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Geschrieben von Germi am 28.02.2003, 12:00 Uhrzurück

An Linda - Demokratie im Nahen Osten????

Hallo Linda,

eine demokratische Regierung ist leider nicht möglich in einem Land wie dem Irak. Ich kopiere hier nochmal die Fakten rein, die ich in einem früheren Posting bereits genannt habe und auf die Du auch nicht geantwortet hast.

Bevor ich die Lunte an einem Pulverfass anzünde, schaue ich erst mal, was die Explosion anrichten könnte.

Was passiert, wenn Saddam weg ist, wer soll und kann dann regieren?
Die größte Bevölkerungsgruppe im Irak sind die Schiiten, die unter anderem im Iran an der Macht sind und Anhänger eines islamischen Gottesstaates sind. Das kann keiner wollen, weder die USA, noch Europa oder die unmittelbaren Nachbarn des Irak, außer dem Iran.
Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe sind die Kurden und die will der Westen auch nicht an der Macht haben. Immerhin hat die Türkei mit sehr blutigen Opfern dafür gesorgt, dass es kein souveränes Kurdistan gibt.
Dann bleiben noch die Sunniten, die jetzt schon an der Macht sind und seit langem Wirtschaft, Militär und Politik dominieren. Saddam ist Sunnit. Damit scheiden die Sunniten auch als mögliche Machthaber aus.
Demokratie funktioniert in einem solchen Land nicht. Wenn dort der Krieg losbricht, dann gibt es auf jeden Fall einen Bürgerkrieg, denn dann werden alte Rechnungen mit den Sunniten beglichen. Im Moment gibt es die Todesstrafe für Verfechter des Gottesstaates.
Im übrigen werden die Iraker die USA auch nicht als Befreier willkommen heißen. Die Schiiten sind keine Amerikafreunde, siehe Iran. Weiterhin macht die einfache Bevölkerung des Irak gerade die US-Amerikaner für die Folgen des Embargos, die elende Armut, verantwortlich.
Welche Marionette soll dort als neuer Machthaber installiert werden?

Unterm Strich bleibt:
Schiiten -> Gottesstaat
Kurden -> damit ein neues Pulverfass mitten in einem NATO-Staat (Türkei)
Sunniten -> es werden nur Köpfe getauscht, alles bleibt beim alten, nur der Hass in den islamischen Ländern ist noch schlimmer

Gibt es einen einzigen politisch stabilen, demokratisch regierten, moslemischen Staat?
In der Türkei gibt es eine strikte Trennung von Staat und Religion, darum klappt dort Demokratie (naja, mehr oder weniger gut).

Soviel zu den Demokratieträumen.

Und huhu, Linda, nicht der Irak hat die Verantwortung für die Zerstörung des WTC zu tragen, die trägt Osama mit seinen Terroristen. Der Irak will mit Osama und seinen Leuten nichts zu tun haben, die Ziele sind zu verschieden, der eine will ganz allein herrschen und auf gar keinen Fall einen Gottesstaat (Saddam) der andere will die Macht der Moslems und auf alle Fälle einen Gottesstaat. Man sollte die Fakten nicht noch mehr verdrehen und anpassen, als sie ohnehin schon in den verschiedensten Medien in der einen oder anderen Richtung verbogen werden.

Und Linda, nichts gegen Dich, Deinen Mann oder irgendeinen anderen Amerikaner. Ich will nur vernünftig, auf der Grundlage von Fakten diskutieren. Und mir ist es selbst ein Rätsel, wie man mit dem Irak umgehen soll. Aber Krieg sollte man niemals leichtfertig beginnen.

Vielleicht sollte man die Hebelchen anders ansetzen. Vielleicht sollte man die Leute ausgesprochen hart bestrafen, die mit Diktatoren ihre dicken Geschäfte machen. Huuu, dann würden jetzt einige Firmenchefs auf der ganzen Welt ziemlich zittern.

LG
Germi

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