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Geschrieben von Ralph am 17.12.2003, 12:55 Uhrzurück

Begibt man sich aber nicht auf eine gefährliche Ebene...

... wenn man nur noch nach dem Motto verfährt "Alles von/über/mit Saddam Hussein ist gefaked und deshalb glaube ich auch gar nichts und gar nichts mehr und es ist swieso alles Käse, was man uns erzählt" usw. ?

Wachsam sein, kritisch sein, auch in der Beurteilung von Nachrichten, Skepsis an den Tag legen, wenn alles zu plausibel erscheint... das ist alles in Ordnung. Das oben etwas skuril gezeichnete Motto allerdings halte ich für genauso verfehlt wie den Hyperpatriotismus in Amerika. Beides ist trunken von der einzig geltenden eigenen Wahrheit, hilft also nicht weiter.

So, wie hier derzeit überwiegend argumentiert wird, wäre jeder Zeitpunkt von Saddams Ergreifung irgendwie unpassend. Je näher am US-Wahltermin gelegen, desto "unglaubwürdiger" wäre es für viele, aber auch eine Festnahme vor ein paar Monaten hätte die Skeptiker auf den Plan gerufen, "denn so schnell verschwindet ja auch ein Regime nicht".

Entgegen aller Skepsis ergibt sich für mich aber dennoch ein eigentlich klares Bild über den Ablauf:
Saddam hatte nicht mehr mit voller Kraft kämpfen lassen, sei es, daß er sich im Klaren war, daß er militärisch eh unterlegen war, sei es, das schlichtweg die Munition nicht vorhanden war, sei es, daß die Moral der eigenen Truppe nicht so glänzend war wie offiziell bei den Paraden... Fakt ist aber doch, daß er die Ruhe und Zeit genug hatte, sich abzusetzen. Für meine Begriffe hat er sich einfach verpokert. Soll heißen, daß er auf viel mehr Widerstand gesetzt hatte mit der Option, irgendwo und irgendwie sein Regime weiterführen zu können. Es ist soviel Geld abhanden gekommen in den letzten Kriegstagen (das mit Sicherheit in seinem Besitz ist oder war), daß er genügend Leute hätte kaufen können.
Nicht gerechnet hat er aber mit diversen Verhaftungen. Seine gesamte Führungsebene ist ihm verlustig gegangen, und genau damit begann jetzt sein Problem.
Wenn man berücksichtigt, daß es unvergleichlich viel leichter ist, ein bestehendes Netz (mit entsprechend viel Geld) intakt zuhalten, als ein neues Netz, zumal unter diesen Umständen, aufzubauen, dann ist völlig klar, daß irgendwann auch noch so viel Geld nicht mehr weiterhilft.
Und der Fahndungsdruck der Amerikaner war ja nun offenkundig, da kriegt halt auch ein Saddam Hussein irgendwann nur noch ein Etablissement im besagten Erdloch und keinen Palast mehr. :-)

Für mich weiterhin zu diskutieren bleibt die degenerierte politische "Netiquette" von G.W.Bush. Da ist noch soviel zu beackern...
Und seine Wiederwahl... für mich ist sie mehr als fraglich. Ein gefaßter Saddam wird ihm nicht viel helfen, und selbst wenn der Irak-feldzug sich noch halbwegs als Erfolg vermarkten lassen sollte, so ist dieser teuer erkauft, mit Haushaltsdefiziten, Außenhandelsdefiziten, zerschlagenes Polit-Porzellan und dann ja immer noch Kosten, Kosten, Kosten, die auch bei patriotischen US-Wählern nicht ohne Wirkung bleiben dürften.

Und so gesehen... wie wichtig war da noch die Ausgangsfrage...? Saddam oder nicht Saddam?? :o))

Viele Grüße
Ralph/Snoopy

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