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Geschrieben von Leena am 28.11.2005, 13:23 Uhrzurück

Re: Die Schule und die Schöpfung

Hallo D.,

ich gebe ja zu, dass ich keinen naturwissenschaftlichen Hintergrund wie eine Molekular/Mikrobiologin habe, sondern eher aus einer religiös geprägten Ecke komme - vielleicht sehe ich deshalb manches anders...

"Für mich ist keine "Entstehung-der-Welt"-Theorie gleichrangig mit Evolution und sollte an Schulen auch so nicht gelehrt werden. Man kann diese Theorien ja in anderen Fächern (Geschichte, Literatur..) behandeln aber nicht in einem wissenschaftlichen Fach."

Im Grunde sind es doch aber nur, zugegebenermaßen auch vom Ansatz her, völlig verschiedene Herangehensweisen an die Frage nach der Entstehung der Welt bzw. des Lebens. Früher hatte man oft nicht wirklich naturwissenschaftliche Methoden, sich mit dieser Frage auseinander setzen zu können, und musste dies vielfach von einem religiösen Hintergrund aus tun (wobei ich auch zugebe, dass religiöse "Führer" mit diesem Thema auch oft andere Absichten hatten als unbedingt eine echte "Aufklärung", aber das ist im Grunde ein anderes Problem). So gesehen sind die "Entstehung-der-Welt"-Theorien aber eigentlich doch genauso Erklärungsversuche wie mittlerweile fundierte wissenschaftlicheEvolutionstheorien, oder? Auch wann der Hintergrund, das Fundament und die Methoden zugegebenermaßen grundverschieden sind.

Ich finde, auch "Entstehung-der-Welt"-Theorien sollten in einem "wissenschaftlichen Fach" angesprochen werden, natürlich nicht bis ins hinterletzte Detail, aber die Grundzüge und die Frage, inwieweit z.B. der dort geschilderte Ablauf der Schöpfung und der Entstehung des Lebens wissenschaftlich "nachweisbar" ist oder eben nicht, das sollte auch im naturwissenschaftlichen Unterricht schon mal ein, zwei Doppelstunden Unterricht wert sein. Ich denke, gerade die naturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit religiösen Erklärungsansätzen fördert interdisziplinäres Denken und kann religiösem Extremismus wirksam vorbeugen. (Und über die Zeit, da Religion und Naturwissenschaftlich unvereinbare Gegensätze waren bzw. sein mussten, sind wir doch langsam wirklich hinweg!) Außerdem - in puncto "Evolution" ist ja auch wohl vom naturwissenschaftlichen Ansatz noch nicht der Weisheit letzter Schluss verkündet worden, oder? Gerade deshalb finde ich wichtig, dass Schülern zu solchen Themen die verschiedenen wesentlichen Theorien und die wissenschaftliche Argumente, die für und gegen die jeweilige Theorie sprechen, gescheit vorgetragen werden, eben damit sie aufgrund eines "fundierten Wissens" sich ihre eigene Meinung bilden können.

Ins Fach "Geschichte" oder "Literatur" gehören die "Entstehung-der-Welt"-Theorien ja wohl eher nicht, Geschichtsunterricht fängt bei mir eher bei den Anfängen der Archäologie an, gewissermaßen, und bitte ohne Atlantis und co., und "Literatur" - naja, als Literatur wirklich spannend sind schriftliche Abhandlungen zu solchen Theorien vielleicht eher nicht, zumal man sie ja eigentlich nie in der Originalsprache behandeln könnte, und damit geht auch schon unendlich viel verloren. Vielleicht ins Fach "Religion" - aber die armen Religionslehrer hätten sicherlich mehr Probleme, diese Theorien unter naturwissenschaftlichen Aspekten wissenschaftlich fundiert und sachgerecht darzustellen, als z.B. Biologielehrer, oder? ;-)

"Für meine Tochter (14,5 Monate) wünsche ich mir, dass sie in der Schule lernt wie man sich mit fundiertem Wissen und logischem Denken seine eigene Meinung bildet."

Stimmt - genau das wünsche ich mir für meine Kinder auch. :-)

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