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Geschrieben von marit am 01.11.2003, 10:58 Uhrzurück

*Friedenspfeifel mitpafft*

Hallo Ralph,

meine Kritik bezog sich gar nicht auf dein Statement, daß du von islamischen Gruppen auch Stellungnahmen zu dem IRK-Angriff erwartest, sondern mehr auf solche Nebensätze wie "mit dem Islam habe ich wirklich bald abgeschlossen" (oder so ähnlich). Es ging mir, ähnlich wie Irulan eher darum, etwas uns unverständliches ein wenig transparenter zu machen. Und schließlich ging es mir noch darum, daß ein (einzelner) Moslem, der sich nicht öffentlich äußert (ob nun Angst vor Repressalien, politisches Desinteresse, Verdrängungsprozesse oder einfach die Tatsache, daß er derzeit andere Sorgen hat dabei eine Rolle spielen), genausowenig "böse" ist, wie ein Christ, der sich um solcherlei im alltäglichen Leben nicht schert.

Soweit ich weiß, hat Jesus im Islam den Stellenwert eines Propheten; aber auch mit dem Alten Testament hat der Koran viel gemein (also eben auch mit der Thora, nur ist es da vor allem eine Streitgeschichte). so beruft er sich z.b. auf Ismael, den älteren (unehelichen) Bruder Isaaks, den Abraham mit einer Magd gezeugt und später verstoßen hat; in zweiter Linie auf Esau, den älteren Bruder Jakobs (und Sohn Isaaks), der mit einer List von Jakob um sein väterliches Erbe betrogen worden war (wir kennen die Geschichte ja aus der anderen Perspektive). Den Neuansatz durch das Christentum (Neue Testament) macht der Islam insofern mit, als das für ihneine Prophetengeschichte unter vielen ist, der "wahre" Erlöser aber Mohammed war.

Wenn also in Israel die Juden ihr Besitzrecht auf ihr "von Gott gegebenes Land" einklagen, und das eben mit Abraham und dessen Nachkommen begründen, dann kontert man dort damit, daß von jeher sich die Nachkommen aus der Linie Isaaks und Jakobs (auf die sich die Juden ja berufen)sich das Land durch einen Haufen unrechtmäßiger Akte (grundlose Enderbung, weil Abraham seinen jüngeren sohn bevorzugte; Erbschleicherei auf Seiten Jakobs)angeeignet hätten, und von daher keinerlei "gottgegebene" Besitzrechte bestünden.

Wir wissen ja aus der Psychologie, daß es fast keine heftigere Rivalität gibt, wie die unter Geschwistern; und da die Nähe von Islam und Judentum an solche Geschwisterrivalitätsmythen gebunden sind, bergen sie natürlich auch viel Sprengstoff und Identifikationspotential...

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