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Geschrieben von irulan am 31.10.2003, 12:54 Uhrzurück

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Hi Ralph,

auch von meiner Seite sind wohl wieder ein paar Klarstellungen nötig. Ich glaube Du verstehst mich immer falsch, weil ich in meinen Statements versuche die Position der Betroffenen, Angeprangerten (oder wie auch immer von Dir gemeinten Menschen) einzunehmen. Ich mache das nicht um deren Handlungen zu entschuldigen (würde mir niemals anmaßen so etwas zu tun), sondern, um zu verstehen warum die Menschen so handeln wie sie handeln. Mir hilft das jedenfalls mehr als von meinem moral-eth. Standpunkt auszugehen. Denn dann werde ich keine Antworten bekommen und nur schimpfen können. Was bringt uns das aber? Also löse ich mich davon und versuche (soweit das überhaupt geht) mich in die Position eines z.B. Irakis oder Palästinensers zu versetzen. Konkret: Ein Exil-Iraker, der seine Nichte, Oma, Schwäger etc. im Krieg verlor hat eine ganz anderes Verhältnis zum Tod und Terror als wir, die wir hier frei posten (übrigens poste ich aus Deutschland) und für die Gewaltakte nicht an der Tagesordnung sind. Ganz ehrlich, wenn Du aus solch einem Hintergrund kommen würdest, wo tagtäglich Kinder (die Zukunft Deines Landes!) und andere unschuldige Zivilisten sterben, wundert es Dich nicht weiter, wenn mal andere dran sind. Hört sich krass an, aber DAS IST KRIEG und es gehört sicherlich zu einer kranken Strategie der fanatischen Gruppierungen, aber es hat bewirkt was es bewirken sollte. Nämlich die Aufmerksamkeit der Menschen im Ausland. Jeden Tag werden Kinder und Zivilisten gezeigt, die bei Angriffen verwundet wurden. Das zieht nun mal nicht mehr, dann muß halt eine westliche Institution dran glauben. So grausam es ist! Ich schreibe das jetzt so kalt nieder, aber so liegen die Dinge nun mal. Es gibt Opfer auf jeder Seite und meist trifft es die Unschuldigen. Wie gesagt ich bedaure es sehr das so etwas passiert genau wie ich es bei den unschuldigen Kinder und Zivilisten tue!Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Exil-Angehörige sich mehr um ihre Verwandten und Bekannten sorgen und tage- und nächtelang mit Telefonieren verbringen, um irgendetwas über sie zu erfahren. Sie stehen auch ständig mit eben diesen Hilfsorganisationen in Kontakt, um selber zur Hilfe beizutragen. Darin investieren sie ihre Energie als auf die Straße zu gehen. Mit Demonstrieren ist da als Betroffener nicht viel, weil sie einfach keinen Kopf dafür haben. Übrigens gaube ich auch nicht, dass es gerade in diesen Zeiten einfach ist als Moslem eine Genehmigung dafür zu bekommen! Gab ja schon früher immer Probleme wegen Vermummungsverbot! Und ob sich die Menschen „im Kleinen“ dazu äußern kannst Du überhaupt nicht nachvollziehen und solltest deshalb kein Urteil über alle fällen.

Zum Thema Halbherzig: Du schreibst „Wenn es heute noch so wäre, dann könnte man sagen, gut, Grenzen dicht, lassen wir die Irakis sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, dasselbe ggf. in Afrika, in Bolivien, im Tschad, in Liberia, im Iran (wenn es denn dort losgeht) usw.“ Tchad ist ein afrikanisches Land, Liberia auch, warum zählst Du den dann den ganzen Kontinent noch mal auf. Als ob ganz Afrika in Kriegszustand lebt?! Eben das ist meine mit Vermischung. Diese ganzen Konklitherde (darunter sogar einen ganzen Kontinent) kannst Du einfach hier nicht als Argument einbringen. Dafür sind die Konflikte zu verschieden. Daher halte ich diese Nennungen für unangebracht und es lenkt von Deiner Ausgangsfragestellung ab. Ist Bolivien ein islamischer Staat, der demokratisiert werden soll???
Also Verwirrung pur

Zu diesen Äußerungen von Dir wollte ich auch noch was entgegnen:
„Damit aber würdest Du natürlich auch unterstreichen, das es Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen und mit Atheisten gibt, wäre das so schlimm?“  Natürlich hat der Islam als jüngste Religion Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen. Im Islam sind doch wichtige Aspekte aus der Bibel (Maria, Jesus) integriert.

“Noch vor 150 Jahren haben weite Teile der Weltbevölkerung vom Krimkrieg gar nichts mitbekommen, zum einen, weil er lokal einigermaßen begrenzt war und die Reichweite des Grauens damit auch, zum anderen, weil eben auch die Zeitungen damals nur mit erheblichen Verzögerungen von mehreren Monaten berichten konnten (wenn überhaupt).“  Erstens: Woher willst Du wissen, ob sich irgendwer zur vermeintlichen Klärung des Konflikts eingemischt hätte und wenn ja weiß man immer noch nicht, ob es was gebracht hätte Zweitens: Grundsätzlich sollte man der Berichterstattung in Kriegszeiten nicht sehr viel Wahrheitsgehalt beimessen - gerade als Außenstehender .

Ich glaube wir kommen auf keinen gemeinsamen Nenner. Is ja net so schlimm.
Dir auch ein schönes Wochenende
LG
Irulan

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