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Geschrieben von RAlph am 03.02.2006, 15:36 Uhrzurück

@Birgit

Hallo Birgit,

ich kopiere Dir ein früheres Posting von Dir rein, bin zu faul, es wortwörtlich abzutippen. Aber es beantwortet ein paar offene Fragen, und die "alternative behandlung" der Mitgefangenen...

Zitatanfang:

"Ich habe im letzten Jahr knapp 6 Monate inm berüchtigten Hamburger Knast "Santa Fu" gearbeitet, und zwar bei der "Creme de le creme" (Langstrafige).


"Hi Nina,

bevor ich damals den Dienst antrat, habe ich Ähnliches erwartet wie Du. Insofern verwundert mich Deine Einschätzung nicht, wie auch? :-)

Nur, es gibt unter Häftlingen einen normalen, rechtschaffenen Bürgern nicht bekannten "Ehrenkodex". Nehmen wir mal Sexualtäter: Wer als Lude seine Stuten (sorry für die derbe Ausdrucksweise, aber paßt so gut) gefügig gemacht hat, sozusagen in Berufsausführung, hat nichts großartiges zu befürchten, hat in den Augen der in der Hierarchie weiter unten stehenden Mitgefangenen sogar eher "alles im Griff".
Ein "normaler" Vergewaltiger dagegen, der als Nicht-Lude eine Frau gegen ihren Willen genommen hat, dürfte schon in arge Bedrängnis kommen, und Kinderschänder sind auch im Knast das absolut Allerletzte.

Mord (außer Kindermord), Raub, OK... das ist auf Ganoven-Ebene soweit alles ok, Kumpanei eben. Ein zugegebenermaßen eher gewalttätiger Räuber oder Erpresser ist im Knast jedoch häufig lammzahm, wird auch nichts groß unternehmen. Bei einem Kinderficker... nunja, da kann sehr wohl abends mal die Post abgehen. Da wird dann schon mal "nachgeholfen", daß der KF sich einem gemeinsamen Übernachteinschluß in einer Zelle nicht verwehrt. Ja, und was meinst Du, was da abgeht, Ostereiersuchen? Das können von der halben Station ausgeheckte "Spezialbehandlungen" sein, die einer dann vollstreckt. Selbstverständlich werden diese Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (oder sollte ich es eher schwere Körperverletzungen nennen?) vom KF seltenst zur Anzeige gebracht, denn sonst hat er demnächst entweder den nächsten "freundschaftlichen Einschluß", oder ihm werden Drogen untergeschoben, oder sonst irgendwie ein Disziplinarverfahren angehängt, womöglich mit anschließendem Genuß eines Sicherheitsstationsaufenthaltes.

Und isoliert halten? Kein Häftling, von wenigen Ausnahmen abgesehen, sitzt gerne auf der Sicherheitsstation ein. Das bedeutet nämlich null sozialen Kontakt zu anderen Häftlingen. Das einzige, was es gibt, ist, vielleicht, eine kleine Stereo-Anlage und (noch vielleichter) ein TV. Besuchsregelungen sind arg dezimiert, abgesehen von Anwaltsbesuchen.

Nein, Nina, verabschiede Dich schleunigst von den zu 99% sterilen deutschen Gefängnissen. Das entspricht absolut nicht der Realität, jedenfalls nicht, wenn gewisse Häftlinge Dich auf dem Kieker haben.
Gut, vieles wird entdeckt, schon alleine durch die unregelmäßig regelmäßig ;-) stattfindenden Razzien, aber das ist dann meistens Pipifax wie z.B. ein Kartoffelschälmesser, sogenannte Rauchgeräte oder der Fund von "Angesetztem" (=selbst hergestellter Alkohol! Brrr!!).
Oder es werden Geräte auf der Zelle entdeckt, die einem anderem Häftling gehören (Leihen war zumindest bei uns nicht erlaubt), Siegelbruch an der Kaffeemaschine (aha, was wurde denn dort versteckt???)... aber sehr viel mehr ist es auch nicht.

Krafträume und Fitneßräume... mache Dir bitte bewußt, daß Menschen, die über Jahre eingesperrt sind, auch entsprechendes Aggressionspotential aufbauen, ob sie wollen oder nicht. Damit müssen sie irgendwo hin, in Freiheit können sie nicht, deshalb dienen diese Fitneßräume auch als Ventil, und somit im Grunde sogar der Sicherheit der Anstalt mit ihren Beamten. Und wenn sie ins Schwimmbad gehen... abgesehen, daß ich so etwas nicht kennengelernt habe, so darf man sich das nicht als tolles, schickes Freibad vorstellen.

Fazit: Es gibt keinen Rund-um-die-Uhr-Schutz, und wenn die Mitgefangenen Dich kriegen wollen, in welcher Form auch immer, dann kriegen sie Dich, wenn Du nicht Deinerseits schleunigst Leumund und damit "Lobby" aufgebaut hast.

Und noch eins zum Schluß: Ähnlich wie unter Junkies gibt es sehr selten im Gefängnis geschlossene echte Freundschaften. Kommt dem Vollzug insofern entgegen, da man Gefangene trefflich gegeneinander ausspielen kann. Fördert die Ermittlung mitunter ungemein! :-)"

Zitatende

Ein Zuckerlecken ist es im Knast für Sexualverbrecher der besonderen Art nicht. Und gerade das, was Sina schildert, o Himmel, wenn das die Mit-Knackis erfahren... kein Mensch kann den Täter im Knast mehr schützen...

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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