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Geschrieben von Ralph am 18.10.2005, 14:11 Uhrzurück

Betr. HartzIV und Kosten, Sozialschmarotzer usw.

Hallo,

Die Kosten sind aus verschiedenen Gründen höher als vorher angenommen, hier nur ein paar davon:

1. Da nur die Ärzte von BfA und LVA definitiv dauerhaft arbeitsunfähig schreiben dürfen, sind als arbeitsfähig alle anderen einzustufen gewesen. Das zeitigt dann so groteske Fälle, daß ein in Koma liegender nach wie vor ALG2 bezieht anstatt Grundsicherung nach dem SGB XII. Er gilt de lege als arbeitsfähig.
Deswegen waren die Kommunen übrigens häufiger in den Verdacht geraten, daß sie "offensichtlich Kranke und Arbeitsunfähige" an HartzIV abgegeben hätten. Alles Blödsinn, es ging vom gesetz her nicht anders. Nur haben das die Herren Politiker nicht abgesehen, daß ihr eigenes Gesetz bzw. die Durchführungsverodnungen nichts anderes hergeben. Mehr Fälle für HartIV, also auch mehr Kosten.

2. Früher hieß das Ganze Sozialhilfe, dieser Begriff hatte ein gewisses Stigma. heute nennt sich das Ganze "Arbeitslosengeld"2, das ist in den Köpfen nicht ganz so schlimm, also hängt die hemmschwelle tiefer, also werden netsprechend mehr Anträge gestellt von bedürftigen Menschen, die dann auch bewilligt werden müssen. Das ist keine Anklage, nur eine feststellung. HAt auch kein Politiker gesehen, wiederrum mehr Fälle = mehr Kosten. :-)

3. Zuwenig Personal, überrannte Dienststellen, überarbeitetes Personal. Vermittlung findet nur auf dem Papier statt, dazu immer weniger freie Stellen auf dem 1.Arbeitsmarkt.
Romysma hat insofern recht, als 1€-Jobs, 400€-Jobs und andere Maßnahmen tatsächlich reguläre Stellen vernichten, sogar im öffentlichen Dienst. Ich habe von Kindertagesstätten gehört, die in ihrer Finanznot (auch dort wurden ja massenweise die Mittel gekürzt!!) genau diesen fragwürdigen Weg beschritten haben. Weniger reguläre Jobs = längerer Verbleib in HArtzIV = mehrkosten. Kein Politker hat das vorausgesehen oder voraussehen wollen.

Das sind drei Fakten, die mit Schmarotzern nichts zu tun haben. Natürlich gibt es auch ein teil unter dem Klientel, das sich vor aller Arbeit drückt und/oder betrügt, und es sind nicht wenige. Die einen mehr, die anderen weniger. Zahlen kenne ich dazu nicht, ich kann da nur aus meiner Berufspraxis sprechen. Und da kann ich sagen, daß es wesentlich mehr sind, als die Politik zugeben will, und wesentlich weniger, als der Stammtisch behauptet. Natürlich, wenn sich die BILD jeden Tag aus dem gesamtdeutschen bestand EINEN besonders krassen Fall von Sozialbetrug herauspickt und das zur Schlagzeile macht, dann könnte man den Eindruck gewinnen, HartzIV-bezieher wären das Volk der Betrüger. Daß das aber in keinster Weise repräsentativ ist, steht im BILD-Artikel natürlich nicht.

Deshalb Vorsicht gerade was Schlagzeilen der Boulevardpresse angeht. :-)

Die dramatischen Mehrkosten sind m.E. hauptsächlich dadurch enstanden, daß sich vorher niemand vorher wirklich Gedanken über die entsprechende Klientel-Struktur gemacht hat. Die Hausaufgaben sind vor Einführung von HartzIV schlichtweg nicht gemacht worden.

Grundsätzlich ist das Projekt, Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammenzulegen, alles zu erfassen und endlich auch statistisch als arbeitslos zu melden, vernünftig gewesen. Auch wenn die Statistik immer noch nicht stimmt, so ist sie ehrlicher als jede andere Arbeitslosenstatistik der letzten 40 Jahre.

SO, ich muß wieder arbeiten.

Viele Grüße und schönen Tag noch
Ralph/Snoopy

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