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Geschrieben von irulan am 24.10.2003, 9:18 Uhrzurück

fußfessel für schulschwänzer - was soll das denn?

Hallo zusammen,

wundere mich welche pädagogische Lektion die Kids damit erfahren sollen. Was würder Ihr machen, wenn Eure Juniors mit so nem Ding rumlaufen müssten. Habe einen amüsanten Beitrag zu dem Thema gelesen:

"Fußfesseln sind geil!

Ein überraschendes Umfrageergebnis
zur Schönbohm-Initiative

Elternvertreter sind ganz aus dem Häuschen, Pädagogen auch. Kriminologen murmeln was von "Etikettierung", Journalistinnen weisen auf das Grundgesetz hin und Bildungspolitiker mögen mit all dem nicht das gerinste zu tun haben. Nur die Kids finden die Angelegenheit ganz spannend: "Fußfesseln sind doch geil."
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hatte in der Bild-"Zeitung" einen ungewöhnlichen Einsatz von Fußfesseln gefordert. Bereits jeder dritte Schulschwänzer begehe Straftaten, sagte der Minister mit Blick auf eine Studie des Deutschen
Jugendinstituts. Die elektronische Fußfessel könne "eine vorbeugende wie abschreckende Möglichkeit sein, um die Gesellschaft vor extrem kriminellen Schulschwänzern zu schützen." Der Innenexperte der CSU im Bundestag, Norbert Geis, hatte den Vorschlag unterstützt.
Und auch Hamburgs Innensenator Dirk Nockemann (Schill-Partei) meinte, Fußfesseln seien "kein ganz abwegiger Gedanke."

Das findet die neue Zielgruppe auch. Ich konnte es erfahren, als ich am Tag nach der Schönbohm'schen Fußfesselforderung vor dem Kieler Knast mit einem Quartett von Schulschwänzern sprach. Gegenüber dem Gefängnis befindet sich ein Supermarkt mit Vordach, dort versammeln sich mit Vorliebe "extrem kriminelle" Biertrinker und Schulschwänzer. Warum gerade da, fragte ich sie vor einiger Zeit. "Um sich schon mal an die Gegend zu gewöhnen", bekam ich zur Antwort.

Arbeitslose Biertrinker (insbesondere diejenigen, die sich in Parks und vor Supermärkten herumtreiben) und Schulschwänzer (besonders solche, die sich dem Sonderschulunterricht entziehen) sind nämlich gerne "extrem kriminell", das hebt. "Einfach kriminell" wäre dürftig, "das sind doch alle". Aber "extrem", das ist schon was. Und mit 'ner Fußfessel, so wurde mir erklärt, "kann ich dann ja beweisen, dass ich ein ganz harter Hund bin, ein extremer Typ." Ausserdem seien die Fesseln erfreulich diebstahlsicher angebracht und könnten einem nicht einfach so abgezogen werden: "So'n Ding woll'n sie dann doch alle. Auch die, die nie was dafür tun."

Stimmt - entwendungssicher sind die Gerätschaften durchaus. Die Fußfessel ist eine Manschette, die am Unterschenkel befestigt wird. Sie enthält einen Sender, der innerhalb eines festgelegten Raumes Signale zu einem Empfänger schickt, der von Sicherheitspersonal kontrolliert wird. Gerade diesen Sender findet die Zielgruppe oberspannend. "Da kann man testen, wie weit die Funke geht. Und hinterher müssen uns die Bullen immer wieder nach Hause fahren."
Jürgen Oetting, 22. Oktober 2003
----------------------------------------LG
Irulan

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