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Geschrieben von Linda in USA am 11.04.2003, 20:33 Uhrzurück

@Germi

Hallo Germi,

sorry, Dein Beitrag ist schon wieder recht nach unten gerutscht, deshalb moechte ich hier oben noch was dazu schreiben.

Du schriebst:
Ob Nordkorea wirklich Atomwaffen hat oder auch nicht, das weiß im Moment niemand so genau (jedenfalls nicht außerhalb Koreas). Es ist aber zu vermuten, dass sie im Moment erst versuchen, waffenfähiges Material zu bekommen, ansonsten macht das Abbauen der Überwachungskameras in den Atomanlagen keinen Sinn.
Nordkorea kann mit seinen Raketen Japan erreichen, aber wohl kaum die Westküste der USA.
Im Spiegel Online steht dazu:
"Wie Jacoby (Direktor des militärischen Geheimdienstes CIA) sagte, gibt es Informationen über eine nicht getestete ballistische Rakete, die amerikanischen Boden erreichen könnte."
Eine nicht getestete Rakete, über die es Informationen gibt und die etwas tun könnte. Mir sind da zu viele wenn's und aber drin. Und ich gehe davon aus, dass eine ungetestete Rakete a) den Nordkoreanern um die Ohren fliegt oder b) irgendwo unterwegs abnippelt und noch ein paar Fische im Pazifik erschreckt.

Meine Antwort:
Angeblich gibt es schon Beweise, dass Nordkorea bereits Atomwaffen und "taugliche" Raketen hat, die u.U. die Westkueste der USA treffen koennten. Gut, ich will mich da nicht weiter festlegen, hoffentlich stimmt es nicht


Du schriebst:
Zu den Biowaffen
Mit Pest kann man aber keine Pocken bekämpfen. Wenn also irgendein Land z.B. modifizierte Pockenviren als Biowaffe einsetzt, dann setzen die USA z.B. modifizierte Ebola-Erreger frei und dann hat die Menschheit nicht mehr Probleme mit einem Krankheitserreger, gegen den es keinen sicheren Impfstoff gibt, sondern gleich zwei. Wie sinnvoll und abschreckend. Das erschreckt doch nur die, die sowieso niemals vorhaben, solche "WAFFEN" einzusetzen.
Zu Deiner Bemerkung: * bitte nicht mit Agent Orange anfangen - dass wurde auch im Koreakrieg mit Einverstaendnis der UNO eingesetzt und ist zudem auch "nur" ein Entlaubungsmittel, dessen Nebenwirkungen damals noch nicht bekannt waren *
Agent Orange wurde im Koreakrieg NICHT eingesetzt, das war Vietnam, und es ist nicht NUR ein Entlaubungsmittel, es enthielt Diocxin und ist hochgiftig.
In Vietnam hat die UNO keinesfalls dem Einsatz von Agent Orange zugestimmt, diesem Krieg hatte die UNO gar nicht zugestimmt.
Ich werde aber nie verstehen, wie man ein Entlaubungsmittel großflächig einsetzen kann, denn ein Mittel, das ganze Regenwälder entlaubt, kann wohl kaum harmlos sein. Ich kann einfach diese verantwortungslose Denkweise nicht verstehen.

Ich gehe mal davon aus, dass weder Deutschland noch Neuseeland Biowaffen haben, und - bis jetzt hat noch niemand Biowaffen gegen Deutschland oder Neuseeland eingesetzt. Warum, obwohl sie über keine Abschreckung durch Biowaffen verfügen????

Meine Antwort:
Ja, ich weiss, Agent Orange wurde weitflaechig in Vietnam eingesetzt, aber auch schon im Koreakonflikt, nur in kleineren Mengen. Was ich damit sagen wollte ist, es wird den Amis immer vorgeworfen, es in Vietnam eingesetzt zu haben, aber es war damals eben noch "legal" - und nein, ich finde es nicht gut.
Ich glaube Neuseeland oder Deutschland wuerden kaum von jemanden angegriffen werden, weil z.B. in Deutschland die USA eingreifen wuerden - die USA ist nun mal die Schutzmacht fuer Westeuropa. Deutschland hat doch ueberhaupt nicht die Moeglichkeit, sich wirklich selbst zu verteidigen. Neuseeland ist vielleicht politisch gesehen auch zu "unwichtig" um von jemanden bedroht zu werden. Die Tatsache ist, dass die USA nunmal "the biggest kid on the block" sind, und dementsprechend auch die Verantwortung haben, soweit es geht zumindest fuer ein Mindestmass an Ordnung zu sorgen. Stellen wir uns mal vor, es gaebe die USA nicht. Irgendein Land wird immer irgendwie eine Vormachtsstellung haben - das war schon immer so. Stell Dir mal vor, es waere China oder RUssland. Was waere da wohl los auf der Welt. Ich will nicht sagen, dass die USA alles super perfekt machen, aber im Vergleich zu anderen Grossmaechten der Geschichte, z.B. Rom, England, etc., haben sie trotzdem im Grossen und Ganzen eine gute "track record" (wie sagt man dazu auf deutsch?). Und deshalb muss man auf fuer alle Eventualitaeten gewappnet sein, leider auch Biowaffen.

