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Geschrieben von Schwoba-Papa am 20.04.2005, 8:49 Uhrzurück

Ein paar Fakten zu Benedikt XVI

Um 18.43 Uhr hat es die Welt erfahren: Der neue Papst heißt Joseph Kardinal Ratzinger.

Vor drei Jahren wollte er eigentlich schon in den Ruhestand treten, doch Papst Johannes Paul II. ließ ihn nicht gehen. Zum Bedauern von Joseph Kardinal Ratzinger, der offen bekannte: "Dieses Leben ist sehr hart."

Nach dem Tod von Johannes Paul II galt der 78-Jährige schon als "papabile" und wurde als "Übergangspapst" gehandelt.

Ratzingers Karriere in der katholischen Kirche verlief steil und unaufhaltsam. Der Sohn eines Gendameriemeisters aus Marktl am Inn studierte in Freising und München Theologie und Philosophie, 1951 wurde er zum Priester geweiht. Mit nur 30 Jahren habilitierte er und wurde Dogmatik-Professor an der Freisinger Hochschule, später lehrte er in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. 1977 berief ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising, wenig später auch zum Kardinal.

Papst Johannes Paul II. holte Ratzinger nach nur vier Jahren in München zu sich nach Rom. "München ist wichtig", so der Papst damals, aber: "Die Weltkirche ist wichtiger." Als Präfekt der Glaubenskongregation bekam er eine zentrale Position im vatikanischen Machtgefüge. Sein Verhältnis zu Johannes Paul II. galt als sehr eng und gut: Jeden Freitag besprach er sich mit dem Kirchenoberhaupt, als dessen rechte Hand er zuweilen bezeichnet wurde.

Ein Vatikankenner urteilte bereits vor etlichen Jahren, dass seit Martin Luther "kein Deutscher Gestalt und Gehalt der katholischen Kirche so stark geprägt" habe wie Joseph Ratzinger. Dabei ist Ratzinger alles andere als ein Kirchenrebell und als Chef der Nachfolgebehörde der "Heiligen Inquisition" eher im Ruf eines "scharfen Hundes". Prominenteste "Opfer" waren die Theologen Küng, Drewermann und Boff, die sich nicht an die offizielle Lehre der Kirche hielten. Jüngst noch bestätigte Ratzinger die Suspendierung des Theologen Hasenhüttl, der entgegen einem ausdrücklichen Verbot mit Protestanten eine Abendmahlsfeier abgehalten hatte.

Kompromisslos zeigt sich Ratzinger auch bei Themen wie Frauenpriestertum, Sexualmoral und Abtreibung. Viel Kritik erntete zudem die Schrift "Dominus Jesus", die eine Überlegenheit der katholischen Kirche gegenüber den anderen Weltreligionen postulierte. Es lasse einen nicht kalt, "wenn man zum Buhmann gemacht wird", so Ratzinger. Früher sei oft sein "bayerisches Temperament" mit ihm durchgegangen, nun sei er "milder und langsamer".


Sein Bruder Georg, lange Jahre Regensburger Domkapellmeister, hatte dem streng-konservativen Cheftheologen des Vatikans keine großen Chancen auf den Papstthron prophezeit. "Es gibt so viele Kandidaten, dass man normalerweise nicht jemanden in seiner Altersstufe wählt. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass man einen Deutschen zum Papst wählt." Ratzinger selbst sprach sich vor einigen Jahren dafür aus, dass der nächste Pontifex aus Afrika stammen sollte. "Ich persönlich meine, dies wäre ein schönes Zeichen für die ganze Christenheit."

An Joseph Ratzinger kommt im Vatikan schon lange niemand vorbei. Der Deutsche ist seit 2002 Dekan des Kardinalskollegiums und leitet damit das Konklave. Bereits Ostern hatte der deutsche Kurienkardinal den Papst vertreten und war immer mehr zur zentralen Figur geworden. Mit seiner Predigt beim Trauergottesdienst für Johannes Paul II. ist sein Ansehen gestiegen - der als kalter Taktiker geltende Ratzinger hatte warme, herzliche Worte gefunden, die bei den Trauernden auf dem Petersplatz mit häufigem Applaus quittiert wurden.

Quelle : BR-Online.de

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