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Geschrieben von Reni+Lena am 13.07.2011, 8:27 Uhrzurück

Friedhof als Freizeitparadies?

Was sagt ihr dazu?
Natürlich geht es nicht, dass jogger durch Trauerzüge laufen oder Jugendliche dort Partys feiern, aber ich denke als Angehöriger hätte ich nichts dagegen, wenn eine Studentin im Gras liegt und ein buch liest oder ein Kindergruppe dort spielt etc.
Würde euch sowas stören? ich finde es eher schön, dass friedhöre nicht ein Prt der Trauer und des Schreckens sind, sondern menschen mit diesem ort auch etwas Schönes und Normales verbinden.
Alles im Rahmen und mit dem nötigen respekt vorausgesetzt.

Hier der Artikel:









Ihr perfekter Picknickplatz liegt zwischen drei Grabsteinen. Im Halbschatten einer großen Eiche auf dem Münchner Nordfriedhof haben die drei jungen Mütter ihre Decke ausgebreitet und die Tupperdosen geöffnet. Ein kleiner Junge klettert auf einen alten Grabstein, hält sich am Kreuz fest und springt mit einem Satz herunter. Ein paar Meter weiter spielt eine Gruppe der nahe gelegenen Kindertagesstätte. Sieben Jungen und Mädchen bemalen einen knorrigen Baum mit bunter Kreide. «Es ist die einzige Möglichkeit für uns, rauszukommen», sagt Erzieherin Denise Raines.

Anna Zwinge liegt auf einer Decke neben einem Sarkophag. Die 21-Jährige studiert Jura an der nahe gelegenen Ludwig-Maximilians-Universität. Der Friedhof liegt bequem zwischen ihrer Wohnung und der Uni: «Ich bin bestimmt zwei- oder dreimal die Woche hier», sagt sie. «Am Anfang war es ein bisschen gruselig, aber daran gewöhnt man sich schnell.»

ANZEIGEDie Münchner Friedhöfe verwandeln sich zum Freizeitparadies - für Jogger, Radler, Sonnenanbeter und spielende Kinder. Und von Zeit zu Zeit wird die letzte Ruhestätte zum Partyplatz: «Wenn das Wetter schön ist, ist hier schwer was los. Ich habe schon Kindergeburtstage mit viel Tamtam und Zirkus gesehen. Nachts gibt es Partys. Dann finde ich hier Bierflaschen, Schnapspullen, Pizzakartons und Einweggrills», sagt Friedhofsgärtner Safet Jugovic. «Da habe ich morgens einige Stunden zu tun, bis alles wieder sauber ist.»

Angehörige fühlen sich gestört

Zwar liegt die letzte Beerdigung bereits 68 Jahre zurück, doch entweiht ist der Nordfriedhof nicht. Manch ein Toter hat noch Angehörige, die sich um seine Ruhestätte kümmern. Viele Gräber werden noch gepflegt. Auf einem liegt eine frische Schleife: «In liebevollem Gedenken» - die Familie. Viele Angehörige fühlen sich von den Friedhofssportlern und Kurzurlaubern zunehmend gestört. Und so führt mancher Gang vom Grab direkt zur Behörde für Gesundheit und Umwelt.

Dort sitzt Joachim Lorenz, der zuständige Stadtrat. Bei ihm häufen sich die Beschwerden, nicht nur über den alten Nordfriedhof. «Auf dem Waldfriedhof finden große Familienpicknicks statt oder die Leute legen sich nackt in die Sonne. Beim Ostfriedhof haben wir das Problem mit den Joggern», sagt er.

Mittwochs ist dieses Problem besonders groß. «Da ist bei uns Urnentag - alle halbe Stunde eine Beerdigung», sagt Rudolf Wimmer. Er verwaltet den Ostfriedhof, eine der größten Begräbnisstätten der Stadt. Statt den Weg des Trauerzuges zu planen, muss Wimmer immer wieder aufgebrachte Angehörige beruhigen. «Dann kommt eine Horde Jogger, lachend, schwitzend, quatschend und läuft mitten durch einen Trauerzug. Das ist extrem verstörend für die Angehörigen», sagt er.

Stadtrat Lorenz glaubt, den Grund für die neue Nutzung zu kennen: «Alles wird inzwischen in Beschlag genommen, der gesamte öffentliche Raum. Dieses Gefühl, ich muss alles überall machen können, das geht einfach nicht.» Beim Nordfriedhof komme hinzu, dass benachbarte Viertel zu den am dichtesten bebauten Gebieten der Stadt gehörten. «Das Zentrum ist unterversorgt mit Parks, deshalb gibt es den Nordfriedhof zur Erholung», sagt er.

Zusammen mit dem Bezirksausschuss startet er jetzt eine Kampagne: Flyer und Infotafeln sollen die Besucher über Verbote aufklären. Er hofft, dass sich das Problem damit lösen lässt. «Wenn das nicht hilft, müssen wir den Friedhof nachts schließen», sagt Lorenz. Doch das wolle er auf jeden Fall vermeiden.

Der Verwalter des Ostfriedhofs glaubt nicht an den Erfolg solch einer Kampagne: «Kein Mensch schaut auf Schilder und Aushänge», prophezeit Verwalter Rudolf Wimmer. Er will deshalb nun die Polizei um Hilfe bitten. Erste Gespräche habe er bereits geführt, sagt er. Eine eigene Friedhofsstreife sei zwar nicht möglich, aber vielleicht ein Aktionstag: «Einmal im Monat Kontrolle zur Abschreckung, das könnte sich bemerkbar machen.» dpa




Lg reni

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