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Geschrieben von Elisabeth mit Fumi & Temi am 05.07.2004, 14:02 Uhrzurück

Re: auch aus Anlaß des Fremdsprachenpostings unten: wie sieht für euch eine idealte Schule aus?

Hallo Marit,

ich denke schon, daß Deutschland ein Problem mit Eliten hat, ganz allgemein, und daß das Ganze drumherum, das Du aufgezählt hast, damit zusammenhängt. Warum das so ist, weiß ich nicht, aber ich finde es sehr schade und denke, daß wir uns und unseren Kindern damit viel Spaß entgehen lassen.

Kinder sind doch noch ganz natürlich ehrgeizig, und Ehrgeiz ist ja auch per se erstmal nicht schlecht. Die Frage ist, was man daraus macht.

Temi und Fumi sind z.B. ständig in irgendeinem Wettbewerb, meistens aber durchaus vergnügt und spielerisch. Wer ist zuerst an der Tür, wer hat zuerst die Schuhe an, wer ist zuerst im Auto angeschnallt..... Ich fördere das nicht, aber ich verbiete es auch nicht. Ich greife lediglich ein, wenn es zu Handgreiflichkeiten kommt. Warum soll das schlecht sein? In 90% der Fälle haben sie Spaß daran (in den restlichen 10% der Fälle sind sie müde oder aus anderen Gründen schlecht drauf). Und warum soll man sich diesen Ehrgeiz nicht - in sinnvollem und vergnüglichen Rahmen - zunutze machen?

Aber spätestens in der Schule wird jeglicher Ehrgeiz niedergebügelt. Vor lauter die-Schlechteren-nach-oben-heben werden die, denen Lernen ganz oder teilweise leicht fällt, nach unten gedrückt, damit sie jaaaa die Schlechteren nicht "beschämen". Und ich sage das nicht als Mutter eines Überfliegers. Fumi hat eine Leseschwäche und lag teilweise im Lesen im 10. Perzentil. Durch Förderung haben wir das ausgeglichen, und natüprlich bin ich stolz auf sie, daß sie das geschaffthat. Aber die anderen, denen das Lesen leicht gefallen ist, die dürfen doch auch stolz sein. Fumi wird sich daran gewöhnen müssen, daß es immer Kinder geben wird, die besser lesen können als sie. Und ich bin froh, wenn sie das jetzt lernt und nicht erst im Berufsleben.

Natürlich ist es leichter für eine/n LehrerIn, die Guten im Rauschen untergehen zu lassen und die Schlechten zum Standard zu machen. Dann muß man sich nicht mit den Konflikten, die die verschiedenen Talente erzeugen, aueinandersetzen. Wobei ich gar nicht behaupten will, daß die Lehrer das bewußt machen. Sie lernen es ja nicht anders.

Ich war mit 17 ein Jahr als Austauschschülerin an einer amerikanischen High School. Jetzt mal unabhängig von der unterirdisch schlechten Niveau der Schule (obwohl es eine Privatschule mit nennenswerten Kosten war): Es gab am Ende jedes Quartals eine Liste der "Überflieger", die am schwarzen Brett veröffentlicht wurde. Es gab "First Honors", "Second Honors", "Third Honors" und "Exceptional Achievements". Die ersten drei waren für die besten Noten reserviert, aber die "Exeptional Achievements" bekamen die, die vielleicht nicht die Besten in irgendwas waren, die aber etwas besonderes geleistet haben. Ich bekam den Preis am Ende des Schuljahrs für meine Leistungen in Englisch, die natürlich nie für irgendwelche Honors gereicht hätten, die man aber für einen Nicht-Muttersprachler durchaus anerkennenswert fand. Ganz ehrlich: So ein System würde doch in Deutschland als "elitär" konsequent abgelehnt werden, oder? Aber warum eigentlich? Die amerikanischen Schüler kannten das seit der Vorschule und waren nicht unglücklich, wenn sie mal nicht auf der "Honor Roll" erschienen, aber es war ein Anreiz, sich ganz besonders ins Zeug zu legen.

Gut, das amerikanische Schulsystem ist sicher nicht das, was ich für meine Kinder als erstrebenswert ansehen würde, aber den Teil fand ich gut. Und ich fand es schade, als ich aus Amerika zurückkam und plötzlich wieder die "Streberin" (Igitt!) war und nicht mehr "Honor-Student" (Bravo!).

Und was ich unten schon schrieb: Kinder WOLLEN lernen. Warum soll es "kindlicher" sein, im KiGa künstlich vom Lernen abgehalten zu werden, statt in die Schule zu gehen, wenn man reif dafür ist? Warum soll es "kindgerecht" sein, einem lernbegierigen Kind neue Anregungen vorzuenthalten? Natürlich ist es schwer, die Balance zwischen Förderung und Forderung zu halten. Aber hier in D tendiert man deutlich zu einer Egalisierung nach unten, was ich sehr schade finde.

Schöne Grüße,
Elisabeth.

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