Aktuelles und Neuigkeiten Aktuelles und Neuigkeiten
Geschrieben von marit am 20.09.2004, 10:37 Uhrzurück

Re: dein Modell weist eklatante Ungereimtheiten auf

ich hab eben ne ellenlange Entgegnung geschrieben, und dann dummerweise auf den falschen Knopf gedrückt. Aber hier nochmal die Kuzfassung.

1. Das Umlagemodell, das du forderst gibt es doch bereits. Es heißt Sozialhilfe oder Hartz IV. Und ermöglicht einem durchaus ein Leben jenseits von Kellerloch und Wasser und Brot. Vielmehr ist eine Sozialwohnung von anderen Wohnungen in der Regel nicht zu unterscheiden. In vielen Städten wohnen kinderreiche Sozialhilfeempfänger sogar besser als kindderreiche Familien mit einem kleinen bis mittleren Einkommen. Außerdem erhalten sie Geld, das für ausreichend Nahrung und Kleidung sorgt, sowie für ein paar kleine Extras. Wer damit nicht auskommt, kann außerdem Kleiderkammern, Receyklinghöfe und Suppenküchen konsultieren. Jedenfalls ist von außen in der Regel nicht sichtbar, ob jemand von Sozialhilfe lebt, oder nicht - außer er oder sie vernachlässigt sich aus freien Stücken oder psychischen Problemen, für die er aber auch Hilfe konsultieren kann, wenn er oder sie das möchte, denn er oder sie ist ausreichend krankenversichert.

Deine Bauern und Frühindustrialisierungsutopie hätte einen solchen sozialstandard gar nicht erst hervorgebracht, ganz einfach deshalb, weil sie den "Mehrwert" gar nicht erst zustandegebracht hätte, der unsere sozialsysteme finanziert. Denn warum sollte ein Unternehmer oder eine Aktiengesellschaft denn Geld in die Erfindung von Maschinen zur Arbeitserleichterung stecken, wenn sie nachher den Arbeitern für weniger Arbeit dasselbe Geld wie zuvor bezahlt. und auf den Entwicklungskosten sitzen bleibt. Klar haben wir nun einen geringeren Bedarf an Arbeitsplätzen, aber wir haben ja auch weniger Kinder, so daß sich das langfristig ausgleicht. Die in der Zwischenzeit auf der Strecke gebliebenen, werden aber von den anderen keinesfalls verstoßen, vielmehr wird deren Lebensunterhalt von uns allen getragen.
Was verlangst du eigentlich darüberhinaus?

Abgesehen davon haben wir umfangreiche Maßnahmen, wie Umschulungen, Existenzgründungszuschüsse, Übergangsgelder etc., die den so arbeitslos gewordenen in einer anderen Branche wieder auf die Beine helfen, wenn sie nicht dauerhaft auf Sozialhilfeniveau leben möchten. Bei deinem Wirtschaftsmodell könnten wir allenfalls innerhalb einer Selbstversorgerlandkommune überleben, nicht aber in einer Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft.

Bei allem Gejammer sollte wir auch mal (vor allem über "Beamte" "manager", die ja aus unerfindlichen Gründen gleichgesetzt werden), daß außer in Deutschland nur in Norwegen (!) die Schere zwischen arm und reich so gering auseinanderklafft. In allen anderen Ländern sind die Unterschiede viel größer. Sehen wir uns doch mal eine richtig gut dotierte Bevölkerungsgruppe an: Eine alleinerziehnde deutsche C4-Professorin mit 2 Kindern verdient 3200-3400 Euro netto, und das, nachdem sie unmassen von Geld in ihre Ausbildung gesteckt hat und lange Zeit vom Existenzminimum leben mußte. Eine Alleinerziehende Mutter von 2 Kindern, die nicht arbeitet und für eines der Kinder noch Erziehungsgeld bekommt, erhält, wenn man die Miete und Heizkosten miteinbezieht nach Hartz IV ca 1700 €. Da die Professorin wegen ihrer Arbeit auf eine Kita zurückgreifen muß, gehen von ihrem Gehalt ca 650 Euro an Betreuungskosten ab (von den Anforderungen an Fahrten, beruflich erforderliche Kleidung etc. gar nicht zu sprechen). Bleibt eine Differenz von noch nicht einmal 1000 Euro zwischen eine "Hochverdienerhaushalt" und einem "Sozialhilfehaushalt".

Ein empörendes, ungerechtes System sieht für mich anders aus, tut mir leid.

Beitrag beantworten

Zurück ins Forum

Unten der Beitrag und die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Beiträge im Forum Aktuelles und Neuigkeiten