Du schriebst:
Zum Umweltschutz
Es wäre gut, wenn Du Dir das Kyoto-Protokoll mal durchlesen würdest.
http://www.bmu.de/download/dateien/protodt.pdf
Es geht um die Verringerung der Emissionen und es sind leider viele Länder nicht beteiligt, aber wenn sich alle hinstellen und sagen: "Sollen doch die anderen anfangen", dann geht nie etwas voran. Im übrigen war die Quantifizierte Emissionsbegrenzungs- oder –reduktionsverpflichtung der USA geringer, als die von Neuseeland und Neuseeland tut verdammt viel für seine Umwelt. Jedenfalls ist dort die Luft um einiges sauberer, als z.B. in Deutschland.
Ich bin mir sicher, dass die USA nicht an ein wenig mehr Umweltschutz zu Grunde ginge. Stell Dir doch mal vor, die USA würden Solarzellen entwickeln, die preiswert und hocheffektiv sind. Das wäre der Exportschlager schlechthin.
Schau Dir doch mal den Film Erin Brockovich an, er beruht auf einer wahren Begebenheit und sollte auch Dir zeigen, dass in den USA durchaus starke Umweltprobleme bestehen.

Ich habe nie geschrieben, dass die USA die Hauptschuld an der Umweltverschmutzung tragen. Und wieso bedeutet Umweltschutz eine Einschränkung der Industrie? Noch mal, ein ganz neuer Industriezweig könnte entstehen. Natürlich sollen gefälligst auch andere Länder ihre Dreckschleudern mit effektiven Filteranlagen versehen. ALLE sollten mehr tun.
Übrigens, auch Holzhäuser kann man sehr gut isolieren, dazu muss man kein Steinhaus bauen.

Meine Antwort:
Soweit ich weiss, hat Neuseeland nicht gerade sehr viel Industrie - kann mich auch taeuschen. Da ist es natuerlich viel einfacher, alles schoen zu kontrollieren und sauber zu halten. Erin Brokovitch war toll, und ich behaupte nicht, dass hier alles koscher ist. Aber wenn es rauskommt, wird entschieden dagegen vorgegangen. Ich bin sehr fuer den Umweltschutz, ich lebe in einem sehr schoenen, gruenen Staat mit sauberer Luft und klaren Wasser und will auch, dass das so bleibt. Aber fuer mich ist Kyoto trotzdem viel zu politisch angehaucht, das kriegen die USA schon selbst auf die Reihe ohne Einmischung aus dem Ausland, das zudem noch laschere Umweltvorschriften hat.

Du schriebst:
Nun noch zu Deinem letzten Absatz:
Ich weiß ja nicht, in welche Schule Du in Deutschland gegangen bist, aber ich bin mit der inneren Sicherheit aufgewachsen, dass es keinen Weltkrieg geben wird, weil den niemand gewinnen kann. Mir hat auch niemand jemals erzählt, dass ALLE Wälder absterben würden, aber ich habe vom Waldsterben gehört und dass man unbedingt was tun muss. Mir hat auch nie jemand irgendeine Story erzählt, dass man in 20 Jahren nur noch mit Schutzanzug nach draußen gehen kann.
Ich bin echt schockiert, dass Du scheinbar in einer Schule warst, die mit Weltuntergangsstimmung den Kindern die Kindheit versaut hat. Dann kann ich verstehen, dass Du so schlecht auf Deutschland zu sprechen bist, wenn Du als Kind so oft aeusserst deprimiert nach Hause gegangen bist.
Tut mir leid, aber ich kann diese Story nicht glauben. Hört sich doch ein wenig sehr nach Übertreibung an.

Klar stehen die meisten Wälder noch, aber es gibt Schäden an vielen Bäumen und im Erzgebirge gibt es leider auch kahle Hänge, weil ganze Wälder gestorben sind. Ich sehe nicht immer nur schwarz, aber ich sehe meine Nichten und Neffen und bin froh, dass sie in einer Umgebung aufwachsen, die noch einigermaßen intakt ist. Aber die Umwelt ist leider nur einigermaßen o.k. Es könnte besser sein.
Weißt Du Linda, ich sehe oft, wie Leute Papier einfach auf die Straße schmeißen und ich verstehe es nicht. Es gibt genügend Abfallbehälter. Aber nur, weil alle ihren Dreck irgendwo ausklinken, muss ich das nicht auch tun.

Die Toten im Irak wurden noch nicht gezählt und für mich zählen da auch die irakischen Soldaten, die Zivilisten und auch die Fehl- und Totgeburten als Folge der Uranmunition.

