ist unser höchstes Gut, für das jeder bereit sein sollte, seinen Teil beizutragen.
Sicher müßte ich auf einige der o.g. genannten Punkte detaillierter eingehen und sicher wird sich der ein oder andere mächtig benachteiligt fühlen, aber das läßt sich nie vermeiden. Ich denke, wir werden keine Lösung finden, bei der nicht alle "bluten" müssen...

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