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Geschrieben von JoVi66 am 21.05.2003, 13:28 Uhrzurück

Bushbn unser "flaggenkonservativer" Imperialist

Auszug aus einem Interview mit Norman Mailer über Bush "W". aus Spiegel online .de vom 19.5. 03

....."SPIEGEL: Verglichen mit seinem Vater (Bush sen.), der zwar Saddam Hussein aus Kuweit vertrieb, aber schön die Finger vom Pulverfass Nahost ließ und nichts von amerikanischen Alleingängen und Imperiumsansprüchen hielt, ist der Sohn ein Revolutionär.
Mailer: Ich kann es gar nicht leiden, wenn das wunderbare linke Wort Revolutionär auf Erzkonservative angewandt wird. Wie wäre es mit: Er ist ein militanter Flaggenkonservativer. Denn gegenwärtig sind diese Flaggenkonservativen in der Mehrheit, während die Wertkonservativen nicht begreifen, was passiert.
SPIEGEL: Wie unterscheiden sich die Wert- von den Flaggenkonservativen?
Mailer: Traditionalisten wie Pat Buchanan glauben daran, dass es für Amerika das Beste wäre, sich mit sich selbst zu beschäftigen, um unsere Probleme zu lösen. Sie halten an der Familie, am Vaterland, am Glauben fest. Sie stehen für harte Arbeit, Ehrlichkeit und einen ausgeglichenen Staatshaushalt.
Bush ist anders. Flaggenkonservative wie er tun so, als glaubten sie an die alten Werte, aber wenn es darauf ankommt, scheren sie sich darum nicht. Sie benutzen die Flagge, sie benutzen biblische Worte wie das "Böse" skrupellos. Sie leben in der Illusion, Amerika sei das Gute und die einzige Hoffnung für die Welt. Flaggenkonservative glauben wahrhaft, dass Amerika nicht nur die Welt beherrschen kann, sondern es muss. Denn ohne Imperium geht es mit dem Land ökonomisch und moralisch abwärts - das ist, wie ich meine, der unausgesprochene, allemal geleugnete Subtext für das Irak-Projekt. "......
+++
......"Mailer: (...) Im selben Maße ist den Amerikanern am 11. September das Gefühl der Sicherheit abhanden gekommen.
SPIEGEL: Seitdem hat Präsident Bush, bei weiterhin hoher Popularität, zwei Kriege geführt. Heißt das aus Ihrer Sicht, um Rache zu üben?
Mailer: Mit Rache hat der Krieg gegen den Irak nichts zu tun. Das war ein enorm geschickter politischer Schachzug ohne jede moralische Bedeutung. Sämtliche präventiven Begründungen, etwa dass Saddam über ein ausgiebiges Arsenal an Massenvernichtungswaffen verfügt, wirken ja jetzt ziemlich blass. Wir mögen ein bisschen was finden, aber sicher nicht im beschworenen Umfang.
SPIEGEL: Aber das stürzt dann die Regierung Bush kaum in Legitimationsnöte.
Mailer: Die Amerikaner kümmert das ganz offensichtlich überhaupt nicht. Wenn nichts entdeckt wird, was soll's.
SPIEGEL: Warum ist das so?
Mailer: Weil wir einen Sieg erringen wollten. Wir brauchen ihn für unser nationales Ego. Die neue Begründung für den Krieg lautet jetzt, dass wir den Irak von einem Tyrannen befreien mussten, der sein Volk aufs Entsetzlichste gequält und gemordet hat. Die Zeitungen sind voll von schrecklichen Geschichten von Menschen, die gleichsam geschreddert wurden. Wir stellen allerdings nicht in Rechnung, dass wir ironischer- und perverserweise Mitschuld tragen.
SPIEGEL: Sie meinen, weil Bush Sr. 1991 Saddam politisch überleben ließ und das US-Militär zusah, als er dann die Kurden- und Schiiten-Aufstände blutig niederschlug?
Mailer: Und jetzt tun wir so, als retteten wir diese Menschen vor dem Terror. Es gibt keinen Grund, uns dafür selbst zu beweihräuchern. Amerika ist kein nobles Land.
SPIEGEL: Für etliche in der Regierung Bush geht es nun um die Hegemonie Amerikas im Nahen Osten - am Ende wohl gar um eine imperiale Neuordnung.
Mailer: Einige Protagonisten in der Regierung wirken tatkräftig auf die Errichtung eines amerikanischen Imperiums hin. Es gibt andere, die sich zu sagen scheinen, das ist zwar ziemlich schwierig, aber schauen wir doch mal, wie weit wir gehen können. Und andere wiederum sind der Auffassung, Amerika nimmt sich zu viel vor. Doch aufs Ganze gesehen gibt es die Tendenz, das Imperium als taugliches Mittel zu betrachten, die Probleme des Landes zu lösen.

Dieser Meinung kann ich mich eigentlich nur anschließen.
CiaoJoVi

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