Naja, lassen wir das einfach. Ich vertraue irgendwie keiner Regierung, Du dafür der US-amerikanischen 100 %. Du bist gegenüber den USA sehr unkritisch.
Ich dachte, dass Du vielleicht in irgendeinem Punkt auch nur den kleinsten Zweifel haben könntest. Aber Du findest einfach alles kritiklos gut in den USA.
Tut mir leid, aber jede Regierung macht Fehler und jedes Land hat Fehler. Schade, dass Du das nicht zugeben kannst.

Meine Antwort:
Germi, das war leider wirklich so in meiner Schule. Ich war oft extrem depressiv und musste sogar mal zum Arzt deswegen. Ich dachte oft, warum bin ich eigentlich am Leben, wenn ich eh mal im Atomkrieg draufgehe, und wenn das nicht eintrifft, wachse ich in einer Welt auf, wo es keine Baeume gibt, etc. Vielleicht bin ich da etwas empfindlich, aber es war wirklich so. Viele meiner Lehrer damals waren sehr Anti-Amerikanisch eingestellt. Es wurde oft das Bild vom dummen, haesslichen Ami vermittelt, der das arme Deutschland besetzt um Atomwaffen hier einzulagern, um uns dann letztendlich nur zu verheizen. Ob du es glaubst oder nicht, als ich so zwischen 10 und 14 Jahre alt war hab ich die USA und alle Amis GEHASST - so richtig gehasst! Ich hab waehrend dieser Zeit angefangen, mir selbst Russisch beizubringen, habe oft Radio Moskau angehoert und war auf dem besten Weg, Kommunist zu werden, zum grossen Entsetzen meiner Familie. Mein Opa war ein ziemlich prominenter Regionalpolitiker (naja, so prominent man in einer mittelgrossen Mittelfraenkischen Stadt eben sein kann) und hat mir dann mal so richtig den Kopf gewaschen, mir seine Kriegserfahrungen erzaehlt und die Amerikaner dann wieder ins bessere Licht gerueckt. Dazu kommt noch, dass er aufgrund seiner Position mit sehr vielen US Commanders der hiesigen Kasernen zu tun hatte, z.B. Wesley Clark und Shalikashwilli. Da gab es oft schon mal ein privates Schwaetzchen und der "boese Ami" war dann gar nicht mehr so boese. Mein Opa hatte auch das Vergnuegen, Henry Kissinger persoenlich kennenzulernen (hab sogar ein Bild davon *GG*), als er seine Heimatstadt besuchte. Jedenfalls merkte ich dann langsam aber sicher, dass ich eben nicht alles glauben sollte, was mir andere (z.B. Lehrer) so auftischen, sondern mir SELBST ein Bild machen muss. Als ich dann mit meinem Mann in die USA ging, fand ich waehrend meiner ersten paar Jahre auch einige Sachen, die mir nicht gefiehlen und die ich lautstark kritisierte. Ich fand mein erstes Jahr in den USA bescheuert, ich wollte wieder nach Deutschland, weil ich alles mit Deutschland verglichen habe und mich nicht eingewoehnen wollte. Aber als ich dann wieder Freunde fand, ging es leichter, und jetzt bin ich ein anderer Mensch. Was ich mit diesem Roman sagen will, Germi, ich schlucke nicht so leicht, was man mir vorsetzt. Ich bin ein sehr kritischer, misstrauischer Mensch - da wuerdest du mir zustimmen, wenn du mich persoenlich kennen wuerdest. Ich muss mir meine Meinung selbst bilden, ich nehme nichts mehr so leicht an. Ich mochte z.B. Bush am Anfang ueberhaupt nicht. Ich weiss noch, wie ich geschimpft habe, als er President wurde. Bis September 11 mochte ich ihn ueberhaupt nicht - aber er hat sich durch sein Verhalten danach bei mir bewaehrt. Ich stimme seinen Handlungen bis jetzt 100% zu. Das heisst nicht, dass ich ihn innenpolitisch toll finde, z.B. bohren in Alaska. Oder noch ein Beispiel: ich fand Clinton super, als er im Amt war. Ich fand es auch bescheuert, als so ein Trara um Monica Lewinsky gemacht wurde. Jetzt, im Nachhinein finde ich den Mann zum Kotzen, weil er einige Sachen verbockt hat, die Leuten das Leben gekostet haben.

Sorry, falls das ganze irgendwie wirr und chaotisch ist, aber mein Kleiner unterbricht mich staendig und ich verliere den Faden. Was ich zum Ausdruck bringen wollte ist, dass ich bestimmt nicht alles unkritisch, unueberlegt annehme. Mein Mann und ich sind auch oft nicht der selben Meinung, ich lasse mich nicht leicht beeinflussen. Aber zugegebenermassen weiche ich auch nicht sehr leicht von meiner Meinung ab, wenn ich sie mir mal gebildet habe, deshalb diskutiere ich ja oft so heftig hier im Forum mit.

Alles Gute an Dich und schoenes Wochenende!

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