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Geschrieben von Ralph am 03.09.2003, 14:38 Uhrzurück

Danke für das nette Feedback... (und nochmal lang)

... ich möchte etwas anmerken und klarstellen:

Ich bin absolut kein Anti-Amerikaner!

Die USA haben als letzte Weltmacht eine Riesenverantwortung in mehrerer Hinsicht.

1. Ganz objektiv sind sie als Einzige in der Lage, militärisch (und damit auch glaubwürdig) in Krisengebieten eingreifen zu können, wenn es irgendwo brennt und die diplomatischen Möglichkeiten endgültig ausgeschöpft sind (an diesem Punkt waren wir wahrscheinlich in Bosnien-Herzigovina, mit Sicherheit aber im Kosovo angelangt). Man mag es grundsätzlich beklagen, aber es hat sich gezeigt, daß manchmal NUR noch militärisches Eingreifen hilft (Hitler, Golfkrieg 1991, Kosovo). Das kann, natürlich, eigentlich nur dazu dienen, politisch-diplomatische Lösungsansätze wieder zu ermöglichen, nicht mehr, nicht weniger.

2. Aus 1. erwächst der Welt aber auch eine Riesengefahr, und in der befinden wir uns aktuell. Solch eine Machtfülle verleitet zu rauschartigem Machtmißbrauch, insbesondere wenn derjenige auch noch psychisch tief getroffen wird wie die USA am 11.09.2001. Und hierin liegt die andere Verantwortung der USA: Das eigene Handeln besonders kritisch zu beleuchten. Hierfür braucht es aber eine starke, handlungsfähige und dynamische Opposition, die sich zudem auch noch mit den gepflogenheiten in anderen Winkeln der Welt auskennen muß.
Hieran hapert es aber ebenfalls in den USA. Die amerikanischen Bürger wissen nicht annähernd soviel über Europa und andere regionen wie der normale Durchschnittseuropäer. Und das ist der Punkt, wo es gefährlich wird.
Helmut Schmidt hat sich einst bitterlich darüber beklagt, wie wenig informiert amerikanische Präsidenten über die Weltlage insbesondere in Europa waren, über die Befindlichkeiten der Europäerr (Ausnahme bildete in seinen Augen Gerald Ford, aber der war ja nur 2 Jahre Präsident von 74-76).

Dabei sind die Verdienste der USA um und in Europa doch überdeutlich: Daß wir alle hier uns so sehr in den Haaren liegen (dürfen), wenn uns danach ist, daran sind die USA mit ihren Opfern während des 2.Weltkrieges maßgeblich beteiligt, mit ihren Ideen, mit ihrer Version von Demokratie und Freiheit. Ohne die USA mag ich mir das heutige Europa gar nicht ausmalen.

In diesem Zusammenhang hier mal eine Aussage von Colin Powell, irgendwann kurz vor dem irak-Angriff geäußert, als Frankreich und Deutschland sich strikt gegen ein Eingreifen im Irak stellten (sinngemäß):

"Wir haben Deutschland und Frankreich damals befreit, damit sie ihre eigene Meinung haben dürfen. Das schließt auch Differenzen in der politischen Einschätzung mit ein!"

Da blitzte für einen Augenblick das Amerika auf, für das ich mich in all den Jahren begeistern konnte.
Es mag sein, daß er insgeheim die Ansichten der beiden Staaten teilte, und deshalb frage ich mich auch, weshalb man munkelt, Colin Powel sei amtsmüde und stünde bei einer zweiten Präsidentschaft Goerge W.Bushs nicht zur Verfügung. Dies wäre ein ungeheurer Verlust für die Welt, und auch für die USA.

Oder die Friedensverhandlungen zwischen Israel und Ägypten: Begin, Saddat und Carter in Camp David, das Bild der 6 ineinanderfassenden Hände, das um die Welt ging, werde ich nie vergessen.
Gut, Saddat bezahlte den Friedensvertrag mit Israel mit dem Leben, aber war der Vertrag, waren die Erfolge der USA auf diesem gebiet deshalb falsch und nutzlos?

Kennen wir das alles nicht irgendwoher? Woher kommt eigentlich der Demokratiegedanke? Die ersten Demokratien standen in Griechenland und in Holland, die Franzosen haben während der französishcne revolution das ihrige dazu beigetragen, und die Deutschen auch. Trotzdem haben wir uns noch jahrhundertelang schrecklich bekriegt (Elsaß-Lothringen hat zwischen 1871 und 1945 viermal die Staatszugehörigkeit gewechselt!).
Und nun also befindet sich ausgerechnet der große Patron auf dem Holzweg... zurück ind die demokratische Steinzeit.

Wenn ich mir aber das alles vergegenwärtige, dann tut es besonders weh, Amerika bei dieser ungewollten Selbstzerfleischung zuschauen zu müssen. Nur, wir Europäer konnten und können derzeit gar nichts tun, außer irgendwann, wenn Amerika sich besonnen hat, etwas von dem zurückzugeben, was wir selbst von Amerika vor 60 Jahren bekommen haben: Verständnis, Freundschaft, Geduld und Ausdauer, und damit eine neue Chance!

Helmut Schmidt, und damit schließe ich, hat kurz vor Ausbruch des Irakangriffs anläßlich einer Preisverleihung an den Bundespräsidenten a.D. Roman Herzog in seiner Laudatio sinngemäß geäußert:

"... Wenn Amerika diesen [eigenwilligen] Weg gehen will, dann bleibt uns als Europäer nichts anderes übrig, als dieses als Freunde zu ertragen! [Pause] ... als Freunde zu ertragen!!"

Über diesen Satz sollten wir alle, Amerikaner und Europäer, gebührlich nachdenken! :-)

Liebe Grüße
Ralph/Snoopy

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