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Geschrieben von fiammetta am 10.10.2005, 0:07 Uhrzurück

Es ist immer auch eine Frage des Wollens...

Hi,

ich bin ja Erwachsenenpädagogin und unterrichte u.a. Deutsch. Es gibt hochsubventionierte Integrationskurse (Kosten für die Teilnehmer: 1.-€/90Min.), oft mehrmals wöchentlich. Sie finden vormittags, nachmittags oder abends statt, es ist also für jeden eine Zeit dabei. Interessanterweise halten jedoch viele nicht durch, bis vor kurzen gab es für hoffnungslose Fälle sogar Kleinstgruppenunterricht in der x-ten Wiederholung. Die Deutsch-, PC-kurse, Bewerbungstrainings etc. nach Ankunft in Deutschland sind sogar monatelang komplett kostenfrei - für Rußlandstämmige. Das Argument, Deutsch überhaupt jemals zu lernen, läge in weiter Ferne ist folglich nicht zutreffend. Außerdem - den Betrag kann sich wohl jeder leisten. Nachdem ich ein sehr neugieriger Mensch bin, habe ich meine russischen Kursteilnehmer selbstverständlich gefragt, weshalb sie denn, wenn sie den Ausreiseantrag doch schon Jahre vorher gestellt hatten, sich nicht allmählich mit Deutsch auseinandergesetzt hatten, kann mehr als nur einmal (!) die Hammerantwort: "Wir wußten doch nicht, daß man dort wirklich eine andere Sprache benötigt." ??? Ich habe auch die Texte, in Deutschland seien die Bürgersteige vergoldet, geschluckt - etwas anderes blieb mir nicht übrig als den Kopf zu schütteln. Wer glaubt denn so einen Schmarr`n? Tut mir leid, aber ich habe auch eine zeitlang in Italien gelebt und der Sprachkurs an der Uni dort dauerte gerade einmal einen Monat - für ausländische Stipendiaten wohlgemerkt. Ansonsten: Friß, Vogel, oder stirb`. Ich weiß, was alles keine wirklichen Selbstverständlichkeiten sind, auch für uns als "Eingeborene" nicht. Allerdings halte ich es für die verdammte Pflicht, wenn ich beschließe, in einem anderen System und einer anderen Kultur mein weiteres Leben zu verbringen, daß ich dort auch das - hier sogar - kostenlose (!) Angebot wahrzunehmen, um mich wenigstens bis zu einem gewissen Grad zu integrieren. In meiner Weltsicht ist das auch eine Frage des Anstands. Der Witz ist obendrein, daß Leute aus Westeuropa nur dann einen Anspruch auf die Kostenübernahme an den Integrationskursen haben, die einen mehrjährigen (!) Arbeitsvertrag nachweisen können - so erst kürzlich bei einem meiner Teilnehmer geschehen, der aus England kommt. Man überlege, wie vielen Leuten in den letzten 50 Jahren Deutschkurse finanziert wurden und wie viele davon ohne jede Hilfe durchkommen mußten. Nee, nee, so einfach ist das nicht - aber glücklicherweise gibt es auch ausreichend positive Beispiele zu nennen.

LG,

Fiammetta

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