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Geschrieben von krissie am 05.05.2005, 15:00 Uhrzurück

Re: einkommensabhängiges Elterngeld

Ich verstehe den Gedankengang, der dahinter steckt. Allerdings sehe ich einige Probleme.
- grundsätzlich: warum ist es weniger wert, wenn eine geringverdienende Frau sich tag und Nacht um ihr Kind kümmert als wenn es eine gutverdienende Frau tut? Das macht nur Sinn, wenn ich das Elterngeld nicht als Anerkennung der Kindererziehung sehe sondern eben als so eine Art Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Kindererziehung ist dann im Prinzip weiter unbezahlte Arbeit.
- Es kann durchaus biologisch gesehen (aber auch davon ab) sinnvoll sein, seine Kinder relativ früh zu bekommen, wenn man noch nicht so gut verdient oder noch in der Ausbildung ist. Auch diese Familien verdienen Unterstützung, und klar, hier ist es besonders wichtig, dass Kinder nicht zur Karrierefalle werden. Aber es ist m.E. nicht sinnvoll, jetzt besonders zu unterstützen, dass Frauen erst ewig lange in Ausbildung, Karriereeinstieg etc. Zeit investieren und das Kinderkriegen verschieben.
- was ist mit Freiberuflern, Studentinnen,....? Fallen die weiter durch alle sozialen Netze bzw. treffen es noch schlimmer, wenn es nicht mal mehr ERziehungsgeld in jeder Lebenslage gibt?
- dieses Elterngeld wird m.E. nicht dazu führen, dass wirklich sehr viel mehr Kinder geboren werden. Dieses eine Jahr Verdienstausfall hält Paare vermutlich eher selten vom Kinderkriegen ab. Eher wird es sein: Was ist nach dem Jahr? Ist der Job, die Position damit für immer flöten? Bzw. will ich nach einem jahr wieder in den Job? Wohin dann mit dem Kind? Was, wenn das Kind da nicht "mitspielt"? Wie geht es sonst in Zukunft finanziell weiter?
- Männer werden auch mit diesem Elterngeld nicht häufiger Erziehungsurlaub nehmen als jetzt, denke ich.

Also, ich persönlich würde meine Entscheidung nicht davon abhängig machen, da ich in der finanziellen Überbrückung eines Jahres nicht das Hauptproblem sehe. Ich fände wichtiger: Wirklich qualitativ hochwertiger Ausbau des Betreungsnetzes. Günstigere Betreuung für Kleinkinder. Volle steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuung. Höherer Freibetrag für Kinder (orientiert an den tatsächlichen Kosten!) und damit höheres Kindergeld für geringer Verdienende.
Und eigentlich favorisiere ich ein vom Einkommen unabhängiges Betreuungsgehalt, Erziehungsgeld oder was auch immer.
Ferner: Eine Arbeitswelt, die ARbeitnehmer mit Kindern als Gewinn ansieht und in der verschiedenste Teilzeitmodelle möglich sind, bei Männern und Frauen.

In der Zeit war ja jetzt ein Artikel über die Kinderlosigkeit in Deutschland und ihre Ursachen. Da wurde darauf hingewiesen, dass es drei "Typen" von Frauen (und zwei von Männern) gibt: Frauen, die sich wünschen, Mütter und Hausfrauen zu sein, Frauen, die in erster Linie an der Weiterverfolgung des Berufs interessiert sind und Frauen, die sowohl Zeit für Familie als auch für Beruf haben wollen. (die meisten!). Da braucht es vielfältige Ansätze in der Familienpolitik und ich weiß nicht, ob so ein Elterngeld da entscheidend ist.

LG Kristina

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