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Geschrieben von Leena am 28.11.2005, 11:48 Uhrzurück

Re: Die Schule und die Schöpfung

Irgendwie bin ich mir selber nicht ganz sicher, wie ich über das Thema denke, bzw. wo da die Grenzen sind, die gewahrt werden müssten.

Ich denke, grundsätzlich dürfen Eltern nicht selber bestimmen, was ihr Kinder lernen "dürfen", ich finde es sehr wichtig, dass alle Kinder mehr oder weniger dasselbe lernen können und so eine gemeinsame Ausgangsbasis bekommen (so gesehen finde ich auch die allgemeine Schulpflicht in D wichtig und richtig, und auch einen einigermaßen einheitlichen Lehrplan). Wichtig finde ich allerdings auch eine möglichst "wertneutrale" Darstellung, d.h. also Darwin nicht als der Weisheit letzten Schluss verkaufen, der er wahrscheinlich nicht ist, aber seine Evolutionslehre sehr wohl im Unterricht vorstellen, und eben auch die verschiedenen "Entstehung-der-Welt"-Theorien der verschiedenen großen Weltreligionen. Aber eben möglichst "gleichrangig" vorstellen, die Argumente für und wider die einzelnen Theorien durchsprechen etc. - eben nichts als "absolut allgemeingültig und richtig" verkaufen, sondern eher den Kinder die verschiedenen Informationen vorlegen und sie so auch zum eigenen Denken anregen - was für mich enorm wichtig ist, und - meiner Meinung nach - bei konfessionell und weltanschaulich gebundenen Schulen teilweise arg auf der Strecke bleibt, insbesondere bei Schulen bestimmter Religionsgemeinschaften, wie hier die "12 Stämme" oder "Universelles Leben", letztlich aber wohl auch bei (zumindest teilweise) z.B. bei Waldorf-Schulen, zumindest soweit ich es bisher persönlich mitbekommen habe. Wichtig ist für mich also, dass die Schule möglichst wertneutral die verschiedenen Ansicht darstellt, und den Schülern letztlich selbst die Entscheidung überlässt, zu welcher Auffassung sie selber neigen. Wobei ich glaube, wenn man den Schülern ermöglicht hat, dass sie denken gelernt haben, beugt man am besten irgendwelchen extremistischen Tendenzen vor, sowohl was extreme christliche als auch moslemische, rechts- oder linksextreme etc. betrifft.

So gesehen denke ich, Eltern dürfen nicht selber bestimmen, was ihre Kinder lernen "dürfen", sie sollen es auch nicht tun, und erst recht müssen sie es nicht - im Gegenteil! Eltern haben meiner Meinung nach nicht das Recht, ihren Kindern "quasi ein Leben außerhalb dieser selbstgewählten Religionsgemeinschaft (zu) verbauen", da muss, denke ich, der Staat regulierend eingreifen. Wobei natürlich das Problem besteht, dass die Kinder dann sehr leicht in einen Loyalitätskonflikt zwischen Eltern und Schule geraten können. Gerade dann, denke ich, muss von Seiten der Schule sehr sensibel mit den entsprechenden Themen umgegangen werden, um eben zu vermeiden, den Kindern klar zu sagen, ihre Eltern liegen - wahrscheinlich - in wesentlichen Punkten falsch, und sie "in den Augen einer breiten Mehrheit religiös verwirrt" sind.

So gesehen finde ich es wichtig, dass in D die allgemeine Schulpflicht besteht, und Privatunterricht der Eltern ohne entsprechende staatliche Kontrolle eben nicht zulässig ist. Problematisch wird es natürlich, wenn die Eltern sich weigern. Da weiß ich auch nicht, was ich für richtig oder wenigstens relativ am besten halte...

Entzug des Sorgerechts finde ich nicht so gut, vor allem weil dies die Kinder zwingend in einen Loyalitätskonflikt bringt, und in Konflikt zu all dem, was die Eltern ihnen bisher vermittelt haben. Trotzdem ist Kindererziehung, denke ich, keine reine Privatsache der Eltern, also muss der Staat schon in entsprechenden Fällen regulierend eingreifen... nur wie???

Ich denke, der Staat darf sich den Lehrplan von keiner religiösen Gruppe vorschreiben lassen, und muss auf eine gewisse Neutralität auch bei privaten Schulen achten. Sicherlich können und sollten die Lehrer schon ihre eigene Meinung vorstellen, aber eben mit entsprechenden "Anmerkungen", und nicht so, als ob es objektiv zwingend richtig ist. Was das schöne Schulfach "Frauen sind Menschen 2. Klasse" betrifft, fände ich es wichtig, eben auch die verschiedenen Frauenbilder, die es gibt, vorzustellen, die Entwicklung des Frauenbildes in den verschiedenen Kulturen, und eben die Auffassung vorzutragen, dass Männer und Frauen zwar unterschiedlich sind, aber nicht unterschiedlich wertvoll an sich - obwohl das natürlich auch schon wieder meine persönliche Meinung und eben nicht mehr "wertneutral" ist. ;-) Aber ich denke, man kann schon den Schülern einigermaßen glaubhaft nahebringen, dass Männer und Frauen verschieden sind, aber niemand sich das Recht herausnehmen kann, die Unterschiede zu werten... Und was das "Bomben bauen" betrifft - das ist eine Fähigkeit, die man allgemein nicht können muss, im Gegenteil, wie gefährlich es ist, wenn jeder nach Bedarf Bomben bauen und einsetzen könnte, kann sich jeder leicht vorstellen - also gehört sowas für mich nicht unter "Allgemeinbildung" und hat generell im Schulunterricht absolut gar nichts verloren! Da müsste der Staat, meiner Meinung nach, auch eingreifen, und solche Schulen notfalls verbieten, soweit sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen, die nun einmal quasi die Grundlage unseres Staates ist. Und in diesem Bereich, denke ich, kann und darf der Staat (als Summe der "vernünftig denkenden Menschen") sehr wohl entscheiden, wann eine Religion "zu weit" geht.

Uff - jetzt ist mein Text aber mal wieder gräßlich lang geworden, tut mir leid! Ich bin so schlecht darin, mich kurz zu fassen, seufz...

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