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Geschrieben von Linda in USA am 05.04.2003, 5:55 Uhrzurück

An alle, die glauben das alle in den USA gleichgeschaltet waeren bzw. Kritik an Bush "geaechtet" wuerde

Mir glaubt man ja nichts, aber vielleicht dem Spiegel?

POLIT-SATIREN AUS DEN USA

Hohn und Spott für Bush und Co.

Von Per Hinrichs

Wer die Kriegsberichterstattung auf CNN oder Fox News verfolgt, glaubt, die USA befänden sich im Kriegsrausch. Doch die Amerikaner lassen sich nicht gleichschalten: Im Internet macht sich ätzende Kritik am Irak-Krieg breit - und die ist oft witziger und politischer als die Proteste hier zu Lande.

Die neueste und größte Bombe hat es wirklich in sich: Sie kann nämlich bei "einer Explosion 1200 neue Terroristen auf einmal erschaffen", preist die Zeitung "The Onion" die "Massive Ordnance Air Blast (MOAB)", die Mutter aller Bomben, in einer Meldung an. Gleich daneben verkündet das Blatt, das wie eine gewöhnliche Zeitung aufgemacht ist, die Heldentaten von George W. Bush als "Chef des 3. Kavallerie-Regiments bei der Eroberung des Irak" - und zeigt den US-Präsidenten auf einem Foto in voller Kampfmontur zwischen GIs in der Wüste. Kein Zweifel: Der Internet-Leser ist bei "America's Finest News Source" gelandet, wie sich das Satireblatt im Titelkopf selbst nennt.

Auch die Web-Seite "whitehouse.org", mitnichten die offizielle Internet-Darstellung des Regierungssitzes, lässt an der Bush-Regierung kein gutes Haar: In einer erfundenen Rede vor Marines spricht der Präsident zu den Soldaten, die "den schlüpfrigen Versprechungen der Militärwerbung erlegen sind, welche ein Leben voll Vertrauen, Tötungen von Zivilisten und gewaltsamen Tod versprechen - und ich weiß, dass ihr Amerikas Beste seid: leuchtende Exemplare unserer Vielfalt, Blutrünstigkeit und Expansionspolitik."

Dass Bush sich mit Erfolg um den Vietnam-Krieg gedrückt hat, brauchen die Autoren der militanten Bush-Äußerungen nicht zu erwähnen: Amerikanische Leser wissen dies ganz genau.

Europäische Besucher staunen beim ersten Mal über so viel offene, beißende und respektlose Kritik gegenüber der US-Regierung - es hält sich eben das Vorurteil eines einseitigen amerikanischen Propagandajournalismus, der 24 Stunden am Tag auf das "Land of the Free" herunterprasselt. Und so sieht es auch der Chefredakteur der "whitehouse.org"-Seite, John Wooden: "Die amerikanischen Massenmedien haben Angst, als anti-amerikanisch abgestempelt zu werden, wenn sie die Absurdität und die Heuchelei der illegitimen Führung von George Bush kritisieren."

Immerhin hat die Seite seit dem Kriegsausbruch etwa eine Million neue Leser pro Tag gewonnen, und die wollen nicht nur lachen. "Eine wachsende Zahl von Leuten suchen nach Innenansichten von Ereignissen, die im Radio, TV oder in Zeitungen einfach nicht vorkommen", so Wooden zu SPIEGEL ONLINE. Ob Krieg oder Religionsfanatismus, ob Redefreiheit oder Medienkritik: Die beiden Satireblätter greifen jedes Thema auf, das ihrer Meinung nach in den anderen Medien zu kurz kommt.

Auch die Macher der "Zwiebel" haben neben der Person Bush mit all ihren Skurrilitäten stets die Politik der konservativen Regierung im Visier. Wenn sie Bush sagen lassen: "Unser langer nationaler amerikanischer Alptraum von Frieden und Wohlstand ist endlich vorbei", dann nimmt "The Onion" sich darin vornehmlich Bushs Wirtschaftspolitik vor: "Bush versprach, die ökonomische Stagnation zurückzubringen durch substanzielle Steuerkürzungen, die in eine Rezession führen, welche eine Steuererhöhung nach sich ziehen, die wiederum den Konsum drosseln, was zu Entlassungen führt, die die Rezession noch schlimmer machen."

Fehlen darf natürlich auch nicht der Hinweis auf Bushs Vater und Amts-Vorvorgänger, George Bush Senior. "Ich konnte spüren, dass er enttäuscht war, dass ich es nicht schneller schaffe als er damals", lassen die Zwiebel-Macher Bush junior in einem fiktiven Telefonat mit seinem Vater sagen.

Bei aller Schärfe der Kritik lassen sich die Macher aber eines Tatbestands nicht bezichtigen: den des Anti-Amerikanismus. "Amerika ist in der Mitte einer paranoiden Besetzung, und George W. Bush tut alles, was in seiner Macht steht, um das in Gang zu halten. Er weiß, dass das Aufrechterhalten der Angst der einzige Weg ist, die Leute abzulenken von seiner völligen Unfähigkeit, irgendetwas hinzubekommen", behauptet Chefredakteur Wooden.

Doch auch für den Journalisten gibt es noch Hoffnung: "Die Welt wird sehen", sagt Wooden, " wenn George W. Bush einst bei seinen Vater auf dem Müllhaufen der Geschichte landet, dass Amerika - in seinem Herzen - ein nobles und anständiges Land bleibt." Und das meint er durchaus nicht ironisch.